11.09.2025 | Befragung

Private-Equity-Debatte: Umfrage zu Finanzinvestoren in der Steuerberatung

Zusatzinfo
Wolters Kluwer

Der Eintritt von Private-Equity-Unternehmen in den Steuerberatungsmarkt ist ein derzeit stark diskutiertes Thema in der Branche. Das Beratungsunternehmen Ecovis führte im Sommer eine Umfrage hierzu durch, an der sich rund 1.500 Berufsträgerinnen und Berufsträger beteiligten. Diese bewerten die Entwicklung überwiegend kritisch.

Symbolbild: Kreisdiagramm zu Beteiligungen
Die Mehrheit der Befragten rechnet insgesamt mit einer Marktkonsolidierung, getrieben durch steigende Anforderungen und die schwieriger werdende Personalsuche. (Foto: © iStock.com/Rasi Bhadramani)

Drei Viertel der Teilnehmenden gaben demnach an, den Private-Equity-Einstieg aus der Berichterstattung zu kennen. 49 Prozent machen sich eher Sorgen um Risiken dieser Entwicklung, während nur elf Prozent mehr Chancen sahen. Ein gutes Drittel erwartet ein ausgewogenes Verhältnis von Vor- und Nachteilen.

Bedeutung der Unabhängigkeit im Berufsstand

Das größte Risiko sehen die Befragten darin, so Ecovis, dass sich die unabhängige Beratung und damit die Rolle als unabhängiges Organ der Rechtspflege extern getriebenen Profitmotiven unterordnen müsste. Als besonders problematisch würden sie außerdem die mögliche Benachteiligung "uninteressanter" Mandanten oder sogar deren Ausschluss von kompetenter Beratung bewerten.

"Unser Berufsstand erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe in der Finanzierung unseres Gemeinwesens und eine unabdingbare Dienstleistung gerade im für den Standort Deutschland so wichtigen Mittelstand." sagt Ecovis-Geschäftsführer Dr. Ferdinand Rüchardt. Wer in diesem beruflichen Umfeld agiere, müsse sich dieser Verantwortung zwingend bewusst sein.

Chancen bei Digitalisierung und Nachwuchssorgen

Chancen durch einen Private-Equity-Einstieg würden die Befragten vor allem bei der Digitalisierung und in einer höheren Attraktivität des Berufsstands für Nachwuchskräfte sehen, berichtet Ecovis weiter. Dennoch gaben offenbar nur 24 Prozent an, sich mit dem Thema überhaupt regelmäßig zu befassen, und nur neun Prozent suchen aktiv nach Informationen. "Viele der Befragten beurteilen die Thematik zwar skeptisch, stellen jedoch nur selten den unmittelbaren Bezug zur eigenen Kanzlei her, sodass ihre persönliche Einschätzung insgesamt eher gelassen ausfällt", so die Schlussfolgerung von Ecovis.

Obwohl zu vermuten gewesen wäre, dass gerade die Alterskohorte vor dem Ruhestand an attraktiven Kanzleiablösen interessiert sei, hätte sich diese Vermutung in den Daten nicht nachweisen lassen: Die jüngeren Altersgruppen zeigten demnach kaum Unterschiede, ältere Berufsträger seien sogar noch skeptischer gewesen. 

Blick nach vorne: Erfolgsfaktoren für die Zukunft

Für den langfristigen Erfolg hielten die Steuerberaterinnen und Steuerberater vor allem folgende Faktoren für entscheidend: eine starke Unternehmenskultur, fachliche Spezialisierung, Gewinnung und Bindung von Talenten, ein tragfähiges Wachstum beim Umsatz und Mandantenstamm sowie Fortschritte bei Digitalisierung und KI-Anwendungen.

Insgesamt Konsolidierung des Marktes erwartet

Dennoch rechne die Mehrheit der Befragten insgesamt mit einer Marktkonsolidierung, getrieben durch steigende Anforderungen und die schwieriger werdende Personalsuche. Neben traditionellen Einzelkanzleien und häufiger vorkommenden Kanzleiaufgaben hätten sie insbesondere größere inhabergeführte Unternehmensgruppen sowie investorengetriebene Konzernstrukturen als mögliche Marktakteure genannt.

(Ecovis / STB Web)