16.04.2026 | Digitale Steuerverwaltung

Steuererklärung vom Finanzamt: Hessisches Pilotprojekt wird ausgeweitet

Zusatzinfo
Wolters Kluwer

Die Steuer macht jetzt das Amt – jedenfalls gilt das für rund 200.000 Steuerpflichtige in Hessen. Das 2025 im Finanzamt Kassel gestartete Pilotprojekt hat sich offenbar bewährt und soll nun deutlich ausgeweitet werden.

Hessens Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz
"Ein moderner Staat sollte Dienstleister sein, möglichst schlank und digital organisiert", sagt Hessens Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz. (Foto: © Patrick Liste)

Ziel des Projekts ist es, dass die ungeliebte Abgabe einer Steuererklärung nicht mehr notwendig ist. Stattdessen übersendet das Finanzamt den Steuerpflichtigen einen Vorschlag für den Steuerbescheid. Denn zahlreiche Informationen liegen der Steuerverwaltung aufgrund von gesetzlichen Meldepflichten bereits vor – etwa über Lohn, Rente und Versicherungen.

Festsetzungsvorschlag vom Finanzamt

Von den rund 6.000 Steuerpflichtigen, die im Rahmen des Kasseler Pilotprojekts 2025 einen Vorschlag für ihren Steuerbescheid bekommen hatten, stimmten 75 Prozent diesem zu. Lediglich 4 Prozent machten nachträglich Aufwendungen geltend, 21 Prozent reichten eine Steuererklärung ein. Bestätigt wurde dieses Ergebnis zudem durch eine repräsentative forsa-Umfrage im Rahmen der Evaluierung des Pilotprojekts.

In Hessen werden deshalb künftig alle Finanzämter den Steuerpflichtigen, deren Daten der Hessischen Steuerverwaltung bereits bekannt sind, einen sogenannten Festsetzungsvorschlag schicken. Die Steuerpflichtigen können dem bis zum 31. Juli 2026 aktiv zustimmen. Die Zustimmung können sie über ein vorausgefülltes Antwortformular oder elektronisch über einen QR-Code erteilen. Wer mit dem Vorschlag nicht einverstanden ist, muss weiterhin eine Steuererklärung abgeben.

Ausweitung auf ganz Hessen und weitere Bundesländer

Die Hessische Finanzverwaltung geht aktuell von etwa 200.000 geeigneten Fällen in Hessen aus. Zielgruppe sind Bürgerinnen und Bürger, die ausschließlich Arbeitnehmer-Einkünfte und/oder eine Rente beziehungsweise Pension bezogen haben – und die steuerlich nicht beraten sind.

Neben Hessen schließen sich auch Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen dem Pilotprojekt an. Bundesweit könnten dann rund 500.000 Steuerpflichtige teilnehmen. So sollen Erfahrungen für alle Bundesländer gesammelt werden, wie das Besteuerungsverfahren vereinfacht werden kann.

"Ein moderner Staat sollte Dienstleister sein, möglichst schlank und digital organisiert", sagt Professor Dr. R. Alexander Lorz, Finanzminister in Hessen. Das Steuersystem sei leider zu komplex, um diesen Service allen anbieten zu können. "Langfristig würde ich gerne soweit wie möglich von der Steuererklärungspflicht des Bürgers wegkommen", so Lorz.

(Hess. Finanzministerium / STB Web)