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Artikel vom: 25.08.2010
Von Constanze Hacke, Köln *
Als fliegende Händler dürften sich Steuerberater wohl kaum betrachten. Trotzdem sind viele Kanzleiinhaber mit dem Bauchladen unterwegs, wenn sie um Mandate werben. Steuerberater tun sich schwer damit, sich auf bestimmte Zielgruppen zu konzentrieren. Und gerade bei der Gründung einer Kanzlei scheint es nur allzu verständlich, für möglichst viele Mandanten in Frage zu kommen. Eine Spezialisierung auf bestimmte Dienstleistungen oder Branchen sorgt jedoch für ein schärferes Profil unter der wachsenden Konkurrenz.
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"Wir bieten alles für jeden", so
das Motto vieler kleiner Kanzleien. (Foto: iStock / LeeTorrens) |
Wenig Mut zur Spezialisierung
Dieser Eindruck deckt sich mit den jährlichen IRES-Studien, die die DATEV erstellen lässt und in denen repräsentativ Steuerberater und Mandanten befragt werden. Nur 28 Prozent der Steuerberater haben sich demnach mit ihrer Kanzlei auf bestimmte Dienstleistungen oder Branchen spezialisiert. Die große Mehrheit wagt diesen Schritt nicht, um kein Mandat liegen zu lassen."Der Anteil der Spezialisierung steigt zwar mit der Kanzleigröße von 24 Prozent bei ein bis vier Beschäftigten auf 39 Prozent bei 14 und mehr Beschäftigten, bleibt aber auch in den größeren Kanzleien gering", erläutert Dieter Franke von der IRES Gesellschaft für Unternehmens-, Marketing- und Kommunikationsforschung in Düsseldorf die Daten.
Die Steuerberaterin Annette Meiersberg (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert) gehört zu den vielen, die sich gegen eine Spezialisierung entschieden haben. "Zum einen haben mich verschiedene Mandanten eines alten Arbeitgebers zeitgleich angesprochen, zum anderen ist die Arbeit in der Vielfalt interessanter und abwechslungsreicher." Sie glaubt, dass eine Spezialisierung nach Branchen nur sehr selten auch Spezialwissen im Steuerrecht erfordert. "Anders sieht es selbstverständlich bei einer Spezialisierung nach Unternehmensformen aus, hier betreue ich zum Beispiel Freiberufler." Zur Mandantschaft gehören bei Meiersberg aber auch mittelständische Unternehmen, Gewerbetreibende oder die Einkommensteuerfälle der Unternehmer und Geschäftsführer. "Kleinere Kanzleien können mit einem Bauchladen profitabel arbeiten", erläutert die Beraterin, die ihre Kanzlei in einer Großstadt betreibt, ihre Strategie. Eine klassische Vorgehensweise in der Akquise von Steuerberatern, wie Dieter Franke berichtet: "Spricht man sich als Steuerberater gegen eine Spezialisierung aus, dann sieht man in einem breiten Angebotsfächer die Voraussetzung dafür, für möglichst viele Mandanten in Frage zu kommen. Besonders in kleineren Kanzleien wird so gedacht."
In die Köpfe der Zielgruppe gelangen
Ob das wirklich die geeignete Strategie ist, im hart umkämpften Wettbewerb der Kanzleien langfristig agieren und vielleicht auch wachsen zu können, ist aber fraglich. Zumal die Steuerberaterbranche ein klassisches Beispiel für eine Dienstleistung ist, die stark über das Internet gesucht wird. Das gedruckte Branchenbuch hat ausgedient, der potenzielle Mandant geht in die virtuelle Suchmaschine, um seinen Berater zu finden. Mehr als 800.000 Suchanfragen aus ganz Deutschland allein für das Suchwort "Steuerberater" leitet der Marktführer Google Monat für Monat weiter. Selbst im regionalen Bereich gibt es noch mehrere tausend Suchanfragen - pro Stadt und Monat. Wer im Netz präsent ist, muss sich also abheben von der Masse und sich auf eine oder mehrere ausgewählte Zielgruppen konzentrieren.
Daraus folgt, dass sich der Steuerberater in die Rolle seiner Mandanten versetzen und eine Antwort auf folgende Fragen finden muss:
Wer Mandanten haben will, muss in die Köpfe der Zielgruppe gelangen - und dort bleiben. Wer die Zielgruppe aber ist, muss zunächst festgelegt werden, für viele Steuerberater neues Terrain, wie Dieter Franke aus seinen Untersuchungen weiß: "Die Erkenntnis, sich mit einer 'spitzen' Ausrichtung im Wettbewerb schärfer profilieren zu können - die ja in anderen Dienstleistungsbereichen zum Teil gewissermaßen Stand der Technik ist - wird bei Steuerberater noch an Boden gewinnen müssen."
Aus Spezialwissen folgen Empfehlungen
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Für StBin Susanne Günter hat sich
ihre Spezialisierung auf bestimmte Zielgruppen gelohnt. |
Susanne Günter versucht mit Spezialwissen und Antworten auf die besonderen Probleme der Zielgruppen zu punkten. "Ich versuche, bestimmte berufsspezifische Fragestellungen schon von mir aus anzusprechen - das macht immer einen guten Eindruck." Mit Mandanteninformationen geht sie sparsam um, filtert lieber die gewonnen Informationen bereits im Vorfeld und spricht bei akutem Handlungsbedarf die Mandanten konkret an. Das gilt auch für ganz individuelle Fragestellungen, wie Günter von einem aktuellen Fall berichtet: "Ich weiß, dass ein Mandant sich dieses Jahr getrennt hat und nächstes Jahr scheiden lässt. In der Fachliteratur entdecke ich einen interessanten, gut strukturierten Artikel über dieses Thema mit einer Checkliste, was steuerlich zu beachten ist. Diesen Artikel bekommt mein Mandant dann formlos mit einem Vermerk, dass man das beim nächsten Termin gemeinsam besprechen kann."
Mandanten erwarten mehr Branchenkenntnisse
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Marktforscher Dieter
Franke: "Der Druck zur Spezialisierung wird steigen." |
Die Steuerberaterin Susanne Günter geht beim Ermitteln des Mandantenbedarfs frei nach dem Motto "learning by hearing" vor - wie auch Annette Meiersberg, die die Bedürfnisse durch gezielte Fragen und Gespräche herauszufinden versucht. Die Möglichkeit professioneller Mandantenbefragungen nutzen in der Tat nur 8 Prozent der Kanzleien: "Aus dem Verzicht darauf resultieren markante Fehleinschätzungen der Potenziale für Beratungsleistungen", konstatiert Dieter Franke. Die Folge: Mögliche Spezialisierungen werden von außen gar nicht in dem Maße wahrgenommen, wie es sein könnte, potenzielle Mandate gehen gar nicht erst ins Netz. Die Zielgruppenorientierung ist daher nur der erste Schritt. Ob diese langfristig Erfolg hat, wird sich daran messen, ob die Zielgruppe sich gut bedient und angesprochen fühlt - und den Experten als solchen wahrnimmt.
* Über die Autorin:
Constanze Hacke arbeitet als Wirtschaftsjournalistin für Hörfunk, Printmedien, Fachverlage, öffentliche Auftraggeber und Unternehmen. Sie ist seit fast einem Jahrzehnt unter dem Motto "Wirtschaft - leicht gemacht!" selbstständig und hat sich vor allem im Bereich Steuern als Expertin einen Namen gemacht. Weitere thematische Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in den Bereichen Recht, Finanzen, Wirtschaftspolitik, Mittelstand und Management. Ihre journalistische Arbeit wurde vom Bund der Steuerzahler mit dem Journalistenpreis ausgezeichnet. Ihre Fachkenntnisse und praktischen Erfahrungen in puncto "Unternehmen Frei" gibt Constanze Hacke in Workshops und Seminaren an andere Freiberufler weiter.
http://www.c-hacke.de
Kontakt: mailto:ch@c-hacke.de
Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 25.08.2010, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.
08.02.2012