20.07.2019 | Going for Growth 2019

OECD: Stärker Eigentum statt Einkommen besteuern

Eine aktuelle OECD-Studie konstatiert wirtschaftlichen Reformbedarf in den Mitgliedstaaten und weiteren Volkswirtschaften, damit das Wachstum nachhaltig und mit mehr Chancengleichheit verläuft und dadurch mehr Menschen von ihm profitieren.

Die Studie Going for Growth 2019 nimmt den Reformbedarf in allen 36 OECD-Mitgliedsstaaten sowie in weiteren neun wichtigen Volkswirtschaften und in der EU unter die Lupe. Es wird gezeigt, wo der Reformbedarf besonders groß ist und wie erfolgreich Reformen der vergangenen Jahre waren. Insgesamt bewerten die Autoren der Studie das Reformtempo der Jahre 2017-2018 als viel zu langsam und sehen kaum Anzeichen dafür, dass es sich derzeit erhöht.

Wie die Studie betont, sind die Reformprioritäten in jedem Land andere. Gemeinsam sei den untersuchten Ländern, dass ihre Regierungen viel dafür tun könnten, mehr Chancengleichheit für ihre Bürger und Unternehmen herzustellen.

Deutschland soll Mehrwertsteuervergünstigungen abbauen

Für Deutschland empfehlen die Studienautoren insbesondere, die Ganztagsbetreuung für Kinder und die Qualitätsstandards in der frühen Bildung auszubauen. Auch sollten stärkere Anreize für Väter geboten werden, länger als zwei Monate in Elternzeit zu gehen. Darüber hinaus wird empfohlen, die Weiterbildungsmöglichkeiten insbesondere für Arbeitnehmer in schwachen sozioökonomischen Verhältnissen auszubauen. Dringend müssten Lücken bei der digitalen und der Verkehrsinfrastruktur geschlossen werden. Steuerpolitisch sollte Deutschland Umweltverschmutzung teurer machen, Mehrwertsteuervergünstigungen abbauen und die Sozialabgaben vor allem für Geringverdiener senken.

Stärker Eigentum statt Einkommen besteuern

Wenn Steuerpolitik darauf ausgerichtet werde, stärker Eigentum statt Einkommen zu besteuern, könne dies dazu beitragen, die Wirtschaft anzukurbeln, insbesondere in den Industrieländern. Ebenso wichtig seien ein effizienter öffentlicher Sektor, Rechtsstaatlichkeit und eine funktionierende Infrastruktur. Sie seien Voraussetzung dafür, Ressourcen zu sparen, sich neue Märkte zu erschließen und gute Bedingungen für Investitionen in Innovation herzustellen. Das gelte besonders für aufstrebende Volkswirtschaften.

Weiterführende Informationen:

(OECD / STB Web)