Gleichstellung im Berufsleben auf freiwilliger Basis offenbar nicht effektiv
Artikel vom: 18.11.2009
Der Anteil der Unternehmen, die freiwillige Initiativen, betriebliche oder tarifliche Vereinbarungen zur Verbesserung der Chancengleichheit von Männern und Frauen aufweisen, hat sich seit Beginn des Jahrzehnts kaum verändert. Maßnahmen wie betriebliche Kinderbetreuungsangebote, Angebote für Männer und Frauen in Elternzeit sowie gezielte Karriereförderung von Frauen sind immer noch selten.
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Das zeigt eine Befragung von rund 16.000 Unternehmen durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nur in jedem zehnten Betrieb mit mindestens zehn Beschäftigten galten im Jahr 2008 betriebliche oder tarifliche Vereinbarungen zur Förderung der Chancengleichheit.
Keine Veränderungen bei 87 Prozent mittlerer Betriebe
Fünf Prozent der Unternehmen gaben an, betriebliche Vereinbarungen abgeschlossen zu haben. Sechs Prozent werden durch tarifliche Vereinbarungen erfasst. Freiwillige Initiativen haben lediglich vier Prozent der Unternehmen ergriffen. 87 Prozent der Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten weisen keine Vereinbarung oder Initiative auf. Damit haben sich die Zahlen im Vergleich zu einer entsprechenden IAB-Betriebsbefragung im Jahr 2002 nahezu nicht verändert.
Der Anteil der Unternehmen, die Angebote an Beschäftige in Elternzeit macht, erhöhte sich zwar von 2004 bis 2008 von 11 auf 21 Prozent. Demgegenüber gab es kaum Veränderungen bei der gezielten Karriereförderung von Frauen. Auch im Jahr 2008 boten nur rund fünf Prozent der Betriebe Mentoringprogramme, gezielte Karriereplanung oder ähnliches an. "Auch wenn Fortschritte bei einzelnen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf festzustellen sind, ist die Bilanz insgesamt eher ernüchternd", schreiben die IAB-Forscherinnen Susanne Kohaut und Iris Möller.
Veränderungen oft auf Druck der "neuen" Väter Eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung des Berliner Instituts für Sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) kommt zu der Erkenntnis: Wenn zunehmend auch Väter die Elterngeldmonate nutzen, steigt in vielen Unternehmen die Sensibilität für die Belange von Beschäftigten mit Fürsorgeaufgaben. Väter stellen berufliche Benachteiligungen in Frage, die lange Zeit als Selbstverständlichkeit hingenommen wurden. Dadurch bekommt die Debatte um betriebliche Gleichstellungs- und Vereinbarkeitspolitik zusätzliche Anstöße.
In vielen Fällen werde auf Druck der Väter die Arbeitsorganisation geändert, beispielsweise Teleheimarbeit eingeführt. - Änderungen, die natürlich auch den Frauen nutzen. Letztlich trage jeder Vater, der seinen Anspruch nutzt, dazu bei, dass aus der Auszeit für Männer ein "normaler" Vorgang wird, so die Forscher.
Verdienstunterschied von Männern und Frauen 2008 weiter bei 23%
Noch immer kein "normaler Vorgang" ist unterdessen nach wie vor die gleiche Entlohnung für Männer und Frauen. Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes liegt der Verdienstunterschied 2008 weiter bei 23%.
Nach Branchen differenziert bestand der höchste Gender Pay Gap mit 34% im Wirtschaftszweig "Erbringung von
freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen
Dienstleistungen".
Weiterführende Informationen:(STB Web)
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