24.10.2012 | Weinkolumne

Eine sichere Bank aus Griechenland?

Von RAin Brigitte Käser, Hannover *

Bei Griechenland denkt heute jeder sofort an Euro-Krise, Schuldenschnitt, Staatspleite und unterkapitalisierte Banken. Da selbst der IWF jetzt neben weiteren Sparmaßnahmen auch Wachstumsanreize fordert, ist es Zeit sich mit den Werten Griechenlands zu beschäftigen, in die es sich gerade heute zu investieren lohnt: dem Wein. Und hier gibt es sie auch tatsächlich noch, die sichere Bank mit der Weinkenner nichts falsch machen können.

Griechischer Wein - weit mehr als nur
Retsina. Foto: © VRD - Fotolia.com

Die Spuren des Weinbaus in Griechenland lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. Zahlreiche archäologische Funde auf Kreta, wie eine der ältesten Weinpressen der Welt, Steinkelter und Tongefäße deuten auf frühen gewerblichen Weinbau hin. Da die Amphoren, in denen der Wein gelagert und transportiert wurde mit Harz abgedichtet waren, entstand so die heute noch praktizierte Konservierungsmethode des geharzten Weines. Aber zugegeben, außerhalb Griechenlands hat sich diese Methode – den Weingöttern sei Dank – nie durchgesetzt. Und abgesehen von heißen Sommernächten in griechischen Tavernen ist der Retsina auch kaum genießbar.

Die frühe ökonomische Bedeutung des Weinbaus und des Weinhandels lässt sich daran ablesen, dass es auf Thasos, der nördlichsten Ägäisinsel schon im 5. Jahrhundert v. Chr. ein Weingesetz gab, in dem neben der Besteuerung des Handels auch schon Stempel auf den Amphoren zur besseren Exportkontrolle vorgesehen waren.


Vom Massenmarkt zum hohen Niveau

Mit dem osmanischen Reich kam dann allerdings auch die bis dahin führende und florierende Weinbaukultur Griechenlands zum Erliegen. Hohe Steuern auf Trauben und Wein machten den Weinanbau unattraktiv. Dies änderte sich erst mit dem Beitritt Griechenlands zur EU. Eine moderne Weingesetzgebung und vor allem junge aufstrebende Önologen begannen den ursprünglich für den Massenmarkt konzipierten griechischen Wein auf ein hohes Niveau zu heben.


Rebstock für Rebstock von Hand gelesen

Zu einem dieser alten, aber neu aufgeblühten Weingüter gehört Tsantali, gegründet von Evangelos Tsantalis und in bester Winzertradition geführt. Mein persönlicher Favorit ist ein Wein namens "Klima Klima". Übersetzt heißt "Klima Klima" nichts anderes als "Rebstock für Rebstock" - ein kräftiger Cabernet Sauvignon, gereift in der hügeligen Landschaft Chalkidiki. Biologisch angebaut werden die Trauben von Hand gelesen, selektiert und ausschließlich mit natürlichen Hefen vergoren. Dunkles Rot mit viel Frucht reifer Brombeeren und fein würzigen Holznoten aus acht Monaten Reife im französischen Barrique geben dem Wein den perfekten aromatischen Schmelz eines guten Griechen. Gut trinkbar ist der 2009er, der aber auch noch Lagerpotenzial aufweist. Es empfiehlt sich, die Flasche eine Stunde vor dem Genießen zu öffnen und nach dem Degustieren zu entscheiden, ob er dekantiert werden sollte. Die perfekte Serviertemperatur liegt bei 15-17 Grad, der Preis um 17 Euro.


Kategorie: Kräftige Rotweine

Wer es etwas üppiger mag, dem sei der 2002er Kormilitsa Agioritikos-Mount Athos empfohlen. Sehr rar und nicht billig, dafür aber mit beeindruckendem Geschmackserlebnis vollreifer roter Früchte, leichten Röstaromen mit mediterranen Kräutern bei undurchsichtigem Purpur im Glas. Traubensorten: Cabernet Sauvignon und Limnio. Und mit Limnio ist hier auch eine sehr alte griechische Traubensorte verarbeitet. Sortenrein wird der Limnio kaum ausgebaut, dazu ist die Rebsorte zu körperreich und rustikal. Als Cuvée mit Cabernet Sauvignon aber geradezu perfekt um die würzigen und kräftigen Kräuternoten zu unterstreichen. Die Flasche liegt bei stolzen 150 Euro - ist allerdings auf alle Fälle eine sichere Bank.

 

* Über die Autorin:

Neben ihrem Hauptberuf als Geschäftsführerin Gesundheitsmanagement ambulant der AOK Niedersachsen ist Brigitte Käser auch als Rechtsanwältin tätig (www.brigitte-kaeser.de). Sie twittert unter @Stiftungsrecht


Mehr über die STB-Web-Weinkolumne lesen Sie hier: "Wein und Steuern – eine verheißungsvolle Verbindung"

 

(STB Web)