20.02.2013 | Weinkolumne

Roter Fitz – Manche Geschenke können nachhaltig überraschend sein

Von Bernhard Ruder, München *

Deutscher Rotwein? Ach ja, gibt es, geht so, nicht überragend – so lauten landläufige Vorurteile. Und genau das dachte auch ich, bis ich neulich ein überraschendes Geschenk erhielt…

Weinliebhaber sind bei Weingeschenken grundsätzlich vorsichtig, denn es gibt mindestens drei Arten von Schenkern: Zum einen gibt es diejenigen, die selbst keinen Wein trinken und Weine, die sie selbst einmal geschenkt bekommen haben irgendwann weiterverschenken. Gerade bei Weinen, die jung getrunken werden sollen, ist es für den Weinfreund ein Graus, einen im warmen Wohnzimmer bei hellem Licht gelagerten alten „Beaujolais Primeur“ zu verkosten. Zum anderen gibt es Menschen, die ebenfalls keine Weintrinker sind und sich im Fachgeschäft beraten lassen, um für den Beschenkten ein besonders gutes Tröpfchen zu finden. Sie stellen fest, dass gut ist, was teuer ist. So wechselt so mancher Dessertwein und manche Spätlese den Besitzer – ohne Rücksicht auf den Geschmack des Beschenkten versteht sich. Und schließlich gibt es noch die Menschen, die den Geschmack des Beschenkten kennen oder vorher erfragen und wunderbare Weine verschenken. Das sind mir die Liebsten.

Highlight aus der Pfalz

Aber zurück zum Anfang. Nach dem Auspacken des Geschenks hielt ich zwei Flaschen „Roter Fitz“ aus der Pfalz in Händen. Ich bin ein bekennender Fan von italienischen Weiß- und Rotweinen. Aber hin und wieder experimentiere ich auch gerne und so öffnete ich skeptisch – ganz ohne ein besonderes Essen – eine Flasche. Nase und Geschmack lassen zunächst fragen, ob es sich hier wirklich um einen Pfälzer Rotwein handelt. Würzig und fein, Paprika und Waldbeere, ein weicher, nachhaltiger Abgang. Trotz seiner 12,5 % Vol. schmeckt er leicht und süffig.

Ein Wein mit Vergangenheit

Meine – zugegeben spärlich vorhandene Fachliteratur –gibt zum Roten Fitz nichts her, obwohl der Große Johnson sich die Mühe hätte machen müssen ihn zu probieren. Das Weingut gibt es schließlich seit 1785. Auch im Internet ist er schwer zu finden. Das Weingut Fitz-Ritter hat ihn gut versteckt. Doch wenn man den „Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Cabernet Dorsa – ausgebaut im traditionellen alten Pfälzer Eichenholzfass“ dann schlussendlich auf dem Monitor hat, erfährt man eine interessante Geschichte: Der Dürkheimer Weingutsbesitzer Johann Fitz war ein Pfälzer Rebell, der beim Hambacher Fest 1832 – der Wiege der deutschen Demokratie – die Winzer anführte im Protest gegen mangelnde Pressefreiheit, Zollgrenzen und zu hohe Steuern – unter anderem auch auf den Wein. In seiner Festrede dichtete er: „Drum ist in unsrer Not, nur wer trinkt ein Patriot“.

Von Jahr zu Jahr besser

Da mir der geschenkte Rote Fitz 2008er sehr gut geschmeckt hat, bestellte ich gleich den 2011er. Dieser ist für mich sogar noch ein wenig feiner und ausgewogener im Geschmack. Da ich natürlich nicht weiß, wie der 2008er gelagert wurde, kann ich allerdings kein ganz objektives Urteil abgeben. Erstaunt hat mich sein Preis: Über den Direktvertrieb des Winzers EUR 8,50 (+Versandkosten) pro Flasche. Für diese Qualität ist das mehr als angemessen. Und gerade als ich diesen Artikel fertigstellen wollte, erreicht mich eine Nachricht des Weinguts: (...) In den letzten Wochen haben wir die ersten 2012er Guts- und Ortsweine abgefüllt. Eine kleine aber feine Veränderung auf dem Rückenetikett könnte Ihnen dabei ins Auge fallen. Nach drei Jahren der Umstellung kommen jetzt unsere ersten zertifizierten Bio-Weine auf den Markt! (DE-ÖKO-039).

Fazit

Suchen, probieren, urteilen – und nichts auf das Gehörte geben. Der Glykol-Skandal in den 1980ern hat viele Deutsche Weinbauern zum Umdenken bewegt. Während in anderen Ländern Weine auseinander genommen, Geschmacksstoffe entzogen und in gewünschter Form wieder hinzugefügt werden, sodass ein einheitlicher Geschmack entsteht, entwickeln engagierte Winzer hierzulande ganz großartige Weine mit der Natur und mit jeder Menge Kellermeisterwissen. Mich freut es, wenn der 2008er eben nicht genau so schmeckt wie der 2011er, weil man erkennt, dass man es mit Winzern zu tun hat und nicht mit Chemikern.


* Über den Autor:

Nach 15 Jahren Geschäftsführung in einem Elektronik-Fachverlag, ist Bernhard Ruder heute für die J.RUDER Steuerberatungsgesellschaft mbH als Büroleiter und Webmaster tätig. Kochen und Wein zählen zu seinen Leidenschaften. Er twittert unter @JRuderStB


Mehr über die STB-Web-Weinkolumne lesen Sie hier: "Wein und Steuern – eine verheißungsvolle Verbindung"

 

(STB Web)