09.07.2025 | Essay
Von Prof. Dr. Daniel Deimling
Der Autor gibt einen Überblick über die ökonomische Debatte um den Begriff der "antifaschistischen Ökonomik" und unterzieht diesen einer kritischen Analyse. In einer Gesellschaft, in der fast alle Lebensbereiche vom ökonomischen Logos bestimmt sind, sei es jedenfalls ausgeschlossen, dass politische Kategorien nichts mit der Ökonomie zu tun hätten. Dies führt auch zu der Frage, wie die Ausbreitung autoritärer Dynamiken mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte zusammenhängt.
Am Tag nach der Wiederwahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA schrieb die deutsche Ökonomin Isabella Weber, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der University of Massachusetts Amherst, auf X: "Can we now finally have a serious conversation about an anti-fascist economics?" ("Können wir jetzt endlich eine ernsthafte Diskussion über eine antifaschistische Ökonomik führen?").
Webers zentrale These lautet, dass Inflation und stark gestiegene Lebenshaltungskosten erheblich zur politischen Radikalisierung beigetragen haben. Die Wahlentscheidung für Donald Trump sei maßgeblich auf die ökonomischen Krisenerfahrungen der vergangenen Jahre zurückzuführen. Die Explosion der Lebenshaltungskosten sei für viele Amerikaner der zentrale Beweggrund gewesen, Donald Trump ihre Stimme zu geben. Die Demokraten hätten in Bezug auf die Inflation falsch gehandelt und die Bedeutung des Problems für die ärmeren Bevölkerungsteile unterschätzt. Mit Zinserhöhungen hätten sie das Problem sogar noch verschlimmert.
Wenige Tage nach ihrem Post auf X erläuterte Weber ihre Perspektive in einem Interview mit der taz und plädierte diesmal nicht nur für eine antifaschistische Ökonomik, sondern für eine antifaschistische Wirtschaftspolitik. Ökonomik ist die Wissenschaft von der Wirtschaft und damit reine Theorie, Wirtschaftspolitik hingegen die konkrete politische Umsetzung von ökonomischen Theorien. Weber äußert im Interview, dass die Wirtschaftspolitik unter Joe Biden hinsichtlich Wachstum und Beschäftigung erfolgreich gewesen sei, jedoch die spezifischen Belastungen der Bevölkerung durch Inflation und steigende Lebenshaltungskosten vernachlässigt wurden.
Besonders betroffen gewesen seien Haushalte mit niedrigen Einkommen, die einen proportional größeren Anteil ihres verfügbaren Budgets für essenzielle Güter wie Lebensmittel, Verkehr, Energie und Wohnen aufwenden mussten. Die Zinserhöhungen der US-Zentralbank hätten zudem die Wohnkosten weiter steigen lassen, was insbesondere arme Bevölkerungsschichten belastet habe. Während sich die Situation für einkommensschwache Gruppen verschärfte, hätten die Demokraten ignoriert, dass ein großer Teil der Preissteigerungen den Profiten der Unternehmen zugutekam.
In einem Interview mit Jacobin eine Woche später bezeichnete Weber die Inflation als "Verkäuferinflation" (eigentlich ist der Begriff Gewinninflation gängiger). Dies ist eine Form der angebotsbedingten Inflation, die daraus resultiert, dass große Unternehmen unter Ausnutzung ihrer Marktmacht Preiserhöhungen durchsetzen, um ihre Gewinne zu erhöhen. Die These Webers von den "implizit koordinierten Preiserhöhungen von Unternehmen mit einer gewissen Marktmacht" stehe in Deutschland durchaus mit den aggregierten Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in Einklang, schreibt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK, 09/2023).
Zwei konkrete Forderungen, die Weber daraus ableitet, sind Übergewinnsteuern sowie staatliche Preiskontrollen (auch Preisdeckel), um die Lebenshaltungskosten bezahlbar zu halten. Bereits 2021 hatte Weber in einem Artikel im Guardian die Frage gestellt "Could strategic price controls help fight inflation?" („Könnten strategische Preiskontrollen die Inflation eindämmen?“) und damit für Aufsehen gesorgt.
Weber fordert eine Wirtschaftspolitik, die sich stärker an den konkreten Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert. Sie betont die Notwendigkeit, wirtschaftliche Ängste ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen, die den Menschen Sicherheit bieten. Sie fordert grundsätzlich mehr staatliche Interventionen, eine Wirtschaftspolitik, die auf soziale Gerechtigkeit abzielt, mehr soziale Absicherung und eine Förderung partizipativer Gestaltungsprozesse.
Ziel sei es, das Vertrauen der Bevölkerung in die demokratischen Institutionen zurückzugewinnen und der Anfälligkeit für autoritäre und faschistische Bewegungen entgegenzuwirken. Durch soziale Sicherheit und Teilhabe sollen die ökonomischen Ursachen für die Unterstützung autoritärer Bewegungen adressiert und politischer Entfremdung entgegengewirkt werden. Das Portal Exploring Economics schreibt dazu:
"Ziel ist eine Wirtschaftspolitik, die im Interesse der unteren Klassen gezielt in die Wirtschaft interveniert und die Betroffenen in die Ausgestaltung der Politik mit einbezieht. Zudem setzt sie sich für einen ökonomischen Katastrophenschutz ein, der Preisschocks und anderen Krisen gezielt entgegenwirkt. Damit sollen Krisen abgemildert und wirtschaftliche Notlagen vermieden werden. Die dahinterstehende Hoffnung ist, dass eine Verbesserung der ökonomischen Lage und insbesondere eine soziale Absicherung gegenüber Risiken die Wahlbevölkerung weniger anfällig für faschistische Bewegungen machen würde."
Laut Exploring Economics geht es darum, strukturelle Ungleichheiten zu adressieren und die Bedürfnisse der unteren Klassen in den Mittelpunkt zu stellen. Neben wirtschaftlicher Sicherheit und staatlichen Interventionen seien vor allem demokratische Partizipation und die Politisierung ökonomischer Ungleichheit zentrale Elemente der antifaschistischen Wirtschaftspolitik.
Die Partei Die Linke griff die Debatte direkt auf und kündigte Mitte November 2024 an, ein Konzept für eine antifaschistische Wirtschaftspolitik entwickeln zu wollen. Jan van Aken verwies laut einem Artikel in Neues Deutschland darauf, dass bei den US-Wahlen 75 Prozent der Menschen, die in Umfragen sagten, sie seien von der Inflation betroffen, Trump gewählt hätten. Deshalb brauche es eine Wirtschaftspolitik, die "den Menschen die Angst nimmt" und genug Geld für einen sicheren Lebensstandard in der Tasche lasse. Linken-Chefin Ines Schwerdtner wiederholte im Wahlkampf im Januar 2025, dass man der "Agenda 2030" der CDU eine antifaschistische Wirtschaftspolitik entgegensetzen wolle. Die neoliberale Wirtschaftspolitik von CDU und FDP sorge für den Aufstieg der Rechten, sagte Schwerdtner und führte eine aktuelle Studie an, wonach mit steigenden Mieten auch die Zustimmung zu Positionen der AfD anwachse.
Inhaltlich deckt sich die Debatte um die antifaschistische Ökonomik weitgehend mit der sogenannten Berlin Summit Declaration des Forum New Economy, die von 572 führenden Ökonomen unterzeichnet wurde, darunter neben Isabella Weber auch bekannte Namen wie Thomas Piketty, Adam Tooze und Nobelpreisträger Angus Deaton. Die Deklaration erklärt den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen mit wachsender sozialer Unsicherheit und dem Gefühl von Kontrollverlust als Folge neoliberaler Politik:
"Inzwischen gibt es zahlreiche Belege dafür, dass das Misstrauen nicht nur, aber zu einem großen Teil auf die weit verbreitete Erfahrung eines tatsächlichen oder gefühlten Verlusts von Kontrolle über die eigenen Lebensumstände und den Verlauf gesellschaftlicher Veränderungen zurückzuführen ist."
Um erhebliche Schäden von der Menschheit und dem Planeten abzuwenden, müssten wir uns dringend mit den Ursachen für die Unzufriedenheit der Menschen auseinandersetzen. Jahrzehnte schlecht gemanagter Globalisierung, ein übermäßiges Vertrauen in die Selbstregulierung der Märkte und Austeritätspolitik hätten die Fähigkeit der Regierungen untergraben, wirksam auf Krisen zu reagieren. Populistische Politik nutze die Wut der Menschen aus, ohne die tatsächlichen Probleme anzugehen. Die Deklaration sieht neun Maßnahmen vor, die teilweise sehr redundant sind und an dieser Stelle auf das Wesentliche heruntergebrochen werden: Wohlstand für alle, Einkommens- und Vermögensgerechtigkeit, Schutz der Schwächsten, Klimaneutralität, nationale Kontrolle über strategische Interessen, Investitionen in Infrastruktur, Gleichgewicht zwischen Markt und kollektivem Handeln, Reduktion der Marktmacht einzelner Unternehmen.
Wir befinden uns, so die Deklaration zum Abschluss, in einer kritischen Phase. Die Märkte würden weder den Klimawandel aufhalten noch zu einer gerechten Verteilung des Wohlstands führen. Die Idee des Trickle-Down habe versagt. Alles, was Bürger und ihre Regierungen zum eigenen Handeln und Wirken befähige, habe das Potenzial, das Wohlergehen der Menschen zu fördern, das Vertrauen in die Fähigkeit unserer Gesellschaften wiederherzustellen, Krisen zu lösen und eine bessere Zukunft zu sichern.
Seit ich den Begriff antifaschistische Ökonomik gehört habe, denke ich darüber nach, ob er a) treffend und b) hilfreich ist. Wissenschaftliche Begrifflichkeiten sind kein Selbstzweck, sondern machen Sinn, wenn mit ihnen etwas erfasst, beschrieben und verstanden werden kann, was mit den herkömmlichen Begriffen nicht begreiflich gemacht werden kann. In der Formulierung Webers und der expliziten Bezugnahme auf den Wahlsieg Donald Trumps steckt implizit, dass Trump Faschist ist respektive faschistische Politik macht. Das ist unter Wissenschaftlern umstritten, auch wenn sich in den letzten Monaten die Stimmen mehren, die die USA unter Trump auf dem Weg in den Faschismus sehen, darunter der renommierte Historiker Timothy Snyder sowie der renommierte Faschismusforscher Jason Stanley, die beide die USA dieses Jahr verlassen haben.
Ob der Begriff antifaschistische Ökonomik zutreffend ist, hängt davon ab, inwieweit der Faschismusvorwurf zutreffend ist. Das werden die kommenden Jahre zeigen. Dies gilt nicht nur für Trump, sondern auch für Rechtspopulisten in anderen Ländern. Führt das, was wir in Europa heute als Rechtspopulismus bezeichnen zwangsläufig in den Faschismus oder ist das eine ungerechtfertigte Gleichsetzung? In Deutschland jedenfalls darf einer der einflussreichsten Vertreter der rechtspopulistischen AFD, Björn Höcke, laut Gerichtsurteil als Faschist bezeichnet werden.
Die Berlin Summit Declaration, die inhaltlich ähnliche Thesen wie Isabell Weber vertritt, verwendet den Begriff des "gefährlichen Populismus" und meint damit das Erstarken des Rechtspopulismus. In der Deklaration wird auf einen wichtigen Punkt hingewiesen, nämlich dass die gefährlichen Populisten die Wut der Menschen ausnutzen, ohne die tatsächlichen Probleme anzugehen. Es ist kein Geheimnis, dass die Wirtschaftsprogramme vieler rechtspopulistischer Parteien keineswegs den ärmeren Bevölkerungsschichten zugutekommen, sondern neoliberal geprägt sind und vor allem Spitzenverdiener entlasten. Über den Zusammenhang von Neoliberalismus und Rechtspopulismus schrieb ich bereits auf Makroskop. Das gilt für die Republikaner unter Trump genauso wie für die FPÖ und die AFD.
Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung berechnete im Vorfeld der Bundestagswahl wie sich die Parteiprogramme finanziell auf Privathaushalte auswirken würden. Demnach entlasten die vorgeschlagenen Steuersenkungen der AfD höhere Einkommensklassen deutlich, während ein Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen sogar weniger Geld zur Verfügung hätte. Das Armutsrisiko würde bei einer Umsetzung des AFD-Programms um 12,9 Prozent zunehmen (das ist der höchste Wert aller Bundestagsparteien).
Viele Wähler der AFD wählen, betrachtet man nur die ökonomischen Aspekte, gegen ihre eigenen Interessen. Wenn tatsächlich die ökonomischen Krisenerfahrungen der letzten Jahre, wachsende ökonomische Ungleichheit und Unsicherheit sowie das Gefühl von Kontrollverlust als Folge neoliberaler Politik der Ursprung des Rechtspopulismus sind, verschlimmert die Wahl von Parteien wie der AFD die Situation nur. Die Schere zwischen Arm und Reich würde im Falle einer Umsetzung der AFD-Wirtschaftspolitik weiter auseinander gehen, soziale Ungleichheit und Unsicherheit wachsen. Probleme wie die ökologische Krise und der Klimawandel, die den Wohlstand bedrohen und noch mehr Unsicherheit bedeuten, werden ebenfalls nicht angegangen, sondern geleugnet.
Das Erstarken des Rechtspopulismus neoliberaler Couleur erscheint daher in gewisser Weise paradox. Was in der Diskussion um antifaschistische Ökonomik und Wirtschaftspolitik bislang unterbelichtet bleibt, ist eine andere Facette der Problematik. Wenn es um den Aufstieg der Rechtspopulisten weltweit geht, wird in den letzten Jahren wieder vermehrt vom "autoritären Charakter" (geprägt durch Erich Fromm) oder der "autoritären Persönlichkeit" (geprägt durch Theodor W. Adorno) gesprochen. Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft spricht von einem "Comeback des Autoritarismus-Konzepts". Die berühmteste Studienreihe zum Thema rechtsextreme Einstellungen in Deutschland, die ursprünglich Leipziger Mitte-Studien hieß, wurde mittlerweile umbenannt in Leipziger Autoritarismus-Studien.
Der autoritäre Charakter, wie ihn Erich Fromm verstanden hat, möchte sich einer Autorität unterwerfen, hat aber zugleich das Bedürfnis, andere Menschen(gruppen) abzuwerten und zu unterjochen. Die Leipziger Autoritarismus-Studien zeigen, dass rechtsextreme Einstellungen sowie der Wunsch nach einem Führer mittlerweile fest in Teilen der deutschen Gesellschaft verankert sind. Ausländerfeindlichkeit habe sich, so die Autoren über die Ergebnisse der Studie 2024, zu einem bundesweit geteilten Ressentiment entwickelt. Rechtsextreme Einstellungen seien eine konkrete Erscheinungsweise einer autoritären Dynamik. In der Studie 2022 schrieben die Autoren dazu:
"Diese rechtsextreme Einstellung ist nur eine konkrete Erscheinungsweise einer autoritären Dynamik. In dieser Ideologie der Ungleichwertigkeit findet sie Ausdruck in der Forderung nach einer autoritären Diktatur und nach einem Führer, im Wunsch nach Konventionalität in der völkischen Einheit und im Bedürfnis, den autoritären Aggressionen freien Lauf zu lassen (…)."
Was hat die Ausbreitung autoritärer Dynamiken aber nun mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte zu tun? Der autoritäre Charakter resultiert laut Theorie grundsätzlich aus dem Anpassungsdruck an repressive gesellschaftliche Verhältnisse. Dieser Anpassungsdruck wird heute vom freien Markt erzeugt – die Unterordnung unter die Marktkräfte, die unser Leben beherrschen, produziert den autoritären Charakter. Diese Unterordnung bedeutet in vielen Fällen eine Demütigung in Form von Ausbeutung, schlechter Bezahlung, unzumutbaren Arbeitsverhältnissen, entwürdigenden Tätigkeiten, herablassenden Vorgesetzten, Arbeits- und Nutzlosigkeit.
Immer mehr Menschen erlebten, so der Soziologe Wilhelm Heitmeyer im Deutschlandfunk, dass sie weniger Kontrolle über ihr Leben haben. Dies erzeuge eine Nachfrage nach politischen Angeboten, die darauf abzielen, die Kontrolle durch die Ausübung von Macht, Ausgrenzung und Diskriminierung wiederherzustellen. Dieses Angebot liefern die Rechtspopulisten. Bereits 2001 warnte Heitmeyer, dass die Globalisierung mit Kontrollverlusten einhergehe, die zum Aufstieg des autoritären Kapitalismus, zu Demokratieentleerung und einem Erstarken des Rechtspopulismus führen werden.
Erst wenn man das Autoritarismus-Konzept einbezieht, ergibt sich ein vollständiges und plausibles Bild einer Ökonomik und Wirtschaftspolitik, die den Aufstieg des Rechtspopulismus begünstigt hat. Das vordergründige Paradoxon, dass viele Wähler rechtspopulistischer Parteien gegen ihre eigenen ökonomischen Interessen wählen, löst sich dadurch ein Stück weit auf.
Betrachtet man "nur" die Krise der Lebenshaltungskosten, soziale Ungleichheit und Unsicherheit wird nicht wirklich begreiflich, inwieweit die wirtschaftspolitische Theorie und Praxis der letzten Jahrzehnte den Nährboden für rechtspopulistische und faschistische Radikalisierung bereitet haben.
Ob der Begriff antifaschistische Ökonomik tatsächlich zur wissenschaftlichen Habhaftwerdung von etwas beiträgt, das ohne ihn nicht hätte begreiflich gemacht und beschrieben werden können, ist für mich nicht endgültig zu beantworten. Was der Begriff aber auf jeden Fall vermag, ist, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Rechtspopulismus und Faschismus etwas mit ökonomischen Verhältnissen zu tun haben. In einer Gesellschaft, in der fast alle Lebensbereiche vom ökonomischen Logos bestimmt sind, ist es ausgeschlossen, dass politische Kategorien nichts mit der Ökonomie zu tun haben.
Die neoklassische Ökonomik hat als Wirtschaftspolitik den Neoliberalismus und mit ihm soziale Ungleichheit, Unsicherheit und die Unterwerfung unter Logik des Marktes hervorgebracht. Eine antifaschistische Ökonomik muss als wissenschaftliche Theorie zunächst einmal definieren, was das Ziel der Ökonomie sein soll und dann darüber nachdenken, wie diese Ziele in der konkreten wirtschaftspolitischen Umsetzung erreicht werden können. Das Ziel einer antifaschistischen Wirtschaft muss sein, soziale Gerechtigkeit herzustellen, Unsicherheit zu beseitigen, Teilhabe und Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Zudem muss das Marktprinzip, wie der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann sagt, begrenzt werden.
Der Mensch darf nicht den Regeln des Marktes unterworfen werden, die Marktlogik nicht das Dasein dominieren. Es mangelt in der ökonomischen Theorie nicht an Vorschlägen, wie der Weg dorthin aussehen könnte. Wir müssen uns nach vier Jahrzehnten neoliberaler Indoktrination nur erst einmal davon befreien, dass der Markt alles regelt und ein starker Sozialstaat, der zum Wohle der Gemeinschaft regulierend in die Wirtschaft eingreift, nicht mehr zeitgemäß ist.
Wir müssen vielleicht wieder Begriffe in den Mund nehmen, die die Marktfundamentalisten nervös machen: Umverteilung, Steuern, staatliche Regulierung, öffentliche Daseinsvorsorge, Solidargemeinschaft, Kollektiveigentum, Gemeinwohlökonomie, Partizipation und Wirtschaftsdemokratie. Lasst uns, wie Isabell Weber sagen würde, endlich eine ernsthafte Diskussion darüber führen.
* Über den Autor:
Prof. Dr. Daniel Deimling ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und stellvertretender Vorsitzender der Ethikkommission an der Hochschule Heilbronn. Er tritt für eine integrative Wirtschaftsethik ein.
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