25.06.2026 | Praxistipps
Von Zach Davis
Während digitale Werkzeuge immer mehr Aufgaben übernehmen, wächst die Informationsflut im Berufsalltag weiter. Um den Überblick zu behalten, braucht es deshalb nicht nur gute Software, sondern auch einen klaren Kopf. Mit einfachen Gedächtnistechniken lassen sich Informationen strukturierter erfassen und langfristig besser behalten.
Manchmal haben Steuerberater das Gefühl, ihr Gedächtnis war auch schon einmal besser. Mandanten, Mitarbeiter, Finanzamt, Familie – alles will gleichzeitig etwas von diesem einen Kopf. Irgendwo zwischen Fristen, Rückfragen und neuen Vorgaben taucht dann der Gedanke auf: Früher konnte ich mir mehr merken. Doch meist hat sich nicht das Gedächtnis verändert, sondern die Menge dessen, was darin gleichzeitig Platz finden soll.
Um Gedächtnistechniken sinnvoll zu nutzen, reicht ein kleines Grundverständnis: Unser Kopf arbeitet mit einem begrenzten "Arbeitsspeicher" und einem großen Langzeitgedächtnis. Zuerst landet alles oben im Arbeitsspeicher. Dort ist aber nur für wenige Informationen gleichzeitig Platz. Man kann sich das wie eine kleine Schleuse vorstellen: Nur was diese Schleuse bewusst passiert, landet im Langzeitgedächtnis. Alles andere hinterlässt höchstens einen flüchtigen Eindruck – und ist schnell wieder weg. Gedächtnistechniken sorgen dafür, dass wichtige Informationen diese Schleuse bewusster durchlaufen: durch Wiederholung, Verknüpfung, kleine innere Bilder oder eine kurze Zusammenfassung.
Die gute Nachricht: Für viele typische Kanzleisituationen reichen ein paar einfache Gedächtnistechniken, die ohne Zusatzaufwand in den Alltag passen. Drei Schritte sind entscheidend: fokussieren, verknüpfen, sichern.
Zuerst braucht jede wichtige Information einen kurzen Moment volle Aufmerksamkeit. Wenn im Mandantengespräch etwas Zentrales fällt, hilft ein innerer Stopp: "Das ist wichtig". In diesem Moment entscheiden Sie bewusst, dass diese Information durch die "Gedächtnisschleuse" gehen soll.
Dann kommt die Verknüpfung. Unser Gehirn merkt sich Bilder und Geschichten besser als nackte Fakten. Aus "Rückfrage zum Darlehen der Tochter klären" wird im Kopf zum Beispiel: Die Tochter mit Aktenordner unterm Arm steht vor der Bank. Je bildhafter, desto höher die Chance, dass es hängenbleibt.
Der dritte Schritt ist das Sichern. Halten Sie ein Schlagwort fest, das Ihr inneres Bild wieder aufruft – notiert an der richtigen Stelle: in der Akte, der Wiedervorlage oder im Aufgabenmodul. So verbinden Sie Gedächtnistechnik und System. Beides macht Informationen belastbar.
Namen sind für das Gedächtnis ein Sonderfall. Sie sind wichtig für die Beziehung, aber inhaltlich sagen sie erst einmal wenig aus. Genau deshalb rutschen sie leicht durch. Mit ein paar einfachen Techniken können Sie Ihrem Kopf hier aber deutlich helfen.
Der erste Schritt ist banal und wirkungsvoll: Namen bewusst hören und wiederholen. Wenn sich ein Mandant vorstellt, nehmen Sie sich eine Sekunde Zeit und sagen den Namen kurz zurück: "Herr Berger, schön, dass Sie da sind". Dieser Moment gibt dem Namen mehr Gewicht in der "Gedächtnisschleuse".
Im zweiten Schritt hilft eine kleine innere Verknüpfung. Wie bereits erwähnt: Unser Gehirn liebt Bilder. Aus "Berger" wird vielleicht innerlich ein Berg, aus "Fischer" ein Steg am See, aus "Schmidt" ein Schmied an der Werkbank. Wichtig ist nicht die Originalität, sondern dass Sie eine Verbindung herstellen, die für Sie funktioniert.
Drittens lohnt sich eine Mini-Nachbereitung: Nach dem Termin oder Telefonat notieren Sie einen Hinweis in der Akte oder im System, der den Namen mit einer Besonderheit verknüpft ("Herr Berger, Bauunternehmer, roter Pickup"). So entsteht erneut eine Doppelsicherung: Bild im Kopf und Spur im System. Beim nächsten Kontakt wirkt es wie ein überragendes Namensgedächtnis. Dahinter stecken nur ein paar einfache Techniken
Die vielen kleinen Aufgaben zwischendurch sind für das Gedächtnis oft anstrengender als der große Fall. Genau hier helfen einfache Merktechniken, die sich mit Ihren Systemen verbinden lassen. Ein praktikables Grundprinzip lautet: ein Bild + ein Stichwort + ein Kontext.
Wenn im Telefonat ein To-do entsteht, markieren Sie es innerlich kurz als „wichtig“ und bauen sofort ein kleines inneres Bild dazu. Aus „Unterlagen ans Finanzamt schicken“ wird zum Beispiel: Ein Finanzbeamter steht mit einem dicken Ordner und schwenkt eine rote Fahne. Das ist schnell gedacht und deutlich merkfähiger.
Dazu kommt ein prägnantes Stichwort, das dieses Bild auslöst ("Fahne", "roter Ordner", "Beamter"). Dieses Stichwort notieren Sie dort, wo die Aufgabe später hingehört – in der Akte, im Aufgabenmodul oder auf der Liste. Das Stichwort ruft das Bild ab, das Bild ruft die Aufgabe ab. Als dritten Baustein ergänzen Sie den Kontext – ein kurzer Zusatz zur Einordnung: "Fahne – Unterlagen FA Berger bis Mittwoch". Ihr Gedächtnis muss sich damit keine Details mehr merken. Es muss nur dafür sorgen, dass Bild und Stichwort einmal bewusst erzeugt werden. Den Rest übernimmt die Kombination aus innerem Anker und äußerer Notiz.
Die größte Hürde bei Gedächtnistechniken ist selten das Verstehen, sondern das Dranbleiben im echten Leben. Deshalb lohnt sich ein realistischer Ansatz: lieber klein anfangen, dafür konsequent. Wählen Sie drei persönliche Trainingsfelder, zum Beispiel: Mandantennamen, Besprechungen und spontane To-dos. Für jedes Feld definieren Sie genau eine Technik, die Sie die nächsten vier Wochen ausprobieren. Mehr nicht. Namen bekommen ein Bild, Besprechungen eine kurze Zusammenfassung, To-dos das Muster "ein Bild + ein Stichwort + ein Kontext".
Damit die Techniken nicht im Alltag versanden, helfen sichtbare Anker: ein Vermerk auf dem Block, ein Stichwort am Monitorrahmen. Nach einigen Wochen prüfen Sie: Welche Technik fühlt sich natürlich an, welche ist umständlich? Die passenden behalten Sie bei, der Rest darf gehen. So entsteht ein persönlicher Werkzeugkasten, der zu Ihnen und Ihrer Kanzlei passt – und den Kopf spürbar entlastet.
Zusatz: Video
Auf der Website des Autors kann ergänzend zu diesem Beitrag ein Video zum Thema Zahlen merken angefordert werden. Der Zugriff erfolgt nach Angabe einer E-Mail-Adresse.
Autor:
Zach Davis ist Experte für Kapazitätsengpässe, Zeitintelligenz und Zukunftsfähigkeit der Kanzlei sowie Geschäftsführer der Simple First Consulting GmbH (www.simple-first.de)