07.10.2020 | DIW Berlin

Studie untersucht Alternativen zum Ehegattensplitting

Das in Deutschland seit den 50er Jahren gültige Ehegattensplitting führt zu hohen Steuersätzen bei Zweitverdienenden, was die Arbeitsmarktbeteiligung vor allem von Frauen reduziert. Eine Studie hat verschiedene Reformoptionen untersucht und kommt zu einem eigenen Vorschlag.

Eine Reform des Ehegattensplittings muss schwierige Zielkonflikte abwägen: Zum einen sollen Steuervorteile für Alleinverdiener-Paare mit hohen Einkommen abgebaut sowie die Grenzbelastung auf den Zweitverdienst reduziert werden, damit die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen gefördert wird. Zum anderen sollen untere Einkommensgruppen nicht stärker belastet werden.

Die Studienautor*innen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) haben traditionelle Vorschläge ebenso untersucht wie Vorschläge des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium und des Internationalen Währungsfonds. Verschiedene Reformvorschläge hätten jedoch nicht die gewünschten Effekte oder unerwünschte Nebenwirkungen.

Realsplitting mit niedrigem Übertragungsbetrag als Kompromiss

So zeige die Simulationsstudie, dass ein Realsplitting mit höherem Übertragungsbetrag oder ein übertragbarer Grundfreibetrag die Grenzbelastung des Zweitverdiensts kaum verringern und die Erwerbsquote von Frauen nur wenig erhöhen würde.

Sie schlagen stattdessen ein Realsplitting mit einem niedrigen Übertragungsbetrag von maximal 9.696 Euro vor. Dies würde bedeuten, dass nur Einkommen in Höhe des Grundfreibetrags von besserverdienenden Partner*innen auf geringer verdienende Partner*innen übertragen werden könnten. Der oder die Empfänger*in muss den Betrag als sonstiges Einkommen versteuern. Dadurch sei auch bei Alleinverdiener-Ehepaaren das Existenzminimum beider Partner*innen steuerfrei gestellt.

Reform würde Erwerbsbeteiligung von Frauen fördern

Die Studienautor*innen erwarten, dass bei dieser Reform die Arbeitsstunden verheirateter Frauen um 1,7 Prozent und ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt um 0,6 Prozentpunkte steigen würde. Zudem würde die Reform Steuermehreinnahmen von zehn Milliarden Euro pro Jahr erzielen, davon allein zwei Milliarden Euro durch die Arbeitsmarkteffekte. Die Belastungen würden dabei zum Großteil von Paaren aus den obersten beiden Einkommensdezilen getragen.

Weiterführende Informationen:

Studie im DIW Wochenbericht 41/2020

(DIW / STB Web)