29.08.2026 | TU Darmstadt
Ob Beschäftigte Sorge vor einem Jobverlust durch KI haben, hängt maßgeblich von ihrem Wissen über KI ab sowie von dem Ausmaß, in dem ihre Arbeit digitalisierbar ist. Das geht aus dem aktuellen KI-Monitor der TU Darmstadt hervor, für den mehr als 2.000 Personen repräsentativ befragt wurden.

Am stärksten ist mit der Angst vor einem Arbeitsplatzverlust laut Studie die KI-Affinität der Befragten verbunden: Je besser Menschen verstehen, wie Künstliche Intelligenz funktioniert und was damit bereits möglich ist, desto größer ist ihre Sorge, durch KI beruflich unter Druck zu geraten oder sogar den eigenen Job zu verlieren. Knapp die Hälfte der Menschen (rund 43 Prozent) mit sehr gutem KI-Know-how rechnet demnach damit, dass KI demnächst ihre Arbeit übernehmen könnte.
"Das ist ein bemerkenswertes und gleichzeitig beunruhigendes Ergebnis", erklärt Projektleiter Prof. Peter Buxmann von der TU Darmstadt. Denn viele Debatten beruhten auf der Annahme, dass Sorgen vor allem eine Folge mangelnder Information seien. "Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein: Wer KI am besten versteht, erkennt auch am deutlichsten ihre Sprengkraft", so Buxmann.
Halluzinationen werden besonders kritisch gesehen
Neben der Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ermittelte die Studie auch, welche Aspekte und Risiken von KI die Befragten zudem beschäftigen. Das sind vor allem Halluzinationen (66,3 Prozent), gefolgt von der mangelnden Nachvollziehbarkeit von Informationen (61,8 Prozent) und dem Datenschutz (61,4 Prozent). Über den Verlust eigener Fähigkeiten sorgen sich 50,4 Prozent, um den Energieverbrauch und die Umweltbelastung hingegen lediglich 37,4 Prozent.
Digitalisierbare Arbeit am stärksten unter Druck
Die Daten zeigen zudem, dass nicht die Branche entscheidend für die Sorge vor Jobverlust ist. Vielmehr geht es darum, ob die Ergebnisse der eigenen Arbeit digitalisierbar sind. Wer vor allem Texte, Analysen, Berichte, Präsentationen, Programmcodes oder andere digitale Arbeitsergebnisse erstellt, sorgt sich deutlich stärker als Menschen, deren Tätigkeit stärker von physischer Präsenz geprägt ist. Das gelte für die meisten Branchen und sei auch nachvollziehbar, erläutert Buxmann: "Anwälte, Softwareentwicklung, Social-Media-Experten sind eben viel stärker von der GenAI-Revolution betroffen als Handwerker oder Krankenschwestern."
Im Bereich IT, Medien und Wissen halten 23,9 Prozent einen Ersatz des eigenen Arbeitsplatzes wahrscheinlich, in der Produktion und Industrie sind es 21 Prozent und im Bereich Finanz, Recht und Dienstleistungen erwarten das 17,2 Prozent.
KI-native Kanzleien verändern Karrieremodelle
KI verändert jedoch nicht nur einzelne Tätigkeiten. Wenn sie zudem Vorarbeiten übernimmt, geraten auch Karrieremodelle unter Druck. Als Beispiel hierfür nennt die Studie sogenannte KI-native Kanzleien: "Sie bauen ihre Organisation von Grund auf um die Technologie und stellen das traditionelle Pyramidenmodell infrage, in dem viele Nachwuchskräfte einer kleineren Zahl erfahrener Fachleute zuarbeiten." Ähnliches sei in Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung oder Finanzdienstleistungen denkbar.
Ein weiteres Kernergebnis der Studie: Nur 15 Prozent der Befragten haben bislang an einer KI-Weiterbildung teilgenommen. Dabei verläuft eine Trennlinie entlang der Hierarchie: 35,2 Prozent der Führungskräfte haben eine KI-Weiterbildung absolviert, aber nur 18,6 Prozent unter den Nicht-Führungskräften. KI-Kompetenz konzentriere sich damit in der Führungsebene, so die Einordnung der Forschenden. Wenn die operative Ebene nicht ausreichend qualifiziert sei, entstehe eine interne Übersetzungslücke, sodass KI-Strategien scheitern könnten. Werde KI-Kompetenz nicht auf allen Ebenen ermöglicht, bleibe der mögliche Wettbewerbsvorteil beschränkt.
Politik und Unternehmen in der Verantwortung
Mit Blick auf die Ängste vor einem Jobverlust durch KI sagte Buxmann, dass generative KI zwar auch neue Tätigkeiten hervorbringen werde, jedoch vermutlich nicht annähernd in dem Maße, wie Stellen wegfallen. Die Diskussion sei keine rein ökonomische: "Wer seine Arbeit verliert, verliert nicht nur Einkommen, sondern häufig auch ein Stück sozialer Teilhabe und persönlicher Orientierung", betonte er. Unternehmen und Politik seien deshalb gefordert, den Sorgen nicht mit Beschwichtigung zu begegnen, sondern mit Qualifizierung und ehrlichen Antworten auf die Fragen der Arbeitswelt von morgen.
Weiterführende Informationen:
(TU Darmstadt / STB Web)