24.01.2007 | Steuergestaltungsberatung

Steuergestaltung: Mit der Familie gegen den Fiskus

Von StB Doreen Sorge und StB Frank Rumpel, Ecovis

Zu den wenigen Steuersparmodellen, die noch funktionieren, gehören Gestaltungen mit Kindern. Besonders flexibel ist die Familien-KG.
 
Doreen Sorge, Ecovis Frank Rumpel, EcovisViel geht nicht mehr, seit der Gesetzgeber den ebenso beliebten wie umstrittenen Verlustzuweisungsmodellen den Garaus gemacht hat. Ihr besonderer Reiz lag darin, dass die hohen Anfangsverluste durch die Verrechnung mit anderen Einkünften die Gesamtsteuerlast bei hoher Progression kräftig drückten. Diesen Vorteil können die Beteiligungsmodelle, die der Fiskus weiterhin akzeptiert, nicht bieten – weder Schiffsbeteiligungen nach dem Tonnagemodell noch Auslandsimmobilienfonds, deren Steuerspareffekt auf Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Staaten beruht.

Versperrt wurde auch ein zunächst übersehenes Schlupfloch: die Verlustzuweisung durch Wertpapierkäufe einer – noch begrenzt gewerblich tätigen – Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Diese konnte unter bestimmten Voraussetzungen die Anschaffung von Wertpapieren des Umlaufvermögens sofort als Betriebsausgaben absetzen.

Damit bleiben noch zwei wesentliche Möglichkeiten, die Steuerlast zu mindern:

  • für Unternehmer die Gründung von Auslandsgesellschaften in Staaten, die Gewinne geringer   besteuern als in Deutschland. Solche Standorte gibt es innerhalb (Irland, Zypern) und außerhalb der EU (insbesondere Schweiz), im Nahen Osten (Dubai) und in Asien (Hongkong). Hier ist noch manches möglich, das muss jedoch sehr sorgfältig geplant und ausgeführt werden.

  • die Übertragung von Vermögensteilen auf Familienmitglieder, um deren Freibeträge und niedrigere Steuersätze bei der Einkommen- und Gewerbesteuer zu nutzen und damit die Gesamtsteuerbelastung innerhalb der Familie zu senken.

Die bekannteste Form des Steuersparmodells Familie ist die Verlagerung von Kapital- oder Immobilienvermögen auf Kinder. So bleiben pro Kind Kapitaleinkünfte bis 9.121 Euro (2006) bzw. bis 8.501 Euro (2007) unversteuert, wenn es keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte hat. Diese Summe setzt sich aus Grundfreibetrag (7.664 Euro), Sparerfreibetrag (1.370 Euro, ab 2007: 750 Euro), Werbungskosten- und Sonderausgaben-Pauschbetrag (51 und 36 Euro) zusammen. Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung wird keine Kapitalertragsteuer bzw. Zinsabschlagsteuer einbehalten. Aus Vermietung und Verpachtung von Immobilien kann jedes Kind bis zu 7.700 Euro (Grundfreibetrag plus Sonderausgabenpauschale) steuerfrei beziehen.

Wenn Eltern diese Möglichkeiten voll nutzen, können sie eine ansehnliche Steuerersparnis erzielen. Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern unter 18 Jahren, das zuvor ein gemeinsames Einkommen von 250.000 Euro im Ehegattensplitting zu versteuern hatte und 8 Prozent Kirchensteuer zahlt, beträgt sie im Immobilienfall 7.350 Euro, beim Kapitalvermögen 8.100 Euro. Unternehmer können ihre Kinder zur Steuerersparnis auch an ihrem Betrieb beteiligen – etwa in Form einer stillen Beteiligung, die sich bei Einzelfirmen empfiehlt, aber auch über Kommandit- oder GmbH-Anteile.

Damit das Finanzamt eine Beteiligung durch Schenkung anerkennt, müssen neben der notariellen Beurkundung weitere Anforderungen erfüllt werden: Minderjährige Kinder müssen bei Vertragsabschluss durch einen vom Vormundschaftsgericht bestellten Ergänzungspfleger (zum Beispiel einen Rechtsanwalt oder Steuerberater) vertreten werden. Wenn ein minderjähriges Kind am Verlust beteiligt werden soll (was in diesem Fall wiederum für die steuerliche Anerkennung erforderlich ist), bedarf es der Genehmigung des Vormundschaftsgerichts. Überdies dürfen sowohl im Schenkungsfall als auch bei einer stillen Beteiligung aus eigenen Mitteln des Kindes bestimmte Renditegrenzen nicht überschritten werden.

Für Unternehmer interessant ist eine Darlehensschenkung. Dabei erhält der elterliche Betrieb aus geschenkten Beträgen ein Darlehen, dessen Zinsen er als Aufwendungen steuerlich geltend machen kann. Dies setzt voraus, dass das Darlehen nicht in sachlichem und zeitlichem Zusammenhang zur Schenkung und mit der Auflage der Rückgewähr gewährt wird.

Bei allen steuerlichen Gestaltungen innerhalb der Familie verlangt der Fiskus zudem, dass im Voraus klare, eindeutige Vereinbarungen getroffen und schriftlich niedergelegt werden, diese Vereinbarungen üblich sind (etwa Darlehens- und Mietkonditionen) und tatsächlich so durchgeführt werden (zum Beispiel Zahlungen pünktlich erfolgen). Ferner müssen die Vereinbarungen zivilrechtlich wirksam sein. Bei minderjährigen Kindern muss daher gegebenenfalls die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts eingeholt oder ein Ergänzungspfleger bestellt werden, der für das Kind unterschreibt.

Zudem birgt die Steuergestaltung mit Kindern Risiken, denn bei endgültigen Vermögensübertragungen gilt: weg ist weg. Und die Eltern dürfen über die vertraglich erteilten Vollmachten hinaus keine Verfügungen über das Vermögen ihrer minderjähriger Kinder treffen, ohne das Vormundschaftsgericht zu fragen bzw. einen Ergänzungspfleger einzuschalten. Damit wird es den Eltern erschwert, flexibel auf veränderte Situationen zu reagieren.

Einen Ausweg bietet hier die Familiengesellschaft in Form einer KG. Daran sind die Kinder als Kommanditisten beteiligt, die nur in Höhe ihrer Einlage haften, und als voll haftender Komplementär ein Elternteil – beispielsweise die Ehefrau mit einer Mini-Einlage von einem Euro. Da sie als Komplementärin die alleinige Geschäftsführungsbefugnis hat, braucht sie niemanden zu fragen, ob die KG Wertpapiere, Immobilien oder GmbH-Anteile erwirbt oder verkauft oder Schulden aufnimmt. Die Zustimmung des Vormundschaftsgerichts ist nur bei der Gründung nötig.

Falls sich Kinder nicht den elterlichen Vorstellungen entsprechend entwickeln, lässt sich vorsorgen: So kann der Komplementär vertragsgemäß bestimmen, dass sie beispielsweise statt bisher 99 Prozent nur noch 50 Prozent des Gewinns erhalten. Im Gesellschaftsvertrag kann vereinbart werden, dass Gewinnentnahmen der Zustimmung des Komplementärs oder der Mehrheit der Gesellschafter bedürfen. Und für den Fall, dass ein Kind aussteigen möchte, können ausreichende Kündigungsfristen und die Auszahlung in mehreren Jahresraten vorsehen werden.


Worüber Sie mit Ihrem Steuerberater reden sollten

  • Welche Form des Steuersparmodells Familie ist in unserem Fall am besten geeignet?
  • Auf welche Fallstricke – etwa hinsichtlich Kindergeld/Kinderfreibetrag und damit zusammenhängende Vergünstigungen oder gesetzliche Krankenversicherung – muss geachtet werden?
  • Lohnt sich dann die Gestaltung mit Kindern noch?
  • Welche generellen Anforderungen gelten für die steuerliche Anerkennung?
  • Muss bei der vorgesehenen Gestaltung mit minderjährigen Kindern ein Ergänzungspfleger bestellt werden?
  • Welche Regeln sind bei der Übertragung von Kapitalvermögen auf Kinder einzuhalten?
  • Welche Renditegrenzen gelten für Beteiligungen von Kindern

Hinweise zu den Autoren

Ecovis Doreen Sorge und Frank Rumpel sind Steuerberaterin bzw. Steuerberater bei der überregional tätigen ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft mit Hauptsitz in Berlin. Internet: http://www.ecovis.de

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 24.01.2007, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.