Arbeitsmarkt: Krise spürbar bei Kurzarbeit, Produktivität und Arbeitszeit
Artikel vom: 11.09.2009
Vollzeitbeschäftigte sind stärker von der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen als Teilzeitbeschäftigte. Bei den Vollzeitbeschäftigten war im zweiten Quartal 2009 ein Rückgang von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Der Grund: Sie hängen stärker als die Teilzeitbeschäftigten von der Konjunktur ab. Dies berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Die Teilzeitbeschäftigung habe im zweiten Quartal sogar 1,2 Prozent über dem Stand des Vorjahres gelegen. Das IAB erklärt dazu: In den vom Konjunktureinbruch stark betroffenen Branchen der Industrie sei Teilzeit vergleichsweise wenig verbreitet, in den Bereichen privater, sozialer und öffentlicher Dienstleistungen liege der Teilzeitanteil dagegen deutlich höher.
Anstieg bei Kurzarbeit"Flexible Arbeitszeiten und Kurzarbeit haben auch im zweiten Quartal die Wucht der Wirtschaftskrise am deutschen Arbeitsmarkt zum großen Teil abgefangen", betonen die IAB-Arbeitsmarktforscher Hans-Uwe Bach und Eugen Spitznagel. Der Stand auf den Arbeitszeitkonten sei weiter abgeschmolzen. Die Zahl der Kurzarbeiter sei erneut kräftig angestiegen und habe sich im Monatsdurchschnitt des zweiten Quartals 2009 schätzungsweise auf rund 1,4 Millionen belaufen. Zum Vergleich: durchschnittlich 960.000 im ersten Quartal. Zudem sei bei den Kurzarbeitern ein Drittel der normalen Arbeitszeit ausgefallen. Auf alle Arbeitnehmer umgerechnet waren das laut IAB im zweiten Quartal 3,9 Arbeitsstunden, nach 3,5 Stunden im ersten Quartal.
Produktivität sinktDas gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen als die Summe aller geleisteten bezahlten Arbeitsstunden sei in nahezu gleichem Umfang wie die Arbeitszeit geschrumpft, denn die Zahl der Erwerbstätigen habe im zweiten Quartal fast auf Vorjahresniveau gelegen. "Da die gesamtwirtschaftliche Produktion um 7,1 Prozent kleiner war als im Vorjahr, verringerte sich die Produktivität je Arbeitsstunde zum vierten Mal in Folge", berichten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher.
Arbeitszeit geht zurückAuch bei den Arbeitszeiten nennt das IAB klare Zahlen: Die tarifliche beziehungsweise betriebsübliche Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten nahm um durchschnittlich 0,5 Stunden gegenüber dem Vorjahresquartal ab und lag im zweiten Quartal 2009 bei 37,9 Wochenstunden. Die Arbeitnehmer leisteten im zweiten Quartal 2009 pro Kopf 9,4 bezahlte Überstunden, drei Stunden weniger als im Vorjahr.
Mit 8,3 Tagen gab es laut IAB etwa so viel Urlaub und sonstige Freistellungen wie vor einem Jahr. Die Krankenstandsquote war mit 3,1 Prozent etwas niedriger als vor einem Jahr (3,2 Prozent).
Eine Tabelle zur Entwicklung der Arbeitszeit veröffentlicht das IAB
hier.
(IAB / STB Web)
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