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Essen Steuerberater anders?

Artikel vom: 21.10.2009

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Von Daniel Grosse, Marburg *


Ein Image kann lästig sein, aber es lässt sich polieren. Auch rund um die steuerberatenden Berufe arbeiten viele mühsam an dieser Aufgabe. Kampagnen helfen dabei. Doch das Image lässt sich durchaus vermarkten. Ein Blick in die Branche.

Foto: Steuerberater wollen weg vom
Erbsenzähler-Image (Quelle: iStockphoto.com)
Erbsenzähler gesucht mit Weitblick. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers titelt so und schreibt weiter: „Richtig: Wirtschaftsprüfer, Berater und Steuerberater müssen korrekt arbeiten und rechnen können. Aber Zahlenknechte, Ärmelschoner oder Erbsenzähler sind sie trotzdem nicht. Eher Unternehmensentwickler.“ Auf jeden Fall seien sie nicht mehr wegzudenken aus der Wirtschaft.

Fast schon rechtfertigend klingt das. Aber tatsächlich kämpft die Branche um ein Image. Oder gegen eines? Denn sind die steuerberatenden Berufe eigentlich nicht doch etwas nur für Langeweiler? Bis zur Antwort darauf wird schon mal an Begriffen gefeilt. Hans-Christoph Seewald wurde erst kürzlich in einem Interview mit den Worten zitiert, dass er die „Marke 'Steuerberater' anders besetzen“ möchte. Die Öffentlichkeit müsse den Steuerberater mehr als den Experten für die Beratung von Unternehmen und auch vermögender Privatpersonen wahrnehmen, so der neue Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes.



Leitbild soll helfen

Auch die Bundessteuerberaterkammer sorgt sich darum, wie die Berufe rund um Steuern appetitlich schmackhaft gemacht werden können. Beispiel steuerberater-perspektiven.de. Nora Schmidt-Keßeler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer: „Mit der Kampagne 'Perspektiven für morgen' haben wir in den Jahren 2006/2007 das neue 'Leitbild des steuerberatenden Berufs' eingeführt." Das Leitbild habe sich im Berufsstand mittlerweile sehr gut etabliert. Das Internetangebot sowie die Flyer und Broschüren zum Thema stehen auch weiterhin zur Verfügung. "Neue Publikationen zum Thema planen wir derzeit nicht.“ so Schmidt-Keßeler.

Wollen Steuerberater-Image aufpolieren: Nora Schmidt-Keßeler (BStBK), Dr. Harald Grürmann (BStBK) und Hans-Christoph Seewald (DStV)


Auch mit der Online-Initiative mehr-als-du-denkst.de informiert die Bundessteuerberaterkammer über steuerberatende Berufe. Mit Informationen und einem Eignungstest sollen Besucher der Internetseiten herausfinden, wie fit sie für die Ausbildung zum Steuerfachangestellten sind. „Es geht dabei noch nicht um spezielles Wissen, das du dir während der Ausbildung aneignest, sondern zum Beispiel um deine Konzentrationsfähigkeit, dein Gefühl für Zahlen und deine Kommunikationsfähigkeit“, schreiben die Macher des Internet-Projekts.


Vorurteile bei Jugendlichen

Umgesetzt hat das Konzept eine Agentur für Bildungskommunikation. Und die hat ebenso wie die Kammer kämpfen müssen – gegen Vorurteile. „Vor der Entwicklung unserer neuen Kampagne zum Ausbildungsberuf Steuerfachangestellter haben wir Jugendliche zu dem Berufsbild befragt mit dem Ergebnis, dass es nicht sehr bekannt und die Vorstellungen davon eher diffus sind. Das Vorurteil, es handele sich um langweilige Zahlen-Jongliererei, existiert durchaus. Allerdings zeigen sich die Jugendlichen sofort sehr interessiert und aufgeschlossen, wenn sie erfahren, wie abwechslungsreich die Tätigkeit ist“, meint Dr. Harald Grürmann, Präsidialmitglied der Bundessteuerberaterkammer. Um den Zielgruppen die steuerberatenden Berufe schmackhaft zu machen, müssten die Informationen präzise und glaubwürdig sein. „Wir gaukeln Schülern mit mäßigen Leistungen zum Beispiel nicht vor, dass sie die Ausbildung mit links schaffen. Der Beruf ist anspruchsvoll“, sagt Grürmann.

Die größte Hürde sieht er darin, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen zu erlangen. Übliche Werbung mit bunten Anzeigen sei schnell konsumiert und wieder vergessen. Sinnvoller sei es, auf „spannendes Unterrichtsmaterial zu den Themen Steuern, Finanzen und Berufswahl für die Klassen 9 und 10“ zu setzen. Das erhalten die Lehrkräfte an Gymnasien und Realschulen kostenfrei. In Kürze soll diese bundesweite Schulaktion starten.


Kultur bildet, in welcher Weise auch immer

Wer mit seinen Ideen in die Köpfe der Menschen hinein möchte, nutzt auch Medien, zum Beispiel das Fernsehen. Sogar Studien beschäftigen sich mit Image-Fragen wie: Was prägt die Vorstellungen vom Beruf? Wie stellen Fernsehmacher in ihren Serien Berufe dar? Fazit: realitätsfern. Vieles werde verzerrt, Realitäten würden auf den Kopf gestellt. Dabei müssten es die Verantwortlichen für derlei Fernseh-Unsinn eigentlich besser wissen.

Filme wie „Von Müttern und Töchtern“ zum Beispiel verpassen dem Beruf Steuerberater einen Image-Stempel. In der Komödie ist eine ganztätig arbeitende, alleinerziehende Mutter einer halbwüchsigen Tochter mit einem bedeutend älteren Mann befreundet. Die Tochter ist schockiert, als sie erfährt, dass ihre Mutter mit dem Partner zusammenziehen möchte. Denn der ist für sie nur eines: alt wie ein Opa, Golfspieler, langweilig – und noch dazu Steuerberater. Na klar. Soweit ein Teil der Handlung.


Steuerberatung als Unterhaltungsware?

Foto: "Kultur trifft Steuern"
Wir halten fest: Kultur bildet, in welcher Weise auch immer – und erzeugt Bilder in den Köpfen derer, die die Werke konsumieren.

Auch Buch-Autoren schicken ihre Protagonisten in erdachte Welten rund um Steuern. Michael Degens Roman „Der Steuerhinterzieher“ handelt von Steuerskandalen, schmutzigen Geschäften auf höchster Ebene und von der Korrumpierbarkeit der menschlichen Natur. Da ermittelt ein Hochbegabter zunächst als Steuerfahnder, wechselt dann die Seiten und wird Steuerberater. Als Meister im Auffinden von Gesetzeslücken hat er die ganze Zeit nur ein Ziel: sich an seinem Vater - seines Zeichens Oberfinanzdirektor - zu rächen, der seine Mutter bis zu ihrem Tod andauernd gekränkt hatte.


Jetzt wird’s sinnlich

Christopher Stahl geht noch weiter. Der Autor schreibt nicht nur über die Welt der Steuern, mit „Mörderische Bilanz“ etwa hat er gar einen „Steuerberater-Krimi“ geschrieben. So steht es außen auf dem Buch. Und in der Geschichte darf dann auch ein Steuerberater mal nach Herzenslust in Sachen Mord und Totschlag ermitteln. Autor Stahl erschafft mit dem „Steuerberater-Krimi“ eine Literatur-Gattung – und irritiert. Denn wer soll da noch an Langeweiler denken, die nur Bilanzen, Zahlen und Paragrafen lieben?

Wenn schon Kriminalromane ausdrücklich für Berufsvertreter der Steuerzunft auf den Markt kommen, ist der nächste Schritt eigentlich zwingend und nur konsequent. Steuer-Menschen haben andere Sinne als der Rest der Welt, sie möchten auf ihre Art genießen. "Kochvergnügen für Steuerprofis" soll dabei helfen. Bei etlichen Steuerberatern erfolgreich im Einsatz und nicht zuletzt in Dutzenden Kochsendungen quasi empirisch belegt, sei die Feierabendmeditation am Herd, steht im Vorwort des Kochbuchs. In „Kochvergnügen für Steuerprofis“ präsentieren die Autoren „50 raffinierte Gerichte, die sich schnell und einfach zubereiten lassen“ - garniert mit Praxistipps und „humorvollen Notizen aus der Steuerberaterwelt“. So bleibe der Steuerprofi auch am Herd in seinem Element, schreiben die Macher.


Berufliche Grenzgänger

Scheinbar essen Steuerberater anders. Und die Autoren haben mit dieser Erkenntnis eine literarische Nische entdeckt. Es braucht vielleicht tatsächlich Kochbücher, damit jeder in seinem Beruf auch am Herd auf seinen Geschmack kommt. Wann folgen Kochvergnügen für Lehrer, Feuerwehrmänner, Maurer, Biologie-Professoren oder für Journalisten?

Und wenn Steuerberater nach ihren eigenen Rezepten kochen, vielleicht malen sie auch anders als der Rest der Welt. Einer, der das wissen müsste, ist der Steuerberater und Künstler Christian Andeßner-Angleitner. Unter steuerberater-kunst.at präsentiert sich der Österreicher im Internet, beschreibt seine zwei Professionen: die der Paragrafen und die der Malerei. Sein Handwerk hat der Mann unter anderem an der Kunstakademie erlernt.


Kreativität befruchtet

Erfahren Kollegen oder Mandanten, dass er scheinbar nicht der typische, trockene, analytische Nur-Steuerberater ist, reagierten sie sehr überrascht. Kaum jemand rechne mit so einer Kombination, sagt Christian Andeßner-Angleitner. Für ihn sei seine Kunst „die andere Welt“. Beim Gestalten eines Kunstwerks lasse „eine Idee die andere fast zwingend nachfolgen“, erklärt der berufliche Grenzgänger. Und inwiefern inspiriert ihn der Beruf des Künstlers für die Tätigkeit als Steuerberater? „Ein Steuerberater sollte trotz aller Gesetzmäßigkeiten die Kreativität nicht verlieren. Ja, so komisch das klingt, aber eine gewisse kreative Ader schadet meiner Ansicht nach keinem Beruf - auch dem des Zahlenritters nicht.“ Denn wer möchte schon als dröger Erbsenzähler gelten. Und wenn, dann doch wenigstens als einer mit Weitblick.


Ausblick: Hauptsache bekömmlich!

Was nun? Wie lautet das Fazit nach dem Blick in die Branche? Muss das Image all der fleißigen Menschen, die sich mit detektivischem Gespür durch Steuerunterlagen, Bilanzen, Belege und Gesetzesbücher graben, tatsächlich poliert werden? Ja und Nein. Sachliche Informationen über berufliche Chancen, ebenso ein Leitbild, helfen sicherlich. Aber was spricht gegen das Erbsenzählen, was gegen ein traditionelles Berufs-, Selbst- und Fremdbild? Feuerwehrleute werden ja auch nicht dadurch besser oder aufgewertet, dass Kampagnen-Macher sie zum Beispiel farbig schillerndes Wasser auf einen Brand spritzen lassen. Also: Wirklich pfiffige Ideen können das Image von Berufen langfristig positiv verändern, putzige, gar alberne, nicht. Ausnahme Unterhaltung: Kulturschaffende rund um Steuern dürfen uns alles servieren – Kochrezepte, Bilder, Zeichnungen, Mörder und Ermittler. Hauptsache bekömmlich.



Hinweise zum Autor

Daniel GrosseSeit 2006 ist Daniel Grosse als freier Journalist, Redakteur, Autor und Ghostwriter für verschiedene Print- und Online-Medien tätig. Seine Themen: Arbeit, Beruf, Wirtschaft, Recht, Alter, Bauen und Wohnen. Der Jurist ist Mitautor des Fachbuchs "Das Schreibbuch - das Handbuch für alle, die professionell schreiben". Daniel Grosse lebt und arbeitet in Marburg. Er volontierte bei der Regionalzeitung Hessische/Niedersächsische Allgemeine HNA.




(STB Web)


Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 21.10.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

30.07.2010

 
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