16.11.2018 | Technologiekonzerne

US-Tech-Konzerne schlucken zunehmend kleine Rivalen

Die US-Technologiekonzerne Apple, Google, Facebook und Amazon verleiben sich immer weiter Unternehmen ein. Waren es 2009 noch weniger als zehn Unternehmen, die die vier Technologieriesen insgesamt aufkauften, so verfünffachten sich 2010 die Käufe und liegen seither bei mehr als 20 Übernahmen pro Konzern und Jahr.

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Insgesamt waren es in der vergangenen Dekade 313 Firmenkäufe – im Schnitt 7,8 pro Konzern und Jahr. Vor allem Google fällt mit zahlreichen Übernahmen auf und verzeichnete mit Ausnahme des vergangenen Jahres die meisten Übernahmen: insgesamt 140 Firmenkäufe. Apple, Amazon und Facebook folgen mit weniger als halb so vielen Übernahmen. Zu diesen Ergebnissen kommen Untersuchungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Vielversprechende Start-ups und neue Geschäftsfelder

Die Gründe für die Firmenkäufe der US-Tech-Konzerne sind vielfältig. Die Übernahmeziele können entweder Konkurrenten oder vielversprechende Start-ups sein oder den Weg in ein neues Geschäftsfeld ebnen. So übernahm Amazon im Jahr 2017 die Supermarktkette WholeFoods für 13,7 Milliarden Dollar. Im Jahr 2009 kaufte das Unternehmen aus Seattle seinen Konkurrenten Zappos für vergleichsweise günstige 930 Millionen Dollar.

Apple und Google kauften ihrerseits frühzeitig vielversprechende Start-ups mit interessanter Technologie und gliederten sie in ihre Ökosysteme ein. Durch solche Akquisitionen entstanden die Google-Dienste Google Docs und Google Maps, aber auch Siri von Apple.

Defensive Übernahmen als Strategie

Facebook tätigt eher defensivere Übernahmen von Plattformen, die im Begriff sind, das eigene soziale Netzwerk zu gefährden, wie den Online-Bilderdienst Instagram oder den Messenger-Dienst WhatsApp. Wenn eine Übernahme scheiterte, kopierte Facebook bisweilen auch die Funk­tionen des Übernahmekandidaten wie bei der Foto-App Snapchat.

Zunehmend kritische Sicht auf die Tech-Giganten

Die Übernahmen der Tech-Giganten werden allerdings zunehmend kritisch gesehen. „Mit ihren großen Kapitalrücklagen können sie potenziell alles vom Markt aufkaufen, was als Konkurrenz den eigenen grundlegenden Interessen gefährlich werden könnte. Wenn die Konzerne dabei früh genug einsteigen und sehr kleine Unternehmen schlucken, wird es zunehmend schwieriger für die Aufsichtsbehörden, potenziell wettbewerbsschädigende Übernahmen zu untersagen“, erklärt Dr. Niklas Dürr, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. Hinzu komme, dass viele Start­ups ein Eigeninteresse daran hätten, von einem der großen Techkonzerne aufgekauft zu werden.

(ZEW / STB Web)