25.05.2023 | Beratungspraxis

»Ein Vertrag, ein Monatspreis, forever«

DKB

Von Alexandra Buba / Interview mit StBin Miriam Pioch

Die "Steuerpreneure" haben nicht nur einen coolen Namen, sondern verkörpern genau das: ein Dienstleistungsangebot, das es so vorher in der Steuer- und Rechtsberatung nicht gab - und gemeint ist hier nicht Onlineberatung. Als echte Unternehmerin hat die Juristin und Steuerberaterin Miriam Pioch vielmehr ein Beratungsangebot als Pauschaldienstleistung zur Entlastung und Steueroptimierung entwickelt.

StBin Miriam Pioch
Foto: © Miriam Pioch, Steuerpreneure

STB Web:
Miriam, was macht Dein Beratungskonzept aus?

Miriam Pioch:
Es hat zwei Aspekte, die aber zusammengehören: Zum einen verfolgen wir den Fullservice-Gedanken, und zum anderen die Steueroptimierung, zu der solche Themen wie die Frage zählen, ob die Rechtsform noch passt. Das soll nicht bedeuten, dass alle erfolgreichen Handwerksbetriebe jetzt GmbHs werden müssen, sondern genau im Gegenteil: Es geht darum, individuelle Punkte, wie Familie im Hintergrund, mit einzubeziehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir den Mandanten, seine Zahlen und sein Geschäft sehr genau kennen, und das schaffen wir über die Fullservice-Betreuung.

STB Web:
…weshalb du keine isolierte Beratung mehr auf Stundenbasis anbietest?

Miriam Pioch:
Ja, denn das ergibt für mich keinen Sinn mehr. Entweder wir haben das volle Commitment des Mandanten, und er geht diesen Weg mit uns oder eben nicht. Ein schnelles 'Steuercoaching' gibt es bei uns nicht, bei dem die vermeintlich einzig richtige Lösung für alle passt, und die der Unternehmer dann 'nur' noch umsetzen muss.

Jeder Mandant hat quasi eine Standleitung zu uns.

STB Web:
Was gehört zu eurem Fullservice?

Miriam Pioch:
Tatsächlich mehr als rein buchhalterische oder steuerliche Fragen. Die Mandanten schicken uns via Handyupload oder E-Mail nahezu allen Papierkram, den sie von Krankenkassen, Berufsgenossenschaften oder ihrer Kammer bekommen. Meine Mitarbeiterinnen, die längst nicht alle nur einen Steuerfachhintergrund haben, sondern zum Beispiel auch Wirtschaftsfachwirtinnen sind, kümmern sich dann darum. Außerdem hat der Mandant quasi eine Standleitung zu uns, kann sich zu jeder Zeit und mit jeder Frage melden.

STB Web:
Und das rechnet sich?

Miriam Pioch:
Natürlich gibt es Monate, in denen die Anfragen ausarten, aber dafür gibt es auch wieder solche, in denen fast nichts anfällt. Und was die Unterstützung bei nichtsteuerlicher Bürokratie angeht: Letztlich sind dies ja auch immer dieselben Dinge. Wenn ich bei einem Mandanten aber merke, dass der Umfang aus dem Ruder läuft, kann ich ihn immer noch ansprechen und gegebenenfalls nachkalkulieren. Generell aber gilt bei uns: ein Vertrag, ein Monatspreis, forever. Da ist dann auch der Jahresabschluss und die angesprochene Steueroptimierungsberatung schon mit drin. Mandanten lieben diese Transparenz.

STB Web:
Wie bist du zu diesem Preismodell gekommen?

Miriam Pioch:
Das war tatsächlich in mehreren Schritten. Eigentlich komme ich durch meine Tätigkeiten bei Ernst & Young und BASF stark aus der Ecke "sehr umgrenztes Spezialgebiet" und wollte nie eine Feld-Wald-Wiesen-Kanzlei. Doch nach dem Steuerberaterexamen und ein paar Berufsjahren wurde mir das zu begrenzt, es gab noch eine Menge weiterer Dinge, die mich interessiert haben.

In der Selbstständigkeit habe ich 2015 dann ganz klassisch als Steuerberaterin begonnen, was bei mir Geschäftszahlen produziert hat, auf deren Grundlage ich später kalkulieren konnte: Was machen wir für die Mandanten? Was rechnen wir ab? Was manchmal vielleicht bisher noch gar nicht? Und in welchem Pauschalbetrag können wir das abbilden? Eine Zeitlang liefen dann mehrere Modelle hier parallel, ehe ich zum Jahreswechsel 2021/2022 komplett umgestellt habe.

Viele Steuerberater würden dir in der Tat sagen: Du darfst den Mandanten nicht zu viel abnehmen.

STB Web:
Ja offenbar mit Erfolg wenngleich gegen alle Regeln der Kunst...

Miriam Pioch:
Viele Steuerberater würden dir in der Tat sagen: Du darfst den Mandanten nicht zu viel abnehmen, das sollen die selbst machen, denn sie wissen es nicht zu schätzen und so weiter. Tatsächlich habe ich gemerkt, dass genau die vielbeschäftigten Mandanten, die keine Zeit für diese Dinge haben, diejenigen sind, die für uns attraktiv sind.

Natürlich ist unser Angebot nichts für jeden: Ganz kleine Unternehmen haben davon wenig Nutzen, ebenso gab es auch einige Ältere, die nicht bereit waren, mehr zu investieren. Aber das ist auch in Ordnung. Denn auf diese Weise haben wir vielleicht weniger Mandanten, aber um diese können wir uns optimal kümmern.

Verklagt worden bin ich noch nicht, aber schon aus der einen oder anderen Steuerberater-Facebook-Gruppe geflogen.

STB Web:
Was Mandanten gefällt, trug dir in der Branche vermutlich nicht nur Beifall ein. Gab es Klagen?

Miriam Pioch:
Verklagt worden bin ich tatsächlich noch nicht, aber schon aus der einen oder anderen Steuerberater-Facebook-Gruppe geflogen. Dabei freue ich mich über jeden Steuerberater, der dasselbe Konzept fährt wie wir: Der Bedarf bei den Mandanten nach echter, intensiver Dienstleistung ist riesig, und keine Kanzlei könnte sich den Kuchen allein einverleiben. Es gibt genügend Mandate für alle.

STB Web:
Welche Mandate sind denn diejenigen, die du gewinnen möchtest?

Miriam Pioch:
Grundsätzlich alle, die sehr an den wirtschaftlichen Verhältnissen interessiert sind, vor allem sind das Unternehmen auf Wachstumskurs, und hier möchte ich ganz bewusst auf die Handwerksbetriebe hinweisen, die zunehmend professionalisiert und digitalisiert arbeiten und dadurch ordentliche Gewinne erwirtschaften, bei denen dann Optimierungspotenzial entsteht. Was eher nicht gut funktioniert, sind Unternehmen, die bislang noch keinen Steuerberater hatten, sondern alles selbst gemacht haben, da sie die Schmerzpunkte in der Zusammenarbeit noch nicht kennen.

STB Web:
Was rätst du Steuerberaterinnen und Steuerberatern, die sich auf einen ähnlichen Weg machen wollen?

Miriam Pioch:
Sich zu spezialisieren, das haben schon Tausende vor mir gesagt, aber ich kann mich dem nur anschließen. Nicht auf die ganz kleine Beratungsnische, sondern auf ein klares Dienstleistungsangebot, das bestimmte Bereiche abdeckt und andere nicht. Wenn jemand dann etwa den rechtlichen Part nicht selbst abdecken kann, lässt sich möglicherweise mit einem Rechtsanwalt kooperieren, der eine ähnliche Beratungsphilosophie verfolgt: Keine Beratung auf Stundenbasis, sondern ein pauschales Dienstleistungsangebot.

Man darf seine Steuerberatungskanzlei ganz anders führen als alle anderen.

STB Web:
Dazu bedarf es aber auch eines gewissen Muts...

Miriam Pioch:
Man muss den Mut haben, über Leistung und Preis zu sprechen, selbstverständlich. Aber das erwartet der Mandant von seinem Steuerberater, der ihn ja in finanziellen Fragen berät, gar nicht anders. Man darf aber auch etwas: Entscheiden, dass man seine Steuerberatungskanzlei ganz anders führen kann als alle anderen, wenn man das möchte. Man darf fragen: Was würde mir Freude machen und zu welchem Preis?

 

Zur Person

StBin Miriam PiochDie Steuerpreneure Deutschland Steuerberatungsgesellschaft mbH (www.steuerpreneure.de) aus Kaiserslautern wurde 2015 von StBin Miriam Pioch gegründet. Derzeit beschäftigt das Unternehmen zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Kern der Kanzleistrategie ist eine besonders enge Zusammenarbeit mit den Kunden, bei denen die Beraterinnen das Unternehmen jederzeit im Fokus haben, mitdenken und dabei mit neuen Ideen oder Vorschlägen aktiv auf die Mandanten zugehen.

Alexandra BubaAlexandra Buba ist freie Journalistin und spezialisiert auf die Themen der Steuerberatungsbranche (www.medientext.com). Sie schreibt regelmäßig für die STB Web-Redaktion.

 


Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 25.05.2023, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.