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Insolvenzen: Experten erwarten drastischen Anstieg

Artikel vom: 25.09.2009

Die Insolvenzverwalter in Deutschland rechnen spätestens 2010 mit einem neuen Insolvenzrekord. Hauptgrund sind die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Unternehmen in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG zusammen mit dem Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim über die Ursachen von Insolvenzen in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise.

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iStockphoto.com / mbogacz
Als Ursachen für die nahende Insolvenzwelle nennt die Studie die weg brechenden Aufträge, die den Unternehmen zu schaffen machen sowie Dominoeffekte durch Insolvenzen von Auftraggebern oder Lieferanten. Auch seien Unternehmen, die über Private-Equity-Eigner verfügen, besonders gefährdet. Eine wichtige Rolle spiele außerdem die restriktive Kreditvergabe der Banken. Datengrundlage war eine Befragung unter deutschen Insolvenzverwaltern, die aktuell insgesamt rund 21.000 Fälle von Unternehmensinsolvenzen bearbeiten.


Wucht der Finanzkrise

Fast zwei Drittel der Befragten glaubt, die bisherige Höchstmarke von rund 39.000 Firmenpleiten aus dem Jahr 2003 werde überschritten. Den Höhepunkt der kommenden Insolvenzwelle erwartet die Hälfte noch 2009, die andere Hälfte im nächsten Jahr. "Die Studie zeigt, mit welcher Wucht sich die Finanzkrise auf die Unternehmen auswirkt und wie besonders kleine Mittelständler zu kämpfen haben. Inzwischen hat die Krise die Wirtschaft fest im Griff", sagt Dr. Gerd-Uwe Baden, Vorstandvorsitzender der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG. "Von einem Rückgang der Insolvenzanmeldungen bei Unternehmen ist vermutlich erst Ende 2010 auszugehen", meint Siegfried Beck, Vorsitzender des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands. Die bislang vor allem durch Kurzarbeit eingedämmten Wirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt könnten auch durch das jetzt verzeichnete Wirtschaftswachstum nicht verhindert werden.


Auftragseinbrüche schmerzen

Die Insolvenzverwalter schätzen, dass 34 Prozent der Insolvenzanträge durch die weltweite Rezession ausgelöst wurden. Das Besondere an der jetzigen Krise und Grund für die erwartete massive Zunahme sind nach Meinung von 94 Prozent der Insolvenzverwalter die Auftragseinbrüche. So berichten die Insolvenzverwalter aus ihrer Praxis, dass davon betroffene kleinere Mittelständler einen durchschnittlichen Rückgang von mehr als 50 Prozent zu verzeichnen hatten. An nächster Stelle kommen mit 73 Prozent der Nennungen die Stornierung oder Verschiebung von Aufträgen sowie mit 68 Prozent Folgeinsolvenzen. Es folgen die Krisenanfälligkeit von Private-Equity finanzierten Unternehmen - 64 Prozent - und die restriktive Kreditvergabe der Banken mit 62 Prozent.


Fehler im Management

Wiederholt zeige die Studie, dass Managementfehler wie ein unzureichendes Debitorenmanagement bei den Insolvenzursachen weiterhin eine wichtige Rolle spielten, so die Autoren. Allerdings komme es in der aktuelle Krise zu einer anderen Gewichtung: "waren es in Nicht-Krisenzeiten eher rein betriebswirtschaftliche Faktoren wie fehlendes Controlling, die bemängelt wurden, sind es jetzt eher strategische Aspekte, die aus Sicht der Insolvenzverwalter massiv vernachlässigt werden." So fehle es nach Einschätzung der Experten den Unternehmen an Rücklagen für unerwartete Ereignisse und einer Person, die sich ausschließlich mit strategischen Aufgaben befasst. Auch das zu starre Festhalten an alten Konzepten werde bemängelt, so die Studie.


Knackpunkt Finanzierung

Die restriktive Kreditvergabe der Banken wurde von einigen Verwaltern ebenfalls kritisiert. So sagten 39 Prozent der Befragten, die mangelnde Bereitschaft der Kreditinstitute zur weiteren Kreditvergabe sei die zentrale Ursache für die Insolvenz von kleinen Mittelständlern gewesen, die sie betreuen. Grundsätzlich zeige sich, dass Unternehmen gegenwärtig erhebliche Probleme mit der Finanzierung durch Banken haben.


Reformen sollen helfen

Helfen könnten Reformen des Insolvenzrechts. Die Verwalter fordern unter anderem, das Insolvenzgeld länger zu zahlen und den Paragraphen 613a BGB für drei Jahre auszusetzen. Dort ist geregelt, dass der Unternehmenskäufer alle Arbeitsverhältnisse übernimmt. Eine weitere Forderung von mehr als der Hälfte der Verwalter - 56 Prozent - ist die Einrichtung eines speziellen Rettungsfonds für die Wirtschaftskrise. Über ihn könnten die Insolvenzverwalter Darlehen für die Fortführung und Sanierung beantragen.


Service:

Weitere Informationen zur Studie unter www.eulerhermes.de oder http://aktuell.eulerhermes.de


(STB Web)


Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 25.09.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

08.02.2012

 
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