21.01.2009 | Interview

Zertifikate: Bei Verlusten Rechtslage prüfen

(STB Web) Derzeit herrscht aufgrund der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers und der damit einhergehenden aktuellen Finanzmarktkrise unter den Anlegern von Zertifikaten eine allgemeine Unsicherheit darüber, welche rechtlichen Möglichkeiten sie im Falle eines Verlustes ihres Wertpapiers haben. Über die am häufigsten gestellten Fragen in diesem Zusammenhang sprach STB Web mit Peter Hahn, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Gründer der Kapitalanlegerkanzlei Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft (hrp), aus Hamburg.

STB Web: Herr Hahn, wie schätzen Sie grundsätzlich die Erfolgsaussichten für die Erwerber von Zertifikaten bei der außergerichtlichen Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen ein?

RA Hahn: Bei den möglichen Erfolgsaussichten ist zu unterscheiden nach den einzelnen Banken und Sparkassen, die die Anlageberatung durchgeführt haben. Einige Sparkassen - wie z.B. die Haspa - sind bereit, außergerichtlich Vergleichsgespräche zu führen. Andere Banken wie etwa die Dresdner Bank oder die Citibank lehnen dies zurzeit noch ab. Grundsätzlich sollte man seine Schadensersatzansprüche nicht selbst geltend machen, sondern einen Anwalt - am besten einen Fachanwalt - einschalten.

STB Web: Sind die Erfolgsaussichten für ein außergerichtliches Vorgehen je nach Art des einzelnen Zertifikats unterschiedlich zu beurteilen?

RA Hahn: Dies ist so. Als Leitformel gilt: Je spekulativer ein Zertifikat ausgestaltet ist, desto größer sind grundsätzlich auch die Erfolgsaussichten für Schadensersatzansprüche im Falle von Teil- oder Totalverlusten. Wenn die Anlageziele eines Anlegers mit der Risikoträchtigkeit des Zertifikates nicht übereinstimmen, ist dies ein erfolgversprechender Ansatz. Es bestehen keineswegs nur Erfolgsaussichten für Schadensersatz beim Erwerb von Lehman-Zertifikaten mit dem eingetretenen Emittentenrisiko.

STB Web: Sollte man Gespräche mit der Bank oder Sparkasse hinsichtlich eines Schadensausgleiches auch selbst führen?

RA Hahn:
Ich kann zu einem solchen Vorgehen nicht raten. Erfahrungsgemäß ist es immer besser, wenn man einen Zeugen mitnimmt. Wegen der Komplexität der Fälle raten wir dazu, einen in diesem Bereich versierten Fachanwalt zu diesen Besprechungen mit zu nehmen. Grundsätzlich können wir nicht empfehlen, den allgemeinen Hausanwalt in solchen Fällen zu beauftragen, sondern einen Spezialisten. Diesbezüglich kann man sich bei den örtlichen Anwaltsvereinen erkundigen. Seit dem 01.01.2008 gibt es den Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.

STB Web: Wie verhält es sich mit so genannten Rückvergütungen? Ist dies ein weiterer rechtlicher Ansatz?

RA Hahn: Neben Ausgabeaufschlägen für die Emittenten haben die anlageberatenden Banken in der Regel Rückvergütungen erhalten. Zum Teil wird hierauf auch in den Kurzprospekten an versteckter Stelle hingewiesen. Seit dem bekannten BGH-Urteil vom 19.12.2006 ist auf die Höhe der erhaltenen Rückvergütungen unaufgefordert hinzuweisen. In vielen Fällen in der Praxis ist dies nach unserer Kenntnis nicht geschehen.

STB Web: Wie kann ich herausfinden, ob im konkreten Fall Rückvergütungen geflossen sind?

RA Hahn: Wie bereits erwähnt, weisen die Kurzprospekte die Höhe der Rückvergütungen zum Teil - allerdings meist an versteckter Stelle - aus. Falls dies nicht geschehen ist, kann man eine Anfrage bei den jeweiligen Emittenten vornehmen.

STB Web: Was muss ich sonst bei der Inanspruchnahme einer Bank bei Verlusten bei Zertifikaten beachten?

RA Hahn: Es ist wichtig, die dreijährige Verjährung im Auge zu behalten. Grundsätzlich verjähren nach § 37 a WpHG Schadensersatzansprüche in drei Jahren ab Erwerb der Zertifikate. Etwas anderes gilt nur bei der Vermögensverwaltung. Bei einer Vermögensverwaltung kann jede Pflichtverletzung erneut Schadensersatzansprüche auslösen. Insofern ist dann von diesem jeweiligen Ereignis an die Verjährungsfrist neu zu berechnen. Weiterhin ist auch bei der Anlageberatung ein weiterer Ansatz gegeben.

Für den Fall, dass man sich zu einem späteren Zeitpunkt bei der Bank erkundigt hat, ob man das Zertifikat veräußern oder weiter halten soll und die Bank dann eine nicht anlagegerechte Empfehlung erteilt hat, ergeben sich auch hieraus Schadensersatzansprüche mit einer neu zu berechnenden Verjährungsfrist. Voraussetzung dafür ist, dass die Halteempfehlung der Bank fundamental oder von der Chartanalyse nicht zu vertreten war.

STB Web: Herr Rechtsanwalt Hahn, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Hinweise zum Gesprächspartner

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Rechtsanwalt Peter Hahn, M.C.L., ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Gründungspartner von Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft (hrp). Laut JUVE, Handbuch für Wirtschaftskanzleien, 2008/2009, nimmt hrp eine Spitzenposition bei den bundesweit tätigen Kanzleien im Kapitalanlegerschutz ein. Rechtsanwalt Hahn ist seit 20 Jahren ausschließlich im Kapitalmarktrecht, Bank- und Börsenrecht tätig und gehört laut JUVE-Handbuch zu den häufig empfohlenen Anwälten. Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft mit Standorten in Bremen und Hamburg vertritt ausschließlich geschädigte Kapitalanleger. Seit 2008 führt hrp in monatlichem Turnus Beratungstage in Berlin und Stuttgart durch.

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Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 21.01.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.