28.11.2019 | Gutachten

Altersvorsorge: Aktienanlage mit Lebenszyklusumschichtung

Eine Aktienanlage mit Lebenszyklusumschichtung würde sich gut als Standardprodukt der kapitalgedeckten Altersvorsorge eignen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des ZEW Mannheim für den Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Zur Abfederung von Risiken empfehlen die Experten/-innen ein sogenanntes Aktienportfolio mit Lebenszyklusumschichtung (Foto: © iStock.com/utah778)

Die Anlage in Aktien für die Altersvorsorge lohne sich, so die Experten/-innen, obwohl sie risikoreicher ist als die Anlage in Anleihen. Finanzkrisen könnten allerdings zu deutlichen Verlusten führen, vor allem wenn sie sich sehr nah um den Zeitpunkt des Renteneintritts ereignen. Deshalb würde sich ein Portfolio anbieten, das den Aktienanteil in den Jahren vor dem Renteneintritt schrittweise reduziert, ein sogenanntes Aktienportfolio mit Lebenszyklusumschichtung.

Basismodell mit 45-jähriger Ansparphase

In ihrem Gutachten simulieren die Wissenschaftler/innen die Leistungsentwicklung von vier verschiedenen Portfolios, die zu unterschiedlichen Anteilen Aktien und Anleihen enthalten. Dabei handelt es sich um ein reines Aktienportfolio mit 100 Prozent Aktienanteil und ein Mischportfolio mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen. Für beide Portfolios wird zudem eine an den Lebenszyklus angepasste Variante betrachtet. Dabei findet ab einem Alter von 52 Jahren eine Umschichtung von Aktien zu Anleihen statt. Das Basismodell geht von einer 45-jährigen Ansparphase zwischen 22 und 67 Jahren aus. Bei einem durchschnittlichen Gehalt von 3.880 Euro brutto und drei Prozent jährlichem nominalem Lohnwachstum zahlen Arbeitnehmer/innen monatlich vier Prozent ihres Bruttolohns ins Portfolio ein.

Beachtliche Beträge für die Rentenzahlungen 

In heutiger Kaufkraft ergäben sich aus einem solchen Ansparmodell bei mittlerer Kapitalmarktentwicklung als Medianwerte für die Rentenzahlungen sehr beachtliche Beträge zwischen 2.400 Euro und 1.220 Euro je nach Anlagestrategie.

Dem Gutachten liegt eine Simulation mit 10.000 Renditeverläufen basierend auf historischen Daten zugrunde.  „Allgemein erzielt das reine Aktienportfolio in den meisten der simulierten Fälle den höchsten Ertrag. Bei einer schlechten Marktentwicklung lohnt sich allerdings das Aktienportfolio mit Lebenszyklus mehr“, so Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement“ und Professorin an der Universität Mannheim.

Die Ergebnisse des Gutachtens lassen sich sowohl auf staatliche Fonds als auch auf betriebliche Altersversicherungen oder auf die private Altersvorsorge anwenden.

Weiterführende Informationen:

Gutachten „Kapitalanlage eines staatlich organisierten Altersvorsorgefonds“ (pdf, 797 KB)

Pressemitteilung des Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

(ZEW / STB Web)