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Pflegestudie: Auf Geringverdienern lastet enormer Druck

Artikel vom: 31.10.2009

Menschen mit geringem Einkommen sind von der häuslichen Pflege stärker belastet, denn sie organisieren die Pflege eher allein. Außerdem stehen ihnen kaum finanzielle Mittel zur Verfügung, um sich genügend Freiräume zur Erholung zu schaffen. Das ist eines der Ergebnisse einer Langzeitstudie der Universität Hamburg und der AOK zur häuslichen Pflege.

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Viele Menschen sind im höheren
Alter auf Pflege und Betreuung
angewiesen. (Quelle: AOK-Mediendienst)
Immerhin beziehen derzeit rund 2,25 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung. Über 1,5 Millionen von ihnen werden zu Hause durch Angehörige und ambulante Pflegedienste versorgt, teilen die Autoren mit.


Alter belastet zusätzlich

Aber nicht nur ein geringes Einkommen und eine längere Pflegedauer, auch das steigende Alter der Pflegenden belaste die häusliche Pflegesituation. Habe 1997 das Durchschnittsalter der Pflegepersonen noch bei 57 Jahren gelegen, liege es aktuell liegt bei 60 Jahren. Etwa 40 Prozent der Pflegenden seien bereits im Rentenalter. Doch je älter die pflegende Person sei, desto schwieriger werde es häufig, mit den körperlichen und seelischen Anforderungen der Pflege umzugehen.


Erwerbstätig trotz Pflege

Die Autoren der Studie berichten von einem weiteren Trend, wonach es eine wachsende Zahl von Personen gebe, die neben der Pflege einer Erwerbstätigkeit nachgingen. In Zahlen: 1997 waren rund 60 Prozent der pflegenden Angehörigen nicht berufstätig, heute sind es nur noch knapp 46 Prozent. Dafür sei der Anteil der Vollzeitbeschäftigten von 14,1 Prozent im Jahr 1997 auf 17,6 Prozent im Jahr 2009 gestiegen. Vor allem Teilzeitarbeit pflegender Angehöriger habe stark zugenommen: 1997 arbeiteten 26,3 Prozent nur stundenweise oder halbtags, heute seien es 36,1 Prozent.


Gesetzliche Pflegeversicherung wichtig

Um pflegende Angehörige zu entlasten, zusätzliche finanzielle Unterstützung zu bieten und individuelle Freiräume zu schaffen, halte knapp die Hälfte der Befragten die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung für unerlässlich. 1997 meinten das nur 40,7 Prozent. Immer mehr Menschen schätzen auch die ergänzenden Leistungen der Pflegeversicherung wie Angebote zur Kurzzeitpflege und Hilfen zur Wohnumfeldverbesserung. Trotzdem seien 56,4 Prozent der Befragten der Meinung, der Staat habe noch nicht genug getan - ein Anstieg gegenüber 1997 mit damals 42,1 Prozent.


Selbstbestimmt wohnen

Die Wissenschaftler der Universität Hamburg konnten mit der Studie nachweisen, dass die zunehmende Zahl der Pflegebedürftigen in erster Linie auf die längere Pflegebedürftigkeit und den damit einhergehenden längeren Bezug von Versicherungsleistungen zurückzuführen sei. Der Trend gehe zu mehr selbstbestimmtem Wohnen Pflegebedürftiger, zugleich müssten sich die Menschen aber auf eine längere Pflegedauer einstellen.


Neuer Begriff der Pflegebedürftigkeit

"Es ist wichtig, dass die Politik den bereits eingeschlagenen Weg fortsetzt, den pflegenden Angehörigen mit kostenlosen und bedarfsorientierten Entlastungsangeboten zu helfen. So bietet die Einführung des von einem Expertengremiums im April dieses Jahres vorgeschlagenen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs gute Chancen für die Verbesserung der Situation pflegender Menschen", sagt Dr. Herbert Reichelt, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Die Autoren der Studie empfehlen zudem, mehr Alternativangebote für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf vorzusehen und die Kombination von Geld und Sachleistungen in der Pflegeversicherung stärker zu fördern.


(AOK-BV / STB Web)


Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 31.10.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

09.02.2012

 
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