28.08.2025 | Impulse für Kanzleien
Von Bianca Traber
Die Mandanten stehen Schlange – doch im Bewerberpostfach bleibt es still? Kein Wunder, denn bei Berufen in der Steuerberatung liegt die Arbeitslosenquote bei nur 1,2 Prozent. Das heißt faktisch Vollbeschäftigung. Für Steuerkanzleien wird damit klar: Wer Fachkräfte will, muss sie selbst ausbilden. Und genau darin steckt die beste Garantie für eine planbare Zukunft – weniger Abwerbespiralen, mehr Stabilität und Ruhe im Team. Die folgenden fünf unkonventionellen Ideen zeigen, wie das 2026 gelingen kann.
Schon mal über Studienabbrecher als Azubis nachgedacht? Kaum jemand hat sie auf dem Schirm – dabei steckt hier eine unterschätzte Quelle für Nachwuchs. Ein Studienabbruch ist kein Stempel "Versager", sondern oft der Beweis, dass jemand mutig genug ist, eine Sackgasse zu verlassen. Wer sie ignoriert, wirft Talente weg. Studienabbrecher bringen Disziplin aus dem Studium, den Willen zur Praxis und die Klarheit, was sie nicht mehr wollen. Beispiel: "Uni war nix für dich? Bei uns kannst du direkt loslegen – und verdienst dabei schon Geld."
Viele denken: eine Ausbildungsstelle = eine Anzeige. Ein Irrtum. Eine Stelle kann mehrere Anzeigen haben – und das sollte sie auch. Denn Bewerber ticken unterschiedlich.
Drei Motive, drei Geschichten. Wer sie in eine Anzeige quetscht, wirkt wie eine fade Suppe ohne Geschmack. Besser: mehrere Anzeigen, jede mit messerscharfer Ansprache.
"Wer bringt mir das eigentlich bei?" Diese Frage ist zentral – aber in 90 Prozent der Anzeigen taucht die Person, die ausbildet, gar nicht auf. Stattdessen: Logo, Kanzlei-Fassade, Gruppenfoto. Null Nähe.
Vertrauen entsteht vor dem ersten Gespräch. Also: Zeigen Sie den Menschen, der ausbildet. Ein ehrliches Foto, ein Mini-Steckbrief ("Warum ich gerne ausbilde") und eine direkte Kontaktmöglichkeit. Für einen 17-Jährigen ist Frau Müller mit Bild und WhatsApp greifbarer als jedes Kanzlei-Versprechen.
Wie komme ich eigentlich dorthin? Diese Frage ist für viele Jugendliche größer als die nach dem Gehalt. Besonders im ländlichen Raum, wo Wege länger sind und Busverbindungen selten passen.
Wer offenlegt, wo die Schule ist und wie der Blockunterricht läuft, nimmt jungen Bewerbern sofort eine Sorge ab. Und wer zusätzlich Fahrgemeinschaften mitdenkt, sammelt Pluspunkte – weil er Probleme löst, bevor sie entstehen.
Würden Sie drei Jahre Ausbildung starten, ohne zu wissen, was am Ende dabei rauskommt? Genau so wirken viele Anzeigen: "Kontieren und buchen", "Unterstützung bei Jahresabschlüssen", "Allgemeine Bürotätigkeiten". Klingt nach grauer Routine – und schreckt ab. Besser: Zeigen Sie, was man jedes Jahr dazulernt. Zum Beispiel so:
Das ist greifbar. Das zeigt Entwicklung. Und genau das macht den Beruf spannend – weil klar wird, wie viel man schon während der Ausbildung kann.
Nachwuchs ist kein Nice-to-have, sondern Überlebensfrage. Wer heute ungewöhnliche Wege geht, verschafft sich morgen Vorsprung: weniger Abwerbespiralen, stabilere Teams, planbarere Umsätze und Löhne – und das gute Gefühl, die Zukunft selbst in der Hand zu haben.
Autorin:
Bianca Traber ist Organisations- und Personalberaterin sowie Inhaberin des Consulting-Unternehmens DIE MEHRWERTFABRIK (diemehrwertfabrik.de). Sie berät Industrieunternehmen und Kanzleien. Kontakt auf LinkedIn