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Studie: Kapitalgedeckte Alterssicherung dämpft Wirtschaftsentwicklung

Artikel vom: 23.11.2009

Die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Form der Riester-Rente soll zukünftigen Rentnern eine auskömmliche Rente sichern, obwohl das Niveau der gesetzlichen Rente durch Reformen deutlich sinken wird. Gesamtwirtschaftlich gesehen wäre es jedoch effizienter gewesen, die Stärken der gesetzlichen Rente zu erhalten und das Umlagesystem über weitere Steuertransfers zu unterstützen.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. "Die zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft erzwingt unausweichlich in Zukunft höhere absolute und relative Ausgaben für Renten, Pflege und Gesundheit", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. erscheint. "Die Finanzierung dieser höheren Ausgaben lässt sich durch einen Übergang zu einem kapitalgedeckten Rentensystem, in dem zuvor ein Kapitalstock angespart wird, auch nicht besser bewältigen als im traditionellen Umlagesystem." Längerfristig seien mit der Kapitaldeckung keine höheren Renditen zu erzielen.


Systemwechsel rechnet sich nicht

In Bezug zur aktuellen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zeige sich: Weder für die künftigen Rentner noch für die sozialen Sicherungssysteme rechne sich der Systemwechsel. Auf den ersten Blick haben die Reformen zwar für die heute Beschäftigten Vorteile, ebenso wie für ihre Arbeitgeber: Der Beitragsatz zur gesetzlichen Rentenversicherung soll bis zum Jahr 2030 lediglich auf maximal 22 Prozent steigen. Doch weil die Arbeitgeber sich an den Kosten für die nun notwendige zusätzliche Altersvorsorge nicht beteiligen, müssen die Beschäftigten das fehlende Geld vollständig über eigene Ersparnisse ausgleichen.


Reformen und Rechenspiele

Einschließlich der Beiträge zur Riester-Rente müssten Arbeitnehmer 15 Prozent ihres Bruttoeinkommens für ihre Altersvorsorge aufwenden - 11 Prozent als hälftiger Beitragssatz zur gesetzlichen Rente und 4 Prozent für die private Vorsorge. Ohne die Rentenreformen würde der Beitragssatz bis zum Jahr 2030 dagegen auf knapp 25 Prozent steigen, zeigten Berechnungen des Sachverständigenrats für die Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die - hälftige - Belastung für die Beschäftigten wäre mit 12,5 Prozent deutlich geringer.

Die Einführung einer kapitalgedeckten Komponente fordere den privaten Haushalten somit eine höhere Sparleistung ab. Das habe wiederum Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Modellrechnungen der IMK-Forscher ergaben: "Im Zuge der Rentenreformen stieg die Sparquote der privaten Haushalte zwischen 2002 und 2007 um knapp einen Prozentpunkt. Ihr Konsum schwächte sich um anderthalb Prozent ab. Dieser Verlust an Nachfrage wurde nicht durch höhere Investitionen von Unternehmen ausgeglichen. Das dämpfte die Wirtschaftsleistung innerhalb von sechs Jahren real um fast ein Prozent, das Beschäftigungsniveau um gut ein halbes Prozent."


Erfolge nur auf ersten Blick

Im gleichen Zeitraum reduzierten die Reformen die Ausgaben der Rentenversicherung um zwei Prozent. Diesen Einsparerfolg des Staates machte die vergleichsweise schlechtere wirtschaftliche Entwicklung aber wieder zunichte, so die Ökonomen. "Die Erfolge der Rentenversicherung gingen vollständig zu Lasten der Gebietskörperschaften und der anderen Zweige der Sozialversicherung", resümieren die Forscher.

Auch die Annahme, die kapitalgedeckte Altersvorsorge erziele höhere Renditen als das Umlagesystem, ist aus Sicht der Forscher problematisch. Denn die gemeinhin angenommene durchschnittliche Verzinsung von vier Prozent ist im historischen Vergleich hoch. Um diese Rendite mit Anlagen im Inland zu erzielen, müssten die Kapitaleinkommen dauerhaft stärker wachsen als Löhne und Gehälter. Das ist in den vergangenen Jahren in Deutschland so geschehen. Doch langfristig sei eine derart deutliche Umverteilung nicht durchhaltbar, weil sie die inländische Nachfrage immer weiter schwäche, warnen die Forscher.

Ein weiterer Ausbau der Kapitaldeckung und eine Ausweitung beispielsweise auf die Pflegeversicherung berge deutlich mehr Risiken als Chancen, resümiert das IMK. "Viele der heute Erwerbstätigen unterliegen noch dem Irrglauben, dass sie durch die Kombination aus gesetzlicher Rente und Riestersparen auch in Zukunft ein akzeptables Rentenniveau erreichen werden", schreiben die Forscher. Das sei aber nur zu gewährleisten, wenn das gesetzliche Rentenniveau nicht so stark wie vorgesehen abgesenkt werde.


Ziel der Reformen

Zum Hintergrund: Ziel der Rentenreformen der Jahre 2000 bis 2007 war es, die Beitragssätze zur Rentenversicherung auch bei einer wachsenden Zahl von Rentnern nicht über 22 Prozent steigen zu lassen. Das Rentenalter wurde heraufgesetzt, das Rentenniveau gesenkt und die Formel zur Rentenberechnung geändert. Die staatlich geförderte Riester-Rente, die die Beschäftigten ohne die Beteiligung der Arbeitgeber ansparen, soll das in Zukunft niedrigere Rentenniveau ausgleichen.

Weitere Informationen im aktuellen IMK Report Nr. 43, November 2009, in: Böckler Impuls 18/2009 (pdf)


(Hans-Böckler-Stiftung / STB Web)


Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 23.11.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

09.02.2012

 
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