24.10.2012 | Weinkolumne

Weine aus Übersee: Schöne neue Welt?

Von StB Frank Winter, Schwerte *

Das wird die französische Weinwelt im Jahr 1976 bestimmt nicht gedacht haben, als zwei Rotweine aus Kalifornien die edlen Bordeaux in einer Blindverkostung in Paris schlugen. Seitdem erfreuen sich Weine aus Übersee immer größerer Beliebtheit. Shiraz (Syrah) ist dabei sicherlich die Rebe, die alle sofort mit Weinen aus Übersee in Verbindung bringen, aber die Weinländer Südafrika, U.S.A., Chile, Argentinien, Australien und Neuseeland bieten noch viele Köstlichkeiten mehr. Einige davon werde ich Ihnen in folgenden Artikeln vorstellen, heute aber zunächst einen kleinen Einblick in die Weingeschichte der einzelnen Länder geben.

Panorama am Westkap Südafrikas (Foto: © awiebadenhorst - Fotolia.com)


Am Kap der Guten Hoffnung

1652 sollen niederländische Söldner die ersten Rebstöcke in Südafrika gepflanzt haben. Wegen der langen Sommer und der feuchten Winter bietet Südafrika ein wunderbares Klima für den Anbau von Wein, begünstigt durch die von der Antarktis kommende kühle Meeresströmung. Es werden hauptsächlich Shiraz, Cabernet Sauvignon, Merlot sowie Chardonnay und Sauvignon Blanc angebaut.


Es war einmal ein Hugenotte in Florida...

Hauptanbaugebiet in den Vereinigten Staaten ist Kalifornien. Die Anfänge des Weinbaus gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück, als in Florida ein Hugenotte die ersten Weingärten anlegte. Besonders das Weinbaugebiet Napa Valley und der aufstrebende District Sonoma County liegen bei den Weinfreunden im Trend. Rotweine aus Cabernet, Zinfandel und Merlot sowie Weißweine aus vornehmlich Chardonnay haben die beiden Regionen auch außerhalb Amerikas bekannt gemacht. Heute sind viele Weine aus Napa Valley geradezu Kult-Objekte.


"Los conquistadores" mit Ehrgeiz zum Weinbau

Auch in Chile begann der Weinbau bereits im 16. Jahrhundert, als die spanischen Eroberer Rebsorten und Kenntnisse mitbrachten. Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten viele französische Winzer nach Chile aus und prägten die chilenische Art Wein zu erzeugen nachhaltig. Bis heute dominieren französische Rebsorten den chilenischen Wein: Allen voran Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot ergeben tolle Ergebnisse in Chile. Carménère ist eine alte französische Rebsorte, die dem Merlot ähnelt und wird heute fast ausschließlich in Chile angebaut, da Chile das einzige Weinanbaugebiet ist, das bisher von der Reblaus verschont geblieben ist.. Bei den chilenischen Weißweinen prägen Sauvignon Blanc und Chardonnay das Bild.

In Argentinien waren es italienische und französische Einwanderer, die im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts den Weinbau verfeinerten und europäische Rebsorten dort kultivierten. Auf den ca. 220.000 Hektar Rebfläche werden hauptsächlich die Rebsorten Malbec und Cabernet Sauvignon bei den Rotweinen angebaut. Bei den Weißweinen sind es Torrentés und Chardonnay.


Riesling "Down Under"

In Australien begann alles viel später. Erst seit dem 18. Jahrhundert wird Down Under Wein produziert. Dies aber mit großem Erfolg. Australien ist inzwischen der viertgrößte Weinexporteur auf der Welt mit einem Umsatz von etwa 3.9 Mrd. Euro jährlich. Die Weinanbaufläche beträgt 160.000 Hektar und es gibt mehr als 2100 Winzer welche 1,3 Millionen Tonnen Trauben weiterverarbeiten. Die Weinanbauflächen befinden sich in den südlichen Tälern Australiens und nicht wie in Europa an Bergen. Angebaut werden hauptsächlich alte europäische Rebsorten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Riesling oder Shiraz.


Neuseeland: Vielfalt am Südpazifik

Neuseeland beschäftigt sich auch erst seit dem 18. Jahrhundert mit Weinbau. Der wurde aber durch teilweise kuriose Gesetze beeinträchtigt: Wein durfte nur durch Hotels verkauft werden, jedoch nicht mehr als zwölf Flaschen an einen Käufer, erst 1960 durften auch Restaurants Wein anbieten, 1990 dann auch Supermärkte. Nachdem diese Alkoholverkaufsverbote aufgehoben wurden, begann man auch in Neuseeland europäische Weinreben einzuführen. Die mäßig warmen Sommer und milden Winter sind ideal für ausdrucksstarke neuseeländische Weine aus Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay oder Pinot Noir.

Tun Sie es also einfach mal den alten Entdeckern nach, und begeben sich auf die Suche nach neuen Weinen aus fernen Ländern – es lohnt sich.

 

* Über den Autor:

Frank Winter ist Steuerberater und geschäftsführender Partner der Weichelt & Winter Steuerberater-Partnerschaft im nordrheinwestfälischen Schwerte. Seine privaten Leidenschaften sind der Fußball, sein treuer Hund Fido - und: Überseeweine! Er twittert unter @StBWinter


Mehr über die STB-Web-Weinkolumne lesen Sie hier: "Wein und Steuern – eine verheißungsvolle Verbindung"

 

(STB Web)