26.02.2026 | Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Von Manuel Maurer
Mit der Expansion von Digitalisierung und KI wächst die technische Infrastruktur hinter der Cloud – und damit ihr ökologischer Fußabdruck. Auch für Deutschland wird ein deutlicher Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten mit erheblichem Energiebedarf prognostiziert. Es stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung nachhaltig und klimafreundlich gestaltet werden kann.
Die scheinbar effiziente Cloud schwebt nicht unsichtbar über der Erde, sie ist zutiefst materiell verankert. Rechenzentren bilden ihr physisches Zentrum und verbrauchen enorme Mengen an Energie, Wasser und auch Rohstoffen. Allein der Strombedarf größerer Anlagen liegt in der Dimension einer Großstadt. Der Anteil des Strombedarfs aller Rechenzentren am Gesamtstrombedarf in Deutschland beläuft sich aktuell auf rund 5 Prozent und könnte nach Schätzungen in den kommenden Jahren auf bis zu 10 Prozent steigen. Dieser zusätzliche Bedarf erfordert zugleich den Ausbau von Netzanschlüssen und die Erschließung geeigneter Flächen, was – wie der Bau und Betrieb von Rechenzentren selbst – lokal zu erheblichen Beeinträchtigungen führen kann.
Während in den USA bereits zahlreiche Umweltorganisationen Alarm schlagen, wächst in Deutschland das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsstandards. Diese bieten bei konsequenter Umsetzung sogar die Chance, als Standortfaktor im internationalen Wettbewerb Zeichen zu setzen.
Ein Vorbildprojekt ist das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (LRZ) in Garching bei München, das zu den international führenden Supercomputing-Zentren zählt und selbst zu Energieeffizienz forscht. "Diese ist keine optionale Zusatzanforderung, sondern eine grundlegende Voraussetzung", sagt Prof. Dr. Dieter Kranzlmüller, Leiter am LRZ. "Ohne einen konsequent effizienten Betrieb ist Höchstleistungsrechnen künftig schlicht nicht mehr realisierbar." Zudem gewinne die Wasserkühlung zunehmend an Bedeutung und werde mittlerweile von vielen Betreibern eingesetzt. Das vorhandene Potenzial sei aber bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.
Jens Gröger forscht beim Öko-Institut zu nachhaltigen digitalen Infrastrukturen und ist Mitautor einer Studie für Greenpeace zu den Umweltauswirkungen von KI. Er sieht auch für Deutschland und Europa Nachhaltigkeitskonflikte beim Ausbau der Infrastruktur. "Deshalb sollte die Nutzung von KI selbst intelligent sowie aufgabenspezifisch erfolgen, statt blindlings eine Infrastruktur bereitzustellen und erst danach nach Anwendungsfällen zu suchen", so Jens Gröger. Für sehr viele KI-Anwendungen benötige es zudem keine Large Language Models wie ChatGPT, sondern spezifische Modelle, die weit weniger Kapazitäten beanspruchen.
Effizienzgewinne führen allerdings häufig nicht zu sinkendem Ressourcenverbrauch, sondern zu noch weiterer Nachfrage nach Rechenleistungen. Dieser in der Forschung als Rebound-Effekt beschriebene Umstand verstärkt sich noch durch das starke Marktwachstum. "Auch wenn moderne Systeme und Strategien heute deutlich effizienter sind, steigt der Bedarf an Rechenleistung insgesamt so stark, dass der absolute Energieverbrauch rasant zunimmt", gibt Dieter Kranzlmüller zu bedenken. Deshalb müsse parallel zum Effizienzfortschritt konsequent in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden.
Damit rückt neben technischen Lösungen auch die Frage in den Fokus, wie viel Wachstum der Datenökonomie ökologisch überhaupt tragfähig ist. "Bei der ungebremsten Beibehaltung der ökonomischen Wachstumslogik führt die Anwendung von KI nur zu einer Beschleunigung der schädlichen ökologischen Auswirkungen", so Jens Gröger. Statt sich am Wettlauf um die größten KI-Rechenzentren zu beteiligen, sollte aus seiner Sicht vielmehr ein Wettbewerb um die nachhaltigste KI geschaffen werden.
Manuel Maurer ist Herausgeber und Chefredakteur von STB Web, Online-Fachmagazin für Steuerberater (www.stb-web.de). Neben Entwicklungen in der Steuerbranche und im Steuerrecht zählen Themen rund um nachhaltigeres Wirtschaften zu seinen journalistischen Interessenschwerpunkten. Kontakt auf LinkedIn