Mittelstand: Lage stabilisiert sich
Artikel vom: 19.08.2009
Zwar berichtet jedes dritte mittelständische Unternehmen von schlechten Umsätzen und Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Auch könnte jedes siebte im kommenden Halbjahr existentiell gefährdet sein – trotzdem: Im Vergleich zum Januar 2009 erwarten statt 82 jetzt nur noch 27 Prozent der Befragten, dass sich die konjunkturelle Lage weiter verschlechtert. 88 Prozent bezeichnen die Lage ihres Unternehmens gar als stabil.
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Zu diesen Ergebnissen kommt die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in ihrer Studie "Mittelstandsbarometer Sommer 2009". 700 mittelständische Unternehmen in Deutschland hatten dafür im Juli an einer repräsentativen Umfrage teilgenommen.
Das Schlimmste sei überstanden. 29 Prozent der Befragten hoffen, das sich ihre Lage kurzfristig verbessert, nur 12 Prozent befürchten eine Verschlechterung, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Erstmals seit Januar 2007 hätten sich die Konjunkturerwartungen nicht weiter verschlechtert. Die Konjunkturoptmisten seien wieder leicht in der Überzahl. "Nachdem wir in den vergangenen Monaten einen beispiellosen Absturz der Wirtschaft erlebt haben, scheint sich die Lage nun zu stabilisieren – allerdings auf sehr niedrigem Niveau", sagt Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young.
Mittelständler sehen Ende der Krise erst Mitte 2011
Denn immerhin berichten überdurchschnittlich viele Industrie- und Handelsunternehmen von aktuellen Schwierigkeiten. Und: "Bei jedem siebten Unternehmen - 15 Prozent – könnte eine sechsmonatige Fortdauer der Krise zu existenziellen Problemen führen. Nur jedes dritte Unternehmen sieht sich gefeit gegen die Auswirkungen der Krise", so die Autoren der Studie. Kostensenkungen, Kurzarbeit und gar den Einsatz ihres Privatvermögens nennt Englisch als Mittel, die die Unternehmen einsetzten, um sich gegen die Krise zu stemmen. Und die Zeit werde knapp. Immer mehr Mittelständlern drohe bald das Geld auszugehen. Er prognostiziert: Wer diese Krise überlebe, habe alle Chancen, anschließend daraus gestärkt hervorzugehen. "Wer allerdings schon vor der Krise Probleme hatte, wird Schwierigkeiten haben, die kommenden Monate zu überleben."
Laut der Studie von Ernst & Young rechnen die Befragten damit, dass sich die Wirtschaft erst im Juni 2011 vollständig erholt haben wird. Die Unternehmen planen entsprechend vorsichtig: 16 Prozent wollen im kommenden Halbjahr zwar zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Jedoch möchten 19 Prozent der Mittelständler ihre Mitarbeiterzahl reduzieren. Das würde zu einem leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl im deutschen Mittelstand führen, nicht aber zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenzahl. Zurückhaltung auch bei den Investitionsausgaben: 19 Prozent der Befragten planen, sie im kommenden Halbjahr zu erhöhen, 16 Prozent wollen sie reduzieren. 64 Prozent möchten sie jedoch auf dem aktuellen Niveau belassen.
Finanzierung über Hausbanken wird schwieriger
Der Studie zufolge wird es für Mittelständler immer schwieriger, sich über ihre Hausbanken zu finanzieren. 37 Prozent der Befragten stellen dies fest. 38 Prozent klagen über höhere Dokumentations- und Sicherheitsanforderungen. Von gestiegenen Kreditzinsen sprechen jedoch nur 12 Prozent. Kleinere Unternehmen mit gesunder Substanz und einem funktionierenden Geschäftsmodell hätten keine Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen, sagt Experte Englisch. Anders sehe es bei den Mittelständlern aus, die Kredite in einer Größenordnung ab 20 Millionen Euro benötigten. Sie klopften oft vergeblich an die Tür der Kreditinstitute, selbst wenn sie eine viel versprechende Entwicklung dokumentieren könnten. "Es gibt derzeit nicht mehr genügend Kreditvolumen am Markt, und das ist ein klares Zeichen für eine drohende Kreditklemme", erklärt Englisch.
Auch zu staatlichen Finanzhilfen äußerten sich die Befragten im jüngsten Mittelstandsbarometer von Ernst & Young: 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Konjunkturpakete der Bundesregierung dazu beitragen, die Rezession in Deutschland zu lindern. Eine knappe Mehrheit der Befragten, 56 Prozent, beurteilt das Krisenmanagement der Bundesregierung positiv.
Download der StudieLesen Sie die Ergebnisse der Umfrage "Mittelstandsbarometer Update Sommer 2009" (PDF - 1 MB, 23 Seiten) als
Download.
(EY / STB Web)
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