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Die geheimnisvolle Welt der Profile - Networking für Steuerberater im Internet

Artikel vom: 26.08.2009

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Von Daniel Grosse, Marburg *


Wenn der Schlüssel zum beruflichen Erfolg das Networking ist, müssten Nutzer von Internet-Plattformen wie Xing, Linked-In oder Facebook stets volle Auftragsbücher haben - also jeder, der sich dort präsentiert, Kontakte knüpft und diskutiert.


Foto: iStockphoto.com / blackie
Auch Steuerberater, die effektiv online an ihrem beruflichen Netzwerk basteln, hätten einen wahren Ansturm von Mandanten zu bewältigen. Beide Annahmen stimmen – aber nur dann, wenn man den Schlüssel zum beruflichen Erfolg auch richtig gebraucht. Und da beginnt zunächst die Suche verbunden mit der Frage: Wo möchte ich mich wie und für was online engagieren? Schließlich bieten zig Networking-Plattformen im Internet Service und virtuellen Raum an. Es gibt Plattformen fürs Berufliche, zum Beispiel für die Akquise oder den fachlichen Austausch, andere taugen eher für private Verabredungen und Kontakte mit alten Schulkameraden. Um die Auswahl einzuschränken, hier nur exemplarisch drei der Networking-Plattformen, die fürs berufliche Netzwerken interessant sind.

Zunächst der Platzhirsch Xing (www.xing.com). Als Basis-Mitglieder können Berufstätige über Xing kostenlos ihr berufliches Netzwerk aufbauen, Kontakte pflegen und gezielt potenzielle Neukunden, Arbeitgeber oder auch Unternehmen suchen und ansprechen, teilt das Unternehmen Xing mit. Fach- und Führungskräfte managen ihre beruflichen Kontakte. Jedes Mitglied hat ein stets aktuelles Adressbuch mit seinen Kontakten und präsentiert sich mit einer ausführlichen Visitenkarte. Zusätzlich bieten Tausende von Fachgruppen Raum für Diskussionen und Austausch. Zahlende Premium-Mitglieder dürfen noch mehr: zum Beispiel Jobangebote einstellen, unbeschränkt Nachrichten netzwerkweit versenden, umfassende Suchfunktionen verwenden und sehen, wer das eigene Profil besucht hat. Nach eigenen Angaben zählt das Netzwerk Xing mehr als 7 Millionen Mitglieder.


Zielgruppe Unternehmer

Theweps (www.theweps.com) ist ebenso eine internationale Busines-Networking-Plattform. Nach Betreiberinformationen ist sie offen für alle unternehmerisch Tätigen, jede Branche, alle Funktions-Ebenen und alle Sprachen – weltweit. Hauptnutzer von Theweps sind Unternehmer und leitende Angestellte. Kernzielgruppen sind Existenzgründer, kleine und mittelständische Unternehmer und wirtschaftsorientierte Organisationen. Theweps selbst zählt so genannte Marketing-Features auf: virtueller Konferenzraum, virtuelle Messe, Chat, Weps-Radio, Innovations-Datenbank, Börsen, Übersetzer und eine Lounge.

Schließlich noch Linked-In (www.linkedin.com). 42 Millionen Mitglieder in mehr als 200 Ländern sollen sich laut Unternehmensangaben dort bislang registriert haben. Etwa die Hälfte der Linked-In-Mitglieder lebe außerhalb der USA. Profitieren sollen die Nutzer von einem „Netzwerk von miteinander verbundenen, erfahrenen Fach- und Führungskräften aus aller Welt, die 170 Branchen in 200 Ländern repräsentieren“, informiert Linked-In. Fach- und Führungskräfte kann man dort finden, sich diesen vorstellen lassen und mit ihnen zusammenarbeiten. Mitglieder können ein Profil erstellen, das ihren beruflichen Werdegang und ihre Leistungen zusammenfasst. Wer bei Linked-In mitmacht, arbeitet an seinem Netzwerk, fügt Kontakte hinzu, verwaltet seine virtuelle Visitenkarte, findet Kunden, Dienstleister und Experten, diskutiert in Gruppenforen oder erstellt Stellenanzeigen.


Erst die Analyse

Wer nun selbst netzwerken möchte, sollte sich die Portale genau anschauen. Er sollte Antworten finden auf Fragen wie: Was leisten die Networking-Plattformen? Zu welchem Preis? Wer sind die Mitglieder? Gehören diese zu meinen Zielgruppen, die ich als Mandanten suche oder mit denen ich mich fachlich austauschen möchte – dauerhaft? Ist die Plattform gut strukturiert und verständlich aufgebaut?

Foto: Joachim Rumohr
Und was Steuerberater im Besonderen interessieren wird, erklären Branchen-Experten am besten selbst – am Beispiel von Xing. Joachim Rumohr, Autor, Networking-Experte und offizieller Xing-Trainer, sagt: „Steuerberater haben es sicher schwerer als zum Beispiel Werbe- oder Marketingfachleute oder Vertriebler - Stichwort Werbeverbot. Steuerberater können auf Networking-Plattformen vor allem mit Kompetenz und Empfehlungsmarketing punkten. Raum dafür bieten bei Xing die Gruppen, Fachgruppen oder auch eine gut gepflegte Über-mich-Seite. Sinnvoll kann es auch sein, in Gruppen aktiv zu sein, in denen sich zum Beispiel besonders viele Existenzgründer aufhalten. Machen Sie im Netzwerk auf eigene Veranstaltungen oder Events in der Nähe aufmerksam, nicht plump werbend, sondern diskret. Möglichkeiten bietet bei Xing zum Beispiel die Event-Funktion. Ein guter Netzwerker ist präsent, gibt anderen wertvolle Tipps, ist aber trotzdem zurückhaltend in seiner Art. Er erwartet auch nicht sofort irgendeine messbare Gegenleistung. Vor allem muss sich bei mir das Gefühl einstellen, dass dieser Mensch auch wirklich Ahnung hat von dem, was er da schreibt.“


Steuerberater mit klarem Leistungsportfolio

Carsten Butenschön, Steuerberater von der Steuerberatungsgesellschaft Butenschön und Partner in Berlin, meint: „Meiner Meinung nach können Steuerberater von den Internet-Networking-Plattformen wie Xing und anderen sehr stark profitieren. Zum einen sind diese Plattformen auch in der Premiummitgliedschaft von der Kostenseite her relativ günstig und der Nutzen ist ziemlich hoch. Da ist zum einen einfach das Kontaktmanagement schlechthin, welches ich sehr anwenderfreundlich finde. Aber viel wesentlicher empfinde ich die Tatsache, dass gerade Steuerberater ein relativ gut beschreibbares Leistungsgportfolio anbieten, welches sich wunderbar in Schlagworten unter 'Ich biete' unterbringen lässt, beziehungsweise welches sich auch unter 'Ich suche' leicht finden lässt. Darüber hinaus eignet sich solch eine Plattform auch sehr gut, um eigene Recherchen zu organisieren. Spezialanwälte, Mitarbeiter, Kooperationspartner sind sehr zielgenau zu lokalisieren. Darüber hinaus nehme ich auch wahr, dass insbesondere junge innovative Mandanten diese Plattform nutzen. Hier entsprechend die Kontaktliste zu pflegen, ist deshalb tägliche Dienstpflicht. Schließlich würde ich noch das Gruppenmanagement ansprechen. Die Auswahl an Gruppen und Foren ist sehr vielseitig, dass hier schon einmal das Abdriften ins zeitfressende Belanglose möglich ist. Da hilft jedoch etwas Selbstdisziplin. Ich persönlich nutze Xing so gut wie täglich, beobachte die Mitbewerber und betrachte das Medium als Teil meiner Außendarstellung.“

 
 
Foto: Vladimir Sekanic
Vladimir Sekanic, Gründer der Xing-Gruppe 'Angehende Wirtschaftsprüfer und Steuerberater', stellt fest: „Die Nutzung solcher Internet-Networking-Plattformen wird von vielen als zeitaufwendig und unpraktisch verpönt, dabei liegt der Nutzen eigentlich ganz klar auf der Hand. Wo sonst hat man die Möglichkeit, sich mit anderen über steuerliche Sachverhalte und Problemstellungen auszutauschen und auf deren Wissen zurückzugreifen? Als Gründer der Xing-Gruppe 'Angehende Wirtschaftsprüfer und Steuerberater' habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Mitglieder mit Gleichgesinnten austauschen und ihre Netzwerke ausbauen. In den Foren werden unter anderem diverse Themen zur Prüfungsvorbereitung, Seminarangebote, Fachwissen, Stellenangebote und aktuelle Rechtsprechung besprochen und diskutiert, und dabei wird auf einen Wissenspool von vielen engagierten Gruppenmitgliedern zurückgegriffen. Gerade im Berufsfeld des Steuerberaters sind Erfahrungswerte anderer sehr wichtig, da die Suche nach der passenden Rechtsprechung oder Literatur bei komplizierten Sachverhalten meist nicht ganz problemlos verläuft. Hinzu kommt noch, dass Berufsanwärter, die sich auf die Examen vorbereiten, ganz spezifische Fragen und Interessen haben. Um das ganze in einem verträglichen Zeitrahmen zu halten, hat man bei Xing die Möglichkeit, sich eine Nachricht schicken zu lassen, wenn zu einem bestimmten Artikelbaum etwas Neues geschrieben wird. So hat man die Möglichkeit, sich auch nur auf bestimmte Themenbereiche in den Foren zu konzentrieren, die einen selber besonders interessieren.“


Auch eine Image-Frage

Markus Deutsch, Rechtsanwalt und Referent Steuerrecht und Publicity beim Deutschen Steuerberaterverband in Berlin, ist hingegen skeptisch: „Echte Akquise wird meines Erachtens kaum in den genannten Foren bisher vorkommen, wenn es vielleicht auch unter jüngeren Kollegen eine Frage des Images ist, in den neuen Medien vertreten zu sein. Das dürfte aber mehr auf Xing zutreffen als auf Facebook." In Fachforen mit verschiedenen Berufsgruppen 'mitzumischen', dürfe jedoch nicht schaden. Dabei sei der Zeit-Nutzen-Faktor genau zu beobachten.

Wer nun sicher ist, als Steuerberater Online-Plattformen für sich nutzen zu wollen, sollte sich aber abschließend noch Gedanken darüber machen, wie viele seiner Daten er tatsächlich wo veröffentlichen möchte – Stichworte Datenschutz und Sicherheit. Nachteile sozialer Netzwerke nennt das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein: Sie sind quasi öffentlich zugängliche Quellen. Zudem seien persönliche Informationen über eine Person verkettbar. So sei feststellbar, ob die Person in verschiedenen Netzwerken angemeldet ist. Die Informationen könnten verglichen und verknüpft werden. Als Risiko bewerten die Datenschützer die Gefahr, dass Betroffene schnell den Überblick über ihre Daten verlieren könnten. Denn oftmals wüssten sie nicht mehr, welche Daten sie über sich wo eingestellt haben und wer sie kennt.


Laien haben es schwer

Foto: Candid Wüest
Also sollte man als Nutzer wenigstens die Gewissheit haben, dass die Daten dort sicher sind, wo man sie abgelegt hat. Das führt zu der Frage: Anhand welcher Merkmale oder Hinweise erkennt man als Laie und Nutzer von Internet-Social-Networking-Plattformen wie Xing, Facebook und Co., ob die anvertrauten Daten wohl sicher sind? Candid Wüest, Analyst und Virenforscher bei Symantec, Anbieter für Sicherheits-, Speicher- und Systemverwaltungslösungen, sagt: „Es gibt zwei grundlegende Dinge. Erstens der eigene Umgang mit den Daten, also sich bewusst sein welche Information man preisgibt. Will der User wirklich seine private Adresse öffentlich machen? Und kann ein Nutzer bestimmen, wer seine Daten einsehen darf? Kann er private Bereiche für Kollegen definieren, ist immer alles gleich öffentlich?“ Diese Fragen sollte man sich als Nutzer beantworten können, meint der Experte. „Ob eine Plattform generell sicher programmiert ist, kann man als Laie leider nicht herausfinden.“

Symantec hat kürzlich bei einer Besucherumfrage auf der InfoSecurity 2009, Europas größter Sicherheitsmesse, herausgefunden, das auch Fachleute beim privaten Netzwerken ein Auge zudrücken. So vergesse jeder vierte Sicherheitsexperte, den Zugriff auf private Daten bei sozialen Online-Plattformen zu beschränken. Viele der etwa 200 befragten Experten scheinen demnach die Folgen zu unterschätzen, die ein freizügiger Umgang mit privaten Daten auslösen könne. Ein Ergebnis der Symantec-Umfrage: 90 Prozent der Befragten wissen, dass es riskant sein kann, auf sozialen Internetplattformen Freundschaftsanfragen von Unbekannten zu akzeptieren. Mehr als zwei Drittel von ihnen geben trotz alledem auch persönliche Informationen wie Name, Anschrift, Alter und Telefonnummer heraus. Damit nicht genug: Von individuellen Sicherheitseinstellungen, wie dem beschränkten Zugriff auf persönliche Daten, machte fast jeder vierte Befragte überhaupt keinen Gebrauch. So geben sie im Prinzip Hunderten Millionen Mitgliedern die Möglichkeit, auf ihrer Profilseite persönliche Informationen einzusehen, so die Symantec-Experten. „Die aktuellen Umfrageergebnisse sind vor allem deshalb besorgniserregend, weil die Verantwortungsträger der Sicherheitsbranche die privaten Risiken des sozialen Netzwerkens unterschätzen“, sagt Candid Wüest.


Tipps zum Schutz der Privatsphäre

Zwar widerspricht es dem Gedanken des Netzwerkens, wenig von sich preiszugeben, denn schließlich sucht man ja gerade interessante Anknüpfungspunkte. Trotzdem, oder eben deshalb, hat das FraunhoferInstitut für sichere Informationstechnologie in Darmstadt in seiner Studie „Privatsphärenschutz in Soziale-Netzwerke-Plattformen“ deren Technologie untersucht und bewertet, wie Informationsflüsse dort organisiert sind - insbesondere wie der Anwender sie steuern kann, um seine Privatsphäre ausreichend zu schützen. Die Experten raten:
  • Keine Nutzung in öffentlichen WLAN-Netzen oder fremdadministrierten Netzwerken, zum Beispiel in Firmen. Von dieser Einschränkung sei XING ausgenommen.

  • Auf Geschäftsplattformen keinerlei Daten aus dem Privatleben hinterlegen. Dienste nicht zum Privatvergnügen nutzen. Bei der Eingabe von Geschäftsdaten vom Arbeitgeber auferlegte Geheimhaltungspflichten beachten.

  • Für die Plattformen keine E-Mail-Adressen nutzen, die in anderen Zusammenhängen als Pseudonym verwendet werden – zum Beispiel in einem politischen Forum.

  • Unmittelbar nach der Neuanmeldung an einer Plattform die Privatsphäre-Optionen restriktiv einstellen.

  • Freigabe jeglicher Daten im Internet, so genanntes öffentliches Profil, unmittelbar nach der Anmeldung deaktivieren.

  • Vor der Eingabe neuer privater Daten zunächst immer die Zugriffskontrollen prüfen und gegebenenfalls anpassen. Ist keine Zugriffskontrolle vorhanden, unter Umständen auf die Eingabe verzichten.

  • Für eine Plattform genau eine Rolle festlegen, zum Beispiel 'Student' oder 'Angestellter bei Firma XY'. Nur die für diese Rolle benötigten Daten eingeben. Zugriff auf diese Daten nur gegenüber den Personen freigeben, die mit dieser Rolle verknüpft sind, wie Kommilitonen oder Arbeitskollegen.

  • Für weitere Rollen andere Plattform wählen oder wenn möglich weiteres Nutzerkonto anlegen.


Hinweise zum Autor

Daniel GrosseSeit 2006 ist Daniel Grosse als freier Journalist, Redakteur, Autor und Ghostwriter für verschiedene Print- und Online-Medien tätig. Seine Themen: Arbeit, Beruf, Wirtschaft, Recht, Alter, Bauen und Wohnen. Der Jurist ist Mitautor des Fachbuchs "Das Schreibbuch - das Handbuch für alle, die professionell schreiben". Daniel Grosse lebt und arbeitet in Marburg. Er volontierte bei der Regionalzeitung Hessische/Niedersächsische Allgemeine HNA.




Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 26.08.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

30.07.2010

 
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