25.05.2019 | Studie

GemeinwohlAtlas 2019 vorgestellt

Der GemeinwohlAtlas 2019 untersucht anhand einer repräsentativen Umfrage den Gemeinwohlbeitrag von Organisationen und Unternehmen.

Hinter dem Projekt steht das Team des Dr. Arend Oetker Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung der HHL Leipzig Graduate School of Management in Kooperation mit dem Center for Leadership and Values in Society der Universität St. Gallen (CLVS-HSG).

Sozial- und Hilfswerke in der Spitzengruppe

Bemerkenswert sei insgesamt, so die Initiatoren, wie stabil viele Unternehmen in den Augen der Bevölkerung ihren Gemeinwohlbeitrag leisten. Die Mehrheit erhält hier ein großes Kompliment. In der Spitzengruppe befinden sich 52 Organisationen. Insbesondere die, für die Bundesrepublik so typischen, großen „Sozial- und Hilfswerke“, wie etwa Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz, Weisser Ring, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser, ASB, dominieren die Spitzengruppe.

Gewinner und Verlierer bei den profitorientierten Unternehmen

Zu den Spitzenreitern der profitorientierten Unternehmen zählen Carl Zeiss, die Süddeutsche Zeitung, dm-drogerie Markt, Miele und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Gewinner im Vergleich zum GemeinwohlAtlas 2015 ist der ADAC. Dieser scheint seine Vertrauenskrise nach den Betrugsfällen überwunden zu haben und legt in seinem wahrgenommenen Gemeinwohlbeitrag um über 11 Prozent zu. Auch Lidl (~8 Prozent), Amazon (~6 Prozent) und McDonald´s (~6 Prozent) schneiden im Ranking besser ab als 2015. Neben Volkswagen (-33 Prozent), haben im Vergleich zu 2015 vor allem Audi AG (-23 Prozent), Nestlé (-20 Prozent), Bayer AG (-17 Prozent) und der DFB (-16 Prozent) im Ranking massiv eingebüßt.

Einschätzungen der Befragten

87 von 100 Befragten geben an, eine klare Vorstellung davon zu haben, was Gemeinwohl bedeutet. 81 von 100 Befragten sind allerdings besorgt, dass dem Gemeinwohl in Deutschland zu wenig Beachtung geschenkt wird. 72 von 100 Befragten, würden lieber in einer Organisation arbeiten, die das Gemeinwohl hochhält, auch wenn sie weniger verdienen würden. 

91 von 100 Befragten sind tendenziell bereit, für gemeinwohlförderliche Produkte und Dienstleistungen mehr Geld zu bezahlen – 26 von 100 Befragten sogar mehr als 10 Prozent. 82 von 100 Befragten waren der Meinung, dass privatwirtschaftliche Unternehmen eine hohe Verantwortung haben, zum Gemeinwohl beizutragen. Eine noch höhere Verantwortung zum Gemeinwohl beizutragen wurde der öffentlichen Verwaltung (98 Prozent), gemeinnützigen Organisationen (96 Prozent), der Politik (95 Prozent) und auch jedem Einzelnen (95 Prozent) zugeschrieben.

Moral, gute Leistung und Beitrag zur Lebensqualität

Die Befragten sind der Meinung, dass privatwirtschaftliche Unternehmen in Hinblick auf das Gemeinwohl vor allem auf die Moral achten sollten, gefolgt von guter Leistung im Kerngeschäft und dem Beitrag zur Lebensqualität. Der Beitrag von Unternehmen zum Zusammenhalt in Deutschland wird dagegen als weniger wichtig erachtet.

Social Media-Nutzer weniger um Gemeinwohl besorgt

Ein interessanter Befund ist außerdem, dass Befragte, die sich häufiger über Social Media informieren, eine signifikant schlechtere Vorstellung davon haben, was Gemeinwohl bedeutet. Sie sind offenbar weniger um das Gemeinwohl besorgt und rechnen sich selbst zudem weniger Verantwortung zu, Einfluss auf das Gemeinwohl zu haben. Dies zeigt sich unter anderem beim Kaufverhalten und der Wahl des Arbeitgebers.

www.gemeinwohlatlas.de

(HHL / CLVS-HSG / STB Web)