07.07.2025 | Studie
Die Technische Universität Braunschweig hat untersucht, ob und wie sich Kurzvideos auf Social Media-Plattformen auf die Denkweise und das Lernen auswirken. Danach sind sie zwar ein wirksames Mittel, um Aufmerksamkeit zu gewinnen – reichen aber nicht aus, um Wissen nachhaltig zu verankern.
Kurzvideos auf TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts fördern offenbar ein oberflächliches Verarbeiten von Informationen, können rationales Denken sogar verdrängen und eignen sich für die Wissensvermittlung weniger gut als textbasiertes Lernmaterial. Das sind zentrale Ergebnisse der Untersuchung.

"Es bedarf zwar noch weiterer Forschung, aber die Studien enthalten Hinweise darauf, dass Kurzvideos zum Lernen und Lehren niedrigkomplexer Inhalte gegenüber Texten im Nachteil sind", sagt Thorsten Otto, der in seiner Dissertation untersucht, ob und wie sich soziale Medien und deren Formate, wie beispielsweise Kurzvideos, gewinnbringend in der Bildung integrieren lassen.
Schnelle Clips, seichtes Lernen
In der ersten der beiden Studien wurden rund 170 Erwachsene im Alter von 18 bis 52 Jahren zu ihrem Kurzvideokonsum, ihrer Fähigkeit zum rationalen Denken und ihrem Lernansatz getestet. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden waren Studierende. Dabei zeigte sich: Wer viele Kurzvideos konsumiert, schnitt beim Test für rationales Denken signifikant schlechter ab.
Die zweite Studie ging einen Schritt weiter. Rund 120 Teilnehmende im Alter von 18 bis 30 Jahren wurden in vier Gruppen eingeteilt. Zwei der Gruppen sahen zunächst eine Sammlung unterhaltsamer Kurzvideos, die beiden anderen nicht. Anschließend wurde Lernmaterial mit wortgleichem Inhalt entweder in Form von zwei Kurzvideos oder in Textform präsentiert.
Präferenz für oberflächlichen Lernansatz
Das Ergebnis im anschließenden Wissenstest war eindeutig: Die Teilnehmenden, die den Lernstoff in Form von Kurzvideos vermittelt bekamen, schnitten schlechter ab als diejenigen, die mit Texten gelernt hatten. Darüber hinaus zeigte sich, dass bereits das vorherige Anschauen einer Sammlung von Kurzvideos zu einer Präferenz für einen oberflächlichen Lernansatz führte, bei dem mit möglichst geringem Aufwand Inhalte auswendig gelernt werden, ohne sie wirklich durchdringen oder verstehen zu wollen.
(TU Braunschweig / STB Web)
Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 07.07.2025, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.