20.05.2015 | Weinkolumne

Weinkolumne: Pinot Grigio? Bullshit! Grauburgunder!

Von RAin Brigitte Käser, Hannover *

Die Winzer-Brüder Alexander und Martin Bauer waren bei falstaff als Newcomer des Jahres 2014 nominiert. Sie mischen die deutsche Weinszene kräftig auf mit frechen und provokativen Labeln wie "Sex Drugs & Rock"n Roll - Just Riesling" oder Sprüchen wie "If you are racist, a terrorist or just an asshole, don"t drink my Sauvignon Blanc". Ich habe den "Pinot Grigio, Pinot Gris, Bullshit - Drink real Grauburgunder" getestet.

(Foto: © Wilm Ihlenfeld)

Am Pinot Gris oder Pinot Grigio scheiden sich die Geister und legendär ist der Shitstorm, den eine Bemerkung des damaligen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück auslöste, als er launig bekundete, dass er einen Pinot Grigio für unter 5 Euro die Flasche nicht trinken würde. Wahrscheinlich hatte er dabei die langweiligen und faden Massenweine vor Augen, die den Markt überschwemmen. Böse Zungen behaupten, dass die in Italien gebräuchliche Abkürzung P.G. in Wahrheit „per Germania“ hieße. Dabei ist der Pinot Grigio eine natürliche Mutation des edlen Spätburgunder und wurde im Burgund schon im Mittelalter angebaut. In Deutschland wurde die Traube im Jahre 1711 von Johann Ruland in einem Garten in Speyer wiederentdeckt. Süß ausgebaut wurde die Traube daher auch unter dem Namen Ruländer bekannt. Die erst seit Mitte der 1990er Jahre praktizierte trockene Ausbauvariante dagegen hat sich unter der Bezeichnung Grauburgunder durchgesetzt, abgeleitet von der grau-rötlichen Farbe der Traubenschale.

In Baden, Pfalz und Rheinhessen

Den Grauburgunder findet man in Deutschland häufig in Baden, der Pfalz und Rheinhessen. Fetter Boden und Sonne lassen so extraktreiche und opulente Weine entstehen. In Italien dagegen wird der Pinot Grigio eher als neutraler, spritzig-frischer Alltagsbegleiter gesehen. Diese geschmacklichen Unterschiede haben dann wohl auch die Brüder Alexander und Martin Bauer veranlasst, ihren Grauburgunder provokant auch im Namen von der müden, langweiligen Massenware der Pinot Grigios abzugrenzen. „Pinot Grigio, Pinot Gris, Bullshit! Drink a real Grauburgunder!“

Und dem lieben Peer möchte man zurufen: hättest du doch mal früher "echten" Grauburgunder getrunken, dann wäre dir dieser Shitstorm erspart geblieben.

Denn, das was die Brüder zusammen mit ihrem Vater Norbert vom Weingut Emil Bauer&Söhne aus Landau-Nußdorf in der Pfalz mit ihrem "real Grauburgunder" 2014 in die Flasche gebracht haben, ist Grauburgunder von höchster Qualität zu einem vernünftigen Preis von unter 10 Euro.

Vorsicht: trinkfreudig

Der Wein wird von Hand gelesen, steht lange auf der Hefe und wird dann zu einem Drittel im großen Holzfass vergoren, was ihm den nötigen Schmelz verleiht. Herauskommt ein saftiger und harmonischer Wein mit frischer Säure. Goldgelb im Glas und in der Nase gelbe Früchte, etwas Zitrusfrucht und Mandel. Abgerundet durch einen Touch Honig und leichte Gewürze. Im Mund dann satte Frucht, mineralisch und körperreich. Alles harmonisch eingebunden und Vorsicht(!) trinkfreudig. Der "real Grauburgunder" ist ein sehr guter Begleiter zu Spargel mit Schinken, passt auch auch zu Lachs sehr gut, oder Sie trinken ihn einfach so. Das geht auch. Wer braucht schon Pinot Grigio, wenn es solche Grauburgunder gibt.

 

* Über die Autorin:

Brigitte KäserNeben ihrem Hauptberuf als Geschäftsführerin Gesundheitsmanagement ambulant der AOK Niedersachsen ist Brigitte Käser auch als Rechtsanwältin tätig (www.brigitte-kaeser.de). Sie twittert unter @Stiftungsrecht

 


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