26.11.2018 | Gutachten

Leistungsbilanz: Warum deutsches Kapital ins Ausland fließt

Die deutschen Auslandsinvestitionen, insbesondere die Direktinvestitionen, sind offenbar besser als ihr Ruf. Dies ergibt sich aus einem aktuellen Gutachten des IfW Kiel für das Bundesministerium der Finanzen.

Deutschland sieht sich immer wieder dem Vorwurf gegenüber, den hohen Leistungsbilanzüberschuss zu verstärken, weil Investitionen im Ausland statt im Inland getätigt werden, obwohl die ausländischen Investitionen nur unzureichend verzinst würden. Das Gutachten zeigt jedoch, dass die Kapitalströme aus und nach Deutschland seit der Wiedervereinigung Renditegesichtspunkten entsprachen. 

Die Forscher verglichen die Rendite deutscher Investitionen im Ausland mit der Rendite ausländischer Investitionen in Deutschland. Gesamtwirtschaftlich zeige sich tendenziell ein Gleichlauf von Renditeunterschieden und der Richtung der Nettokapitalströme. Bei Direktinvestitionen liege der Renditevorsprung der Auslandsanlagen seit den 2000er Jahren bei knapp 2 Prozent.

Insgesamt erwarten die Forscher mittelfristig weiterhin Renditevorsprünge von Auslandsanlagen und dementsprechend anhaltende Nettokapitalexporte aus Deutschland. Die damit verbundene Kaufkraftverlagerung in die übrige Welt halte die Finanzierung der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse aufrecht, die daher zunächst fortbestehen dürften, so die Forscher. „Fließen Investitionen von Unternehmen und anderen Anlegern in jene Länder, wo die höheren Renditen zu erwarten sind, erhöht sich dadurch das Bruttonationaleinkommen und damit die Konsummöglichkeiten sowohl in Deutschland als auch in der übrigen Welt“, so Stefan Kooths, Leiter des IfW-Prognosezentrums.

Zum Gutachten:

Direktinvestitionen im Ausland – Effekte auf die deutsche Leistungsbilanz und Spillovers in den Empfängerländern

(IfW / STB Web)