25.07.2018 | Mandanten

Beratungsfelder: Immer auf die Gründerinnen

Von Alexandra Buba * 

Frauen haben es im Berufsleben schwerer als Männer – dies gilt unwidersprochen auch für das Thema Gründung. Statistiken bescheinigen ihnen eine geringere Gründungsaktivität, Studien besagen außerdem, sie fühlten sich benachteiligt. Doch tatsächlich ist das weibliche Interesse an der Existenzgründung ausgesprochen groß, und Berater können davon profitieren.

Viele Kanzleien nehmen Gründerinnen als potenzielle Mandantengruppe nicht wahr, dabei suchen gerade sie besonders intensiv Beratung nach. (Foto: © PeopleImages / GettyImages)

„Frauenförderung könnte Gründungen im Tech-Bereich verdoppeln“, lässt eine Studie der Universität Hohenheim verlauten. Dazu müsse die Politik Frauen aber effizienter fördern; von den bisherigen Maßnahmen würden vor allem die Männer profitieren. Allein in der Hauptstadt seien im vergangenen Jahr von rund 3.000 Tech-Startups gerade einmal neun Prozent von Frauen gegründet worden. Klingt plausibel und ruft nach Veränderung.

Frauen als Gründerinnen benachteiligt?

Ein tieferer Blick auf die Zahlen allerdings zeigt, dass der Anteil von Frauen an der Gründungstätigkeit quer durch alle Branchen so niedrig gar nicht ist: Zuletzt lag er laut KfW-Gründungsmonitor bei 37 Prozent, im Vorjahr gar bei 40 Prozent. Vergleicht man dies etwa mit dem Anteil von Frauen in Führungspositionen - in den 30 DAX-Unternehmen sind laut IW-Personalpanel 2017 nur rund 13 Prozent der Vorstände weiblich - ist ihr Anteil vergleichsweise hoch.

Einschränkend muss ergänzt werden, dass der Anteil der Frauen in Führungspositionen bezogen auf alle Unternehmen in Deutschland bei 29 Prozent liegt. Der Prozentsatz streut von Branche zu Branche gewaltig – die Spanne reicht von rund 17 Prozent in der Metall- und Elektro-Industrie über 27 Prozent bei unternehmensnahen Dienstleistern wie Steuer- und Unternehmensberatungen bis zu 35 Prozent bei gesellschaftsnahen Dienstleistungen, zum Beispiel im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.

Attraktive Mandantengruppe 

Die weibliche Gründungsdynamik deckt sich nicht unbedingt mit der gefühlten Realität oder dem, was Studien aus einzelnen Segmenten nahelegen. So vermeldet etwa Vodafone für die Digitalwirtschaft, dass sich zwei Drittel der befragten Frauen benachteiligt fühlen. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich als Gründerin oft nicht ernst genommen. Fraglich bleibt freilich, wie dies bei Männern ist. Generell haben es Gründende in Deutschland schwerer als anderorts und auch im Hinblick auf Beratung sind sie nicht die gern gesehenste Klientel in der Steuerberatungspraxis.

Foto: Claudia Maria Dittrich, © Martina Denker für die hei.

Das liegt daran, dass Gründende zunächst einmal nicht die großen Umsätze in die Kanzleien bringen; ihre Beratung ist vergleichsweise anspruchslos, dafür stehen manchmal aber Zeitaufwand und Honoraranspruch in einem Missverhältnis. Zunächst. „Denn selbstverständlich ergibt sich aus jeder Gründung eine neue Chance auf ein dauerhaftes Unternehmensmandat“, weiß Claudia-Marie Dittrich von der hei., der Hamburger ExistenzgründungsInitiative (www.hei-hamburg.de), die seit 25 Jahren das Gründungsgeschehen in der Hansestadt befördern soll. Zudem würden Gründerinnen und Gründer, die einen steuerlichen Berater gefunden hätten, diesen sehr oft weiterempfehlen. 

Das wirkt sich nicht nur unmittelbar auf den Vertrieb bezogen äußerst positiv aus, sondern steigert allgemein die Bekanntheit und dient damit dem Kanzleimarketing. Das haben viele Kanzleien so noch nicht erkannt, ebenso wenig wie sie insbesondere die Frauen als Gründerinnen bewusst als potenzielle Mandantengruppe wahrnehmen.

Dabei suchen gerade sie besonders intensiv Beratung nach: So waren rund 60 Prozent der knapp 600 Beratungsgespräche bei der hei. im vergangenen Jahr weiblich. Bei der monatlichen Netzwerkveranstaltung „hei.gründerfrühstück“ seien ebenfalls regelmäßig mehr Frauen als Männer dabei, berichtet Dittrich, circa 70 Prozent. Auch beim hei.scheckheft, einem von der Stadt Hamburg bezuschussten Coachingprogramm beteiligten sich zuletzt 52 Prozent Frauen.

Über das Netzwerk an die Mandantinnen

An den Berater kommen sie über das Netzwerk der Gründungsinitiative, in dem eine Reihe von Steuerberatern vertreten ist. Auch an anderer Stelle funktioniert die Vermittlung von Gründerinnen und Gründern an Kanzleien institutionalisiert. So initiierten das Bundeswirtschaftsministerium und die Förderbank KfW zuletzt eine Plattform als digitale Anlaufstelle für Gründungswillige (www.gruenderplattform.de). Auf der Gründerplattform finden sie nicht nur Informationen und Best Practice-Beispiele, sondern können auch ganz konkret an ihrem Vorhaben weiterarbeiten.

Wenn sie dann an den Punkt stoßen, an dem steuerlicher Rat vom Profi notwendig ist, können sie sich via Postleitzahleingabe Experten anzeigen lassen. Bisherige Partner der Plattform sind Landesförderinstitute, Bürgschaftsbanken, IHK, HWK und andere Wirtschaftsförderer sowie Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Kreditinstitute. Sie stellen auf der Plattform ihre Angebote wie kostenlose Beratung, Veranstaltungen und Wettbewerbe sowie Finanzierungsangebote bereit. Steuerberater, private Berater und alle anderen Akteure können die Tools der Gründerplattform momentan nur für die Beratung von Gründerinnen und Gründern nutzen. In Kürze soll dazu ein Co-Branding möglich sein, sodass die privaten Berater mit ihrem Logo auf der Plattform sichtbar sind, wenn sie über ihre Internetangebote Interessenten auf die Plattform verlinken.

Craft-Bier, ein Frauengetränk?

Eine Frau, die alle Beratungsprozesse bereits hinter sich hat, ist Natalie Warneke. Die 36-jährige braut seit fünf Jahren hauptberuflich Craftbier und vermarktet dieses äußerst erfolgreich weit über die Grenzen Hamburgs hinaus (vonfreude.de).

Foto: Bierbrauerin Natalie Warneke

Gestartet ist die Betriebswirtin 2013 mit einem 20-Liter-Topf aus dem Supermarkt und einem Rezept und Zutaten aus dem Internet. Inzwischen brauen sechs Mitarbeiter und verkaufen das Bier nicht nur an szenige Hamburger Läden, sondern auch an die rustikalere Gastronomie und den Handel. Zuletzt eröffnete Warneke ein Ladengeschäft in den Hamburger Colonnaden.

Zum Thema „Frau, gründen und benachteiligt werden“ sagt Warneke, dass sie dies überhaupt nicht nachvollziehen könne. „Ich persönlich habe mein Geschlecht für meinen Job immer eher als Vorteil gesehen. Man hat immer die Möglichkeit, charmant zu sein und bekommt oft hilfreiche Tipps“, so die Unternehmerin.

Das trifft sicherlich nicht auf alle weiblichen Gründer zu – doch in jedem Fall ist sicher, dass sie nicht nur eine dynamische potenzielle Mandantengruppe sind, sondern auch nicht unbedingt eine spezielle Beratung brauchen. „Die Themen, an denen es hakt, wenn es am Ende doch nicht klappt, sind bei beiden Geschlechtern dieselben“, sagt Dittrich: „Zeit und fehlende Mittel“. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa ginge längst beide Geschlechter als Thema an, Frauen nur insofern mehr, als diese oftmals nach der Rückkehr aus der Elternzeit einer Gründung äußerst aufgeschlossen gegenüber stünden.

Steuerkanzleien, die dies erkennen, können sich nicht nur einen Namen – mit vergleichsweise bescheidener Marge – machen, sondern auch davon profitieren, dass von Frauen geführte Unternehmen oftmals stabiler sind als diejenigen in männlicher Hand, wie zumindest eine Studie der Wirtschaftsauskunftei CRIF wissen will.

* Autorin:

Alexandra Buba ist freie Journalistin und spezialisiert auf die Themen der Steuerberatungsbranche. Ihr besonderer Schwerpunkt sind Management- und IT-Themen (www.medientext.com). Sie schreibt regelmäßig für die STB Web-Redaktion.

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 25.07.2018, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.