26.08.2016 | Europäische Wirtschaft

Die Auswirkung des Brexit-Votums auf die Konjunktur: Welche Rolle spielt die Unsicherheit?

Die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigen, dass die durch das Brexit-Votum ausgelöste wirtschaftliche Unsicherheit der europäischen und deutschen Wirtschaft in beträchtlichem Maße schaden könnte und wohl auch zwei Jahre später noch bemerkbar sein wird.

Die DIW-Forscher haben den durch das Brexit-Votum ausgelösten Unsicherheitsschock analysiert. (Foto: © bluedesign - Fotolia.com)

Unsicherheit spielt in der Wirtschaft eine große Rolle. Doch was hat es genau für Folgen, wenn sich auf den Finanzmärkten, in Unternehmen und unter Konsumentinnen und Konsumenten mit einem Schlag große wirtschaftliche Unsicherheit breit macht? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist dieser Frage am Beispiel des Brexit-Votums nachgegangen. Das Ergebnis: Der Effekt des überraschenden Brexit-Votums wirkt auch Monate später noch auf Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenquote und Verbraucherpreisindex.

DAX und EURO STOXX 50 als Maßstab

Als Unsicherheitsmaß verwendeten die DIW-Ökonomen Volatilitätsindizes für den DAX und den EURO STOXX 50. Beide Indizes verzeichneten am Morgen nach dem Brexit-Entscheid hohe Ausschläge. Mit einer Konjunkturprognose sei die Rechnung nicht zu vergleichen, unterstreichen die Wissenschaftler.

Die hiesige Wirtschaftsleistung werde vor allem durch einen Rückgang der Investitionstätigkeit gedämpft, die in Deutschland um ein Prozent sinken könnte. "Die deutsche Wirtschaft leidet unter der Unsicherheit stärker als der Euroraum insgesamt, da unser verarbeitende Gewerbe hierzulande sehr exportorientiert ist und die schwächere Nachfrage aus dem Vereinigten Königreich unmittelbar zu spüren bekommt", erklärt Makroökonom Malte Rieth.

Investitionen in Maschinen sinken am stärksten

Auch auf die Investitionstätigkeit im gesamten Euroraum habe der Schock nachhaltige Auswirkungen: Sie falle innerhalb eines Jahres um 0,7 Prozent. Die Talsohle werde in den meisten Ländern nach sechs bis zehn Monaten erreicht sein. Die Investitionen in Maschinen gehen dabei am stärksten zurück, so die Prognose. Auch in Metallerzeugnisse und elektronische Anlangen würden die Unternehmen deutlich weniger Geld stecken. Kaum betroffen seien hingegen Investitionen in Gebäude sowie in Forschung und Entwicklung. Diese seien eher langfristig ausgelegt und würden weniger auf den Anstieg der Unsicherheit reagieren.

Politik sollte stärkere Investitionsanreize setzen

Um die wirtschaftliche Unsicherheit von Unternehmerinnen und Unternehmern zu reduzieren, sollte das künftige Verhältnis zwischen Großbritannien und der Europäischen Union möglichst rasch geklärt werden. Nach Ansicht der Studienautoren sollte die Politik zudem erwägen, Unternehmensinvestitionen – wie von der Expertenkommission zur Stärkung von Investitionen in Deutschland bereits im Jahr 2015 vorgeschlagen – direkt zu fördern. Außerdem müsste der Staat mehr investieren, da dies eine wichtige Voraussetzung für mehr private Investitionen ist.

(DIW / STB Web)

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 26.08.2016, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.