08.12.2023 | ZiviZ-Survey 2023

Zivilgesellschaftliche Organisationen im Wandel

In Deutschland gab es im Jahr 2022 rund 657.000 zivilgesellschaftliche Organisationen. Dazu zählen mehr als 615.000 eingetragene Vereine, aber auch Stiftungen, gemeinnützige Kapitalgesellschaften und gemeinwohlorientierte Genossenschaften.

Dies geht aus dem ZiviZ-Survey 2023, einer aktuellen Bestandsaufnahme der Zivilgesellschaft in Deutschland, herausgegeben von ZiviZ im Stifterverband, hervor. Die Ergebnisse der repräsentativen Organisationsbefragung machen allerdings auch deutlich, dass zivilgesellschaftliche Organisationen die gesellschaftliche Vielfalt nicht abbilden: Weniger als die Hälfte hat junge Engagierte unter 30 Jahren in Leitungspositionen. Lediglich elf Prozent der Organisationen geben an, Engagierte mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen zu haben, nur 21 Prozent berichten von sozialer Diversität unter den Engagierten.

"Organisationen müssen sich vermehrt neuen Gruppen öffnen. Dies ist essenziell für die Zukunftsfähigkeit der eigenen Organisation. Es ist aber auch wichtig für den Beitrag der Zivilgesellschaft zu gesellschaftlicher Integration und Teilhabe", resümiert Peter Schubert, Projektleiter des ZiviZ-Surveys.

Kooperation zwischen Staat und Zivilgesellschaft

Ein seit Jahren erkennbarer Trend setzt sich weiter fort: Neugegründete Organisationen übernehmen immer häufiger Aufgaben, die vormals im Verantwortungsbereich des Staates lagen. "Zwar geben 54 Prozent der Organisationen an, ihre Arbeit selbstständig leisten und finanzieren zu wollen. Inzwischen sehen aber schon vier von zehn Organisationen den Staat in der Mitverantwortung für die Finanzierung der von ihrer Organisation geleisteten Arbeit. Im Jahr 2016 waren es noch drei von zehn. Dieser Wandel im Selbstverständnis stellt neue Anforderungen an die noch ausbaufähige Kooperation zwischen Staat und Zivilgesellschaft", so Schubert.

Entkoppelung von Mitgliedschaft und Engagement

Eine weitere Herausforderung für die Organisationen ist auch die zunehmende Entkoppelung des Engagements von einer formalen Mitgliedschaft. 2022 sagen 30 Prozent der Organisationen, dass es bei ihnen freiwillig Engagierte gibt, die keine Mitglieder der Organisation sind. 2012 waren es noch 21 Prozent. Zwar können diese Organisationen eine positive Entwicklung der Engagiertenzahlen aufweisen, gleichzeitig fallen aber entsprechende Mitgliedsbeiträge weg. Die zunehmende Entkoppelung von Mitgliedschaft und Engagement ist Ausdruck der abnehmenden Bereitschaft in der Bevölkerung, sich an eine Organisation zu binden. Sie erfordert, niedrigschwellige Konzepte für neue Formen des Engagements zu entwickeln und alternative Finanzierungsquellen zu erschließen, um Einnahmeverluste durch fehlende Mitgliedsbeiträge auszugleichen.

Download:

ZiviZ-Survey 2023: Hauptbericht

(Stifterverband / STB Web)

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 08.12.2023, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.