27.06.2019 | Online-Nutzung

50 Millionen Bäume für gute Antworten

Von Alexandra Buba *

Google – das ist Synonym für Online-Suche oder gar Recherche ganz generell. Dabei ist längst klar, dass der Umgang des Softwaregiganten mit den Daten seiner Nutzer ebenso problematisch ist wie seine Monopolstellung an sich. Diese Tatsachen allerdings spielen für die Mehrheit der Privatnutzer keine Rolle – der Marktanteil der Suchmaschine liegt weiter bei gut 85 Prozent. Doch einige Unternehmen denken jetzt um, darunter auch ein Kanzleiverbund.

Ecosia unterstützt u.a. Baumpflanzprojekte in Burkina Faso, Peru, Madagaskar, Indonesien und Tansania. (Foto: © Ecosia)

Bitte politisch, ökologisch und überhaupt korrekt – um nichts geringer ist der Anspruch, den die aktuelle Nachhaltigkeits- und Moraldoktrin an uns alle stellt. Zum Glück, möchte man sagen – für den Planeten und die Mitmenschen. Doch was in der Theorie völlig klar ist, fordert in der Praxis nicht nur viel Engagement, sondern auch den Willen, neue Wege zu beschreiten.

Denn wann immer eine Frage auftaucht, ist für die allermeisten die erste Anlaufstelle Google. Warum eigentlich? Das weiß ganz allgemein bei Monopolisten zwar selten jemand zu sagen, im Falle von Google allerdings ist die Antwort einfach: Es ist so bequem! Ein cleverer Algorithmus und sehr gute Ideen, wie man damit Geld verdienen kann, mit smarten Helferlein für alle Lebenslagen, haben dafür gesorgt.

Bing ist abgeschlagene Nummer zwei in Deutschland

Überlegene Technik und kreative Marktbearbeitung reichten für den bis heute ungebrochenen Siegeszug der mittlerweile 20 Jahre alten Suchmaschine. Im Mai 2019 betrug ihr Marktanteil laut StatCounter weltweit betrachtet 86,91 Prozent, dahinter folgten mit großem Abstand Yahoo mit 4,87 Prozent und Bing mit 4,64 Prozent. Der Rest der Anbieter bewegte sich im Bereich unter einem Prozent. In Deutschland vereinte Google im Gesamtjahr 2018 rund 95,8 Prozent der Suchanfragen auf seine Dienste.

Die bekannteste Alternative zu Google und die Nummer zwei auf dem deutschen Markt ist Bing von Microsoft. Dessen Anteil bei Desktop-Anfragen liegt bei rund zehn Prozent, im Mobilbereich ist er mit weniger als einem halben Prozent kaum auszumachen. Insgesamt kam Bing laut StatCounter in Deutschland auf 2,3 Prozent der Anfragen, Yahoo nur auf 0,9 Prozent.

ETL sucht grün

Ist angesichts dieser Zahlen ein (unternehmerisches) Leben ohne Google überhaupt vorstellbar? Und ob, findet zumindest Marc Müller, Vorstand der ETL AG mit Sitz in Berlin (www.etl.de).

(Foto: © Marc Müller, ETL)

Dem Beratungsunternehmen, das er vertritt, gehören inzwischen 870 Kanzleien an – und sie alle haben seit wenigen Monaten eine Alternative zu Google. "7.000 Mitarbeiter starten ihren Arbeitstag über das unternehmenseigene Intranet", erklärt er, "oben rechts finden sie dabei fest verankert die Möglichkeit zur Such – mit Ecosia."

Diese Suchmaschine deutscher Herkunft gibt es seit 2009. Anders ist an ihr vor allem ihr nicht kommerzieller Ansatz. Denn technisch basiert Ecosia auf Bing, für das grundsätzlich erst einmal alle Datenschutzprobleme ebenso gelten wie für Google. Doch bei Ecosia werden die Suchanfragen laut Firmenaussage nicht permanent gespeichert; zudem würden keine persönlichen Nutzerprofile erstellt, die auf dem Suchverlauf basieren. Außerdem verkauft Ecosia nach eigener Aussage die Daten und Suchanfragen nicht an Werbetreibende weiter, und die Suchanfragen selbst sind verschlüsselt. Auch externes Tracking soll kein Thema sein.

Dabei ist die Kernidee von Ecosia eigentlich eine ökologische: 80 Prozent des Gewinns, den die Suchmaschine aus Werbeeinnahmen abwirft, wird in die Pflanzung von Bäumen investiert. Über 50 Millionen Stück sollen auf diese Weise bereits gepflanzt worden sein.

Sind schlechtere Ergebnisse gut genug?

Was an sich ja schön und gut ist, sagt freilich noch nichts über die Qualität der Suchergebnisse aus. Kritiker monieren am "grünen Google", dass eben diese deutlich schlechter seien – ganz einfach weil Ecosia mit dem Algorithmus und Suchindex von Microsofts Bing arbeitet, das durch die geringen Nutzerzahlen schlicht nicht mit Google mithalten kann.

Selbstverständlich – und hier wird es ambivalent – erscheint uns Google in der täglichen Nutzung ja gerade deshalb so treffsicher, weil mittels Informationen wie Standort, dem bisherigen Suchverlauf oder den Sucheinstellungen die Ergebnisse verfeinert werden. Weniger Datenschutz sorgt gerade für mehr Komfort. Doch wie notwendig ist dieser letztlich? Und wann gibt er tatsächlich den Ausschlag?

Wer das eigene Suchverhalten reflektiert, wird feststellen, dass nur wenige Anfragen so kompliziert oder außergewöhnlich sind, dass es besonders fein strukturierter Ergebnislisten bedarf. Denn – und auch das gehört zum ganzen Bild – wer sich an mangelnder Exaktheit und Vollständigkeit wirklich stört, der dürfte sich nicht mit der ersten Ergebnisseite zufrieden geben. Genau das aber tun zwei Drittel aller Google-Nutzer laut Statistik.

Auch privat nur Ecosia?

Vielleicht hilft hier am ehesten das, was oftmals im Leben gefragt ist: der Kompromiss. So wenig Google wie möglich und doch so viel wie nötig, könnte er lauten. Denn während es ETL-Vorstand Müller gelingt, auch privat überwiegend Ecosia zu nutzen, stoßen die meisten, die zwar am Desktop Alternativen zu Google benutzen, an ihre Grenzen, wenn sie ihr Smartphone in die Hand nehmen. Das zeigt die Analyse des Nutzerverhaltens deutlich, wonach der Google-Anteil im Mobilbereich laut StatCounter bei über 98 Prozent liegt.

Wer dem Giganten hier ausweichen will, hat es schon deutlich schwerer. Denn hinter dem Betriebssystem Android, das weltweit den weitaus größten Marktanteil im Mobilbereich hat, steht wiederum Google. Suchmaschine und Apps aus dem eigenen Haus sind entsprechend vorinstalliert und das Handy daraufhin konfiguriert. Ausweichen ist freilich dennoch möglich – über Fremdapps und ein entsprechendes Anpassen der Einstellungen.

Ähnliche Umwege muss derzeit auch jeder gehen, der über das iPhone etwa Ecosia nutzen will. Zwar versuchen die Macher, ihre Suchmaschine direkt in den iPhone-Browser Safari integriert zu bekommen. Bis dies allerdings irgendwann funktioniert, muss auch beim Apple-Gerät die entsprechende App genutzt werden.

Dieses Procedere ist aufwändiger als nur eben schnell in das Standardsuchfeld zu tippen – ob die Mühe letztlich lohnt, bleibt individueller Abwägung überlassen. In jedem Fall ist es besser, etwas zu tun, als alles zu unterlassen.

Drei Google-Alternativen

Ecosia: Die grüne Suchmaschine basiert auf Bing und verspricht, 80 ihrer Gewinne aus Werbung für Aufforstungsprojekte zur Verfügung zu stellen. In Punkto Datenschutz gilt der Grundsatz, dass Suchanfragen verschlüsselt und maximal eine Woche gespeichert werden. www.ecosia.org

DuckDuckGo: Die bekannteste Metasuchmaschine hat ein knappes Prozent Nutzungsanteil in Deutschland. Die Suchmaschine verwendet 400 Quellen und außerdem einen eigenen Webcrawler. DuckDuckGo sammelt nach eigenen Angaben keine persönlichen Informationen und zeigt für alle Nutzer die gleichen Ergebnisse an. www.duckduckgo.com

Startpage: Die niederländische Suchmaschine leitet die eingegebenen Suchanfragen an Google weiter und zeigt die Suchergebnisse anonymisiert an. Ausdrücklich wird auf Targeted Advertising verzichtet, Werbung ist nicht-personalisiert. Nach eigener Aussage verfügt StartPage über die weltweit wirksamsten Datenschutzrichtlinien unter allen Suchmaschinen. www.startpage.com

* Autorin:

Alexandra BubaAlexandra Buba ist freie Journalistin und spezialisiert auf die Themen der Steuerberatungsbranche (www.medientext.com). Sie schreibt regelmäßig für die STB Web-Redaktion.