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Artikel vom: 21.07.2010
Von Daniel Grosse, Marburg *![]() |
Wachsen, aber wohin? (Foto: iStock.com / mevans) |
Auch der Bremer IT-Unternehmer Harald Rossol hat sich
diese Fragen gestellt. Seine Antwort: Seit Jahren macht er den gleichen Umsatz, Expansion ist unerwünscht. Weiter wachsen möchte er nicht, seine Unternehmensgröße sei eingespielt, sagt er. Zu Rossols Mitarbeitern zählen Betriebswirte, Ingenieure und Systemanalytiker. Aus seinem Unternehmen kommen kritische Worte wie: Innerhalb eines Unternehmens sei Wachstum keinesfalls unproblematisch. So machten aus einem kleinen Team gerade Wachstum und Erfolg „urplötzlich ein
hierarchisches Unternehmen – mit einem hohen Bedarf an Verwaltung, an
Controlling-Abteilungen und einer Führungsebene aus Executives“. Plötzlich sei
das System „zu weiterem Erfolg verdammt“, die vormaligen Team-Strukturen und die
gemeinsame Motivation seien gefährdet.
Abarbeiten ist negativ
„Natürlich ist es auf den ersten Blick für einen Unternehmer attraktiv, zu wachsen, sagt Harald Rossol. „Wenn ich aber mehr Aufträge hereinhole, muss ich auch immer mehr abarbeiten. Möchte ich mehr verdienen, muss ich meine unternehmerischen Kapazitäten verfielfachen - beginnend beim Personal. Oder Aufgaben übernehmen, die mir gar nicht liegen“, erklärt der IT-Unternehmer.
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Unternehmer Harald Rossol: Expansion ist unerwünscht |
Wachstum als Selbstzweck
Wachstum ist also nicht von vornherein schlecht. Schiere Größe schon eher. Das kann so weit gehen, dass sich grundsolide Wirtschaftsunternehmen immer weiter aufblähen, bis sie schließlich platzen. „In Fällen wie diesen ist Wachstum nicht mehr nur Mittel zur Erreichung eines übergeordneten Zwecks. Es ist Selbstzweck“, meint Buchautor Meinhard Miegel in seinem Werk „Exit – Wohlstand ohne Wachstum“.
Und Wachstum entsteht als erstes im Kopf. Zumindest das betriebliche, wie Antje Mühring feststellt. Die Nürnberger Steuerberaterin rät, es sei sehr wichtig eine klare Vision von dem zu haben, was man selbst und mit seinem Unternehmen erreichen möchte. Natürlich müsse auch eine betriebswirtschaftliche Kalkulation vorgenommen werden. Konkrete Planungen seien aber mit Vorsicht zu genießen, denn sie könnten die Kreativität einschränken. „Risiken kann man grundsätzlich nicht 100-prozentig absichern und so ist dieses Thema, je nach Investitionsbedarf, zu beurteilen“, sagt Antje Mühring.
Wertschöpfung in der Praxis
Und wenn das Geld dann fließt, geht es um Wertschöpfung. Sicherlich ist es wichtig, dass man den Wertschöpfungsprozess tatsächlich anhand
von Zahlen auch einmal abbildet. Wie kann es in Zahlen aussehen, wenn ein Umsatz nicht nach oben geht, dafür aber der Gewinn gleichwohl?
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Unternehmensberater Rainer Langosch: 'Das Gegenteil von gut ist gut gemeint' |
Wertschöpfung - ein Feld also für Steuerberater. Gerade in der momentan angespannten wirtschaftlichen Lage heißt es für eine Vielzahl von Unternehmern querzudenken. Alt eingetretene Pfade müssen verlassen werden, um zu mehr Effizienz und somit einer höheren Wertschöpfung der angebotenen Leistung zu kommen.
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StBin Antje Mühring: "Es gibt Alternativen." |
Zukunftsfähiges Konzept
Experten vermuten: Wohlstand im 21. Jahrhundert wird weniger in Geld und materiellen Gütern als in immateriellen Kategorien wie Vertrauen, gelungenen Beziehungen und gesellschaftlicher Teilhabe gemessen werden. Und wenn Wohlstand etwas mit Zufriedenheit zu tun hat, schließt sich der Kreis – und Harald Rossols Weniger-ist-mehr-Prinzip ist definitiv zukunftsfähig, sagt er doch: „Weniger Wachstum heißt nicht, auf etwas zu verzichten. Verzichten möchte auch ich nicht.“
* Hinweise zum Autor
Seit
2006 ist Daniel Grosse als freier Journalist, Redakteur, Autor und
Ghostwriter für verschiedene Print- und Online-Medien tätig. Seine
Themen: Arbeit, Beruf, Wirtschaft, Recht, Alter, Bauen und Wohnen. Der
Jurist ist Mitautor des Fachbuchs "Das Schreibbuch - das Handbuch für
alle, die professionell schreiben". Daniel Grosse lebt und arbeitet in
Marburg. Er volontierte bei der Regionalzeitung
Hessische/Niedersächsische Allgemeine HNA.
02.09.2010