22.11.2022 | Studie

Erbe bestimmt Wohneigentum

Die meisten Menschen, die Wohnraum erwerben, erhalten ihr Startkapital dafür von den Eltern in Form von Geschenken oder einem Erbe, fand eine Forschendengruppe der Universität Konstanz heraus.

Otto-Schmidt-Verlag

Wie hängt die große Ungleichheit beim Wohneigentum mit familiärem Wohlstand, Miet- und Hypothekenmarkt zusammen? Nach aktuellen Forschungsergebnisse des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ der Universität Konstanz spielt das Einkommen dabei nicht die einzige Rolle: Genauso wichtig oder wichtiger kann die Struktur des Immobilienmarkts im jeweiligen Land sein, und wie schwierig es ist, an einen Kredit oder eine Hypothek zu kommen.

Außerdem sei beim Erwerb von Wohneigentum Startkapital sehr wichtig, das die meisten Käuferinnen und Käufer von den Eltern als Geschenk oder Erbe erhalten. Die Übertragung von Vermögen von Eltern auf ihre Kinder sei eine der Hauptursachen sozioökonomischer Ungleichheit in Europa, schreiben die Forschenden, die ungleiche Verteilung von Wohneigentum dabei dessen offensichtlichste Auswirkung.

Ungleichkeit im Westen größer

Die Auswertung von rund 80.000 Haushalten aus 20 europäischen Ländern ergab außerdem, dass Wohneigentum bei jungen Erwachsenen in West- und Mitteleuropa viel ungleichmäßiger verteilt ist als in Süd- und Ostmitteleuropa.

Das im Hinblick auf das Vermögen der Eltern reichste Fünftel der jungen Erwachsenen habe in Ländern wie Deutschland, Österreich oder Irland viel höhere Chancen, sein Haus oder seine Wohnung selbst zu besitzen, so die Forschenden. Verglichen mit dem untersten Fünftel sei die Chance in Deutschland etwa 30 Prozent höher, in Österreich sogar um rund 50 Prozent.

Beim Eigentum mit Hypothekenlast liegt die Ungleichheit in Deutschland mit 36 Prozent Unterschied zwischen oberstem und unterstem Fünftel sogar noch höher. Leichter Zugang zu Krediten und Hypotheken begünstige demnach offenbar nochmals diejenigen, die besonders viel Wohlstand aus der Elterngeneration übernommen hatten.

(Uni Konstanz / STB Web)

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 22.11.2022, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.