28.05.2026 | Vermögenskonzentration
In Deutschland besitzt eine Minderheit von 5.000 extrem reichen Personen 27,3 Prozent des gesamten Finanzvermögens. Ihre Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1.100 erhöht. Dies geht aus dem aktuellen Global Wealth Report der Boston Consulting Group hervor.
Weltweit gibt es 97.000 sogenannte "Ultra High Net Worth Individuals" (UHNWI). Diese Superreichen besitzen jeweils mehr als 100 Millionen US-Dollar Finanzvermögen. Die meisten davon leben in den USA (37.000), gefolgt von China (11.100). In Deutschland zählt der Report rund 5.000 Superreiche, ihre Zahl hat sich gegenüber 2024 um 1.100 erhöht. Auf diese Minderheit entfällt damit mehr als ein Viertel des gesamten deutschen Finanzvermögens.
Weitere mehr als 700.000 Multimillionäre vereinen gemeinsam mit den Superreichen rund 52,8 Prozent des gesamten Finanzvermögens in Deutschland auf sich. Es folgen rund 3,2 Millionen Personen im gehobenen Mittelstand (Affluent-Segment), die gemeinsam 11,3 Prozent des Finanzvermögens halten.
Demgegenüber stehen rund 66 Millionen Deutsche mit einem Finanzvermögen von unter 250.000 US-Dollar, auf die 35,9 Prozent des Finanzvermögens in Deutschland entfallen.
Die "Finanzialisierung" des Vermögens, d.h. die Verlagerung von Immobilien und Einlagen hin zu Wertpapieren, Fonds und Private Equity, begünstigt vor allem die oberen Segmente. Deshalb prognostiziert BCG, dass der Anteil der Superreichen am deutschen Finanzvermögen bis 2030 weiter steigen wird. "Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu – wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren. Das beschleunigt den Vermögensaufbau strukturell", erklärt BCG-Partner Michael Kahlich.
Dementsprechend ist auch das weltweite Nettovermögen 2025 um 9,3 Prozent auf 550 Billionen US-Dollar gestiegen. Der Zuwachs stammt dem Report zufolge vor allem aus höheren Finanzvermögen (Bargeld, Kontoguthaben, Schuldverschreibungen, Aktien und Investmentfonds sowie Pensionen), die weltweit um 10,7 Prozent auf 333 Billionen US-Dollar wuchsen. Die Entwicklung sei getrieben von starken Aktienmärkten, einer Erholung der Anleihekurse und Währungseffekten, so BCG. Auch die Sachwertvermögen (Immobilien, Edelmetalle und andere physische Anlagen) legten um 7,4 Prozent auf 281 Billionen US-Dollar zu.
Das Gesamtnettovermögen der Deutschen stieg 2025 von 20,3 Billionen auf 23,3 Billionen US-Dollar. Die Finanzvermögen legten auf 12,4 Billionen US-Dollar zu (+17,7 Prozent), die Sachwerte – vor allem Immobilien – stiegen auf 13,4 Billionen US-Dollar. Damit entfällt hierzulande mehr als die Hälfte des Vermögens auf Sachwerte. Zu beachten sei ein Währungseffekt: Ein Teil des Wachstums spiegele die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar wider, nicht realen Vermögenszuwachs.
"Die Deutschen bleiben vorsichtige Anleger. Einlagen und Bargeld dominieren weiterhin die Vermögensstruktur privater Haushalte" so Michael Kahlich. Gleichzeitig würden ETFs, Aktien und kapitalmarktorientierte Anlagen jedoch stetig an Bedeutung gewinnen. Bis 2030 prognostiziert der Report ein deutsches Nettovermögen von 27,5 Billionen US-Dollar. Deutschland wachse dabei jedoch insgesamt langsamer als der westeuropäische und globale Durchschnitt.
Gründe dafür seien ein stagnierendes BIP, eine alternde Bevölkerung, schwache Produktivität, ein regulierungsintensives Umfeld sowie die im internationalen Vergleich weiterhin geringe Investitions- und Kapitalmarktkultur.
Mit dem Global Wealth Report untersucht die Boston Consulting Group jährlich die weltweite Entwicklung privater Finanzvermögen, Sachwerte sowie Verbindlichkeiten. Die Analyse umfasst aktuell 97 Märkte, auf die zusammen 98 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts entfallen, und berücksichtigt Daten von mehr als 100 Banken und Wealth Managern. Die Angaben sind währungsbereinigt in US-Dollar, jährlich angepasst auf Basis der tatsächlichen Wechselkursentwicklung.
(BCG / STB Web)