Familienunternehmen: Schwergewicht an der Börse und wirtschaftlich solide
Artikel vom: 20.10.2009
Die Hälfte aller börsennotierten Unternehmen in Deutschland - ausgenommen Finanztitel – sind Familienunternehmen. Sie repräsentieren rund ein Drittel der Marktkapitalisierung, sind jung, wachstumsstark und in fast allen Industrien vertreten. Am deutschen Kapitalmarkt sind sie ein bedeutendes Phänomen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Stiftung Familienunternehmen.
Das Center for Enterpreneurial and Financial Studies hatte die Studie an der Technischen Universität München umgesetzt. Datenbasis der Erhebung waren alle Unternehmen, die im CDAX zwischen 1998 und 2008 notiert waren – Finanzunternehmen ausgenommen. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen, die an der Börse notiert sind, seien Familienunternehmen. Das zeige sich, so die Autoren, wenn man die anerkannte Definition zugrunde lege: Die Familie hält mindestens 25 Prozent der Stimmrechte und besitzt eine Sperrminorität, oder mindestens ein Mitglied der Gründerfamilie ist als Vorstand oder Aufsichtsrat tätig.
Als Dienstleister gefragtInteressante Ergebnisse auch bei den Aktionärsstrukturen: Im Durchschnitt hielten die Gründerfamilien gut 35 Prozent der Stimmrechte an den Familienunternehmen, und in mehr als der Hälfte der Fälle sei der Gründer gleichzeitig auch Vorstandsvorsitzender. Hingegen stamme bei 85 Prozent der Familienunternehmen der Aufsichtsratsvorsitzende nicht aus der Gründerfamilie. Zudem seien börsennotierte Unternehmen in Familienhand im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen kleiner. Stark sind sie laut Studie vor allem im Dienstleistungssektor: 70 Prozent sind dort vertreten. 14 Prozent beträgt ihr Anteil bei der kapitalintensiven Bauindustrie, im Handel und im Transport sind Familienunternehmen mit 40 Prozent widerrum stärker vertreten. Auch seien Familienunternehmen weit weniger verschuldet. Mit 50 Prozent wiesen sie eine wesentlich höhere Eigenkapitalquote auf als Nicht-Familienunternehmen. Die kämen auf 36 Prozent. Langfristige und nachhaltige Finanzierung der Gründerfamilie zahlten sich eben aus.
Starkes Wachstum der Mitarbeiterzahl
Die Autoren fanden heraus, dass Familienunternehmen bezogen auf ihre Bilanz- und Umsatzsumme deutlich kleiner sind als Nicht-Familienunternehmen, sie beschäftigen weniger Mitarbeiter: durchschnittlich 6.100 seien es in erstgenannten Unternehmen, etwa 15.600 in einem Nicht-Familienunternehmen. Hingegen wachse die Mitarbeiterzahl bei den Familienunternehmen mit rund 27 Prozent bedeutend stärker als bei den Nicht-Familienunternehmen. Sie kämen nur auf sechs Prozent.
Performance ist vergleichbar
Da die Studie mit den Jahren 1998 bis 2008 einen Zeitraum untersucht, der durch die Sonderphase des Neuen Markts geprägt ist, hatten die zahlreichen Börsengänge zwischen 1999 und 2000 die Analyse der Unternehmensperformance stark beeinflusst. Die Phase wurde deshalb getrennt untersucht. Diese also ausgeklammert, zeige sich, dass Familienunternehmen keine schlechtere Performance haben als Nicht-Familienunternehmen, so ein Ergebnis der Studie. Ähnliches ermittelten die Autoren auch für die Betrachtung der Kapitalmarktperformance: Familienunternehmen hätten zwischen 1988 und 2008 eine vergleichbare Rendite als Nicht-Familienunternehmen, würden aber auch einer höheren Volatilität unterliegen.
Künftig mehr Börsengänge
„Die Studie zeigt, dass Familienunternehmen eine äußerst heterogene Gruppe sind, die sich durch das konstituierende Element der Einheit von Eigentum und Kontrolle durch die Gründerfamilie auszeichnet. Sie stellen eine zentrale Quelle für Börsengänge dar. Sie sind innovativ und wachstumsstark, weshalb sie ihrerseits den Weg auf das Handelsparkett sicherlich in Zukunft wieder vermehrt suchen werden“, so Prof. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.
Die Studie ist im Internet unter
www.familienunternehmen.de zu finden.
(Stiftung Familienunternehmen / STB Web)
Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt
vom 20.10.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten
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