25.07.2019 | Studie

Was bringt das Country-by-Country Reporting?

Das Country-by-Country Reporting (CbCR) dämmt einer aktuellen Untersuchung zufolge die aggressive Steuervermeidung multinationaler Unternehmen tatsächlich ein und führt zu einem signifikanten Rückzug aus Steueroasen. Profitieren können von dieser Entwicklung jedoch hauptsächlich die europäischen Niedrigsteuerländer.

(Foto: © bluedesign - Fotolia.com)

Seit 2016 müssen Unternehmen, die konsolidiert mindestens 750 Millionen Euro Umsatz im Jahr ausweisen und in der EU entweder ihren Sitz oder zumindest eine Tochtergesellschaft haben, den zuständigen nationalen Steuerbehörden im Rahmen des Country-by-Country Reporting (CbCR) ihre Gesamtaktivität (u.a. Tochtergesellschaften, Mitarbeiter, Gewinne, Steuerzahlungen) auf Länderebene in einem separaten Bericht aufschlüsseln. Ziel dieser erhöhten Steuertransparenz ist vor allem, aggressive Steuerplanung einzudämmen und internationalen Steuerbehörden eine bessere Überprüfung der Verrechnungspreisstrategien zu ermöglichen.

Erhöhter Steuerwettbewerb um unternehmerische Investitionen

Wissenschaftler*innen des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der Universität Mannheim und der Stanford University haben nun untersucht, wie die Unternehmen auf das verpflichtende CbCR reagiert haben. Die Ergebnisse zeigen, dass betroffene Unternehmen ihre Präsenz in Steueroasen signifikant verringert haben. Gleichzeitig ist die Mitarbeiteranzahl der betroffenen Unternehmen in den zwei Jahren seit der Einführung von CbCR deutlich geringer gewachsen als die der nicht betroffenen Unternehmen. Außerdem suggerieren die Untersuchungen, dass betroffene Unternehmen ihre Realinvestitionen vermehrt in europäische Niedrigsteuerländer verlagern. Dies würden die niedrigeren Gewinnsteuersätze zeigen, denen die betroffenen Unternehmen im Schnitt gewichtet nach Kapitalanlagen und Mitarbeitern ihrer Tochtergesellschaften ausgesetzt sind, so die Forscher*innen. In der Folge scheinen auch Steuerzahlungen seit 2016 vermehrt in Ländern anzufallen, deren Steuersatz in Europa unter dem Medianwert liegt.

Keine aggressiveren Betriebsprüfungen durchführen

Dr. Markus Kreher
Foto: Prof. Dr. Spengel, ZEW (© Anna Logue Fotografie)

„Die empirischen Erkenntnisse zeigen erstmals die Effektivität von verpflichtendem Country-by-Country Reporting. Für die Steuerpolitik ergeben sich hieraus wichtige Implikationen“, sagt Prof. Dr. Christoph Spengel, Steuerexperte am ZEW und Professor an der Universität Mannheim. Die erhöhte Steuertransparenz verringere zwar zielgerecht aggressive Formen von Steuerplanung mittels Steueroasen. Allerdings würden Unternehmen mit der Verlagerung von Realinvestitionen auch in vom Gesetzgeber nicht antizipierter Weise zu reagieren. So sei zu erwarten, dass CbCR zu erhöhtem Steuerwettbewerb um unternehmerische Investitionen innerhalb Europas führen könnte. Zudem würden geringere Wachstumsraten auf eine erhöhte wahrgenommene Steuerunsicherheit hindeuten. Um dem entgegenzuwirken, müssten Gesetzgeber und Steuerverwaltungen multinationalen Unternehmen nachhaltig signalisieren, dass größere Steuertransparenz nicht in aggressivere Betriebsprüfungen münden wird.

(ZEW / STB Web)