18.09.2020 | Hessisches Landessozialgericht

Dienstreisen: Skiunfall in den USA ist kein Arbeitsunfall

Lädt eine Firma ihre Kunden zu einer Skireise ein, ist bereits fraglich, ob es sich um eine Dienstreise handelt. Jedenfalls aber ist das Skifahren nicht gesetzlich unfallversichert, soweit es dem Freizeitbereich zuzuordnen ist. Dies entschied das Hessische Landessozialgerichts.

Beschäftigte sind auf Dienstreisen grundsätzlich gesetzlich unfallversichert. Dies gilt allerdings nicht „rund um die Uhr“. Vielmehr muss die konkrete Tätigkeit auf einer Dienstreise – ebenso wie am Arbeitsplatz – mit dem Beschäftigungsverhältnis wesentlich zusammenhängen und diesem dienen.

Der in Darmstadt lebende Geschäftsführer eines Fachhandelsunternehmens organisierte für Firmenkunden eine sechstägige Skireise nach Aspen in Colorado, mit welcher die Kundenbindung intensiviert werden sollte. Während der Reise stürzte der 50-Jährige bei einer Skiabfahrt und wurde noch in den USA operativ versorgt. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung eines Arbeitsunfalls ab.

Skifahren gehört nicht zu den Pflichten eines Geschäftsführers

Auch die Richter*innen beider Instanzen verneinten einen Arbeitsunfall. Die maßgebliche Skiabfahrt sei eine Freizeitaktivität gewesen und daher nicht gesetzlich unfallversichert sei. Skifahren habe offenkundig nicht zu dessen arbeitsvertraglichen Pflichten gehört. Auch sei ihm keine entsprechende Weisung zur Teilnahme an einer Skiabfahrt erteilt worden.

Zudem stünden nicht alle für ein Unternehmen nützlichen Aktivitäten unter Versicherungsschutz. Es sei schon fraglich, ob die Skireise überhaupt eine Geschäfts- bzw. Dienstreise oder nicht vielmehr eine sog. Motivations- bzw. Incentivereise gewesen sei. Jedenfalls aber habe das Skifahren im Mittelpunkt der Reise gestanden und sei nach dem vorgelegten Flyer sogar der einzige Programmpunkt gewesen.

Az. L 9 U 188/18 – die Revision wurde nicht zugelassen.

(Hess. LSG / STB Web)