24.07.2013 | Weinkolumne

Weinkolumne: Rotwein gekühlt!

Von Manuela Maurer, München

Weißwein und Rotwein stammen zwar aus demselben Rohstoff, weisen jedoch nicht nur in der Farbe Unterschiede auf. Gewisse Gegensätze sind allerdings auch überwindbar. So wurde beispielsweise das schier unausrottbare Klischee "zu Fisch weiß" und "zu dunklem Fleisch rot" in den letzten Jahren glücklicherweise relativiert. Auch bei der vermeintlichen Grundregel "Weißwein gut gekühlt" und "Rotwein stets bei Zimmertemperatur" lohnt sich eine differenziertere Betrachtung.

Nur Mut! Stellen Sie den Rotwein im
Sommer ruhig einmal eine halbe
Stunde in den Kühlschrank, bevor Sie
ihn öffnen. (Foto: Manuela Maurer)

Als ich vor einigen Wochen in den Genuss kam, ein paar Tage in Barcelona zu verbringen, erlebte ich, was mir schon des Öfteren in südlichen Ländern wiederfahren ist: Ich bekam einen gut gekühlten Rotwein (keine Sangria!) serviert. So kühl, dass das Glas beschlagen war. Die passionierte Rotweintrinkerin rümpfte natürlich erstmal die Nase. Doch zu meiner Überraschung tat und schmeckte mir der kühle Rote sehr wohl unter der mediterranen Sonne. Ich beschloss, dem Phänomen nachzugehen.

Die Zimmertemperatur im Laufe der Zeit

Wieder zu Hause, befragte ich den Weinhändler meines Vertrauens. Er klärte mich darüber auf, dass diese Gepflogenheit zum einen mit der allgemeinen Sommerhitze zusammenhänge. Unabhängig davon würden wir hierzulande allerdings Rotwein generell meist zu warm trinken. Denn die gute alte "Zimmertemperatur" ist spätestens seit der Erfindung der Zentralheizung längst nicht mehr das, was sie früher mal war, und daher kein geeigneter Maßstab mehr für die ideale Serviertemperatur von Rotwein. Vielmehr ist die so genannte Abdampfrate bei über 20 Grad Celsius zu hoch und führt zu unangenehm empfundener sowie meiner Wahrnehmung nach stark alkoholbetonter Geruchsentwicklung. Geschmacks- und Geruchsstoffe verdunsten rascher und treten dadurch stärker oder gar zu stark in Erscheinung.

Der kühle Rote – im Sommer eine gute Wahl

Optimal entfalten kräftige, gehaltvolle Rotweine hingegen ihre Aromen zwischen 15 und 18 Grad. Lediglich Weine mit hohem Anteil an Gerbstoffen (Tanninen), meist im Barrique ausgebaut, vertragen Trinktemperaturen, die auch mal bei "guten" 18 Grad liegen können. Für junge, fruchtige Rotweine - wie zum Beispiel den französischen Beaujolais-Primeur, den italienischen Bardolino und bisweilen auch den deutschen Trollinger - werden dagegen sogar  Trinktemperaturen von nur 12 bis 15 Grad empfohlen, vor allem im Sommer. Und wird ein Rotwein doch einmal zu kühl serviert, kann er lediglich seine Aromen nicht voll entfalten, erfrischt aber dafür bei sommerlichen Temperaturen angenehm.

Also, nur Mut! Stellen Sie den Rotwein ruhig einmal eine halbe Stunde in den Kühlschrank, bevor Sie ihn öffnen - zumal Wein sich bereits beim Einschenken rasch um ein bis zwei Grad erwärmt.

Was jedoch schlussendlich für die Weinauswahl zu Fisch oder geschmortem Fleisch gilt, darf getrost auch für die Trinktemperatur angewandt werden: Erlaubt ist, was gefällt.

 

* Über die Autorin:

Manuela Maurer ist Herausgeberein und Chefredakteurin von STB Web - Portal und Online-Magazin für Steuerberater in München. Neben einer spannenden Schachpartie und guter Literatur schätzt sie auch gehaltvolle Rotweine! Sie twittert unter @stbweb


Mehr über die STB-Web-Weinkolumne lesen Sie hier: "Wein und Steuern – eine verheißungsvolle Verbindung"

(STB Web)