Sind Sie auch der Mercedes unter den Steuerberatern?
Artikel vom: 20.05.2009
Von
StB Cornelia Kisslinger-Popp, München *
Neulich war ich mal wieder bei einer so genannten Netzwerkveranstaltung. Netzwerken, das hat nichts mit einem Netz oder mit dem Schulfach Werken zu tun, in dem man früher so herrlich ausspannen konnte. Netzwerken heißt im Grunde nichts anderes als Klüngeln. Tipp: Wer früher bei Partys ausschließlich in der Küche anzutreffen war, der weiß, was Netzwerken ist ...
Also wie gesagt, ich war auf einem Netzwerkabend. Zu Beginn sollten sich alle vorstellen – Name und Beruf, wie man das halt so macht. Und dann wurde erzählt und erzählt und es kamen die interessantesten Dinge zu Tage.
Nach circa zehn Vorstellungen war es dann soweit – sie war an der Reihe, meine Steuerberaterkollegin. - Und das ging so:
Aufstehen, Ansage:
Doris Kurz, Steuerberaterin
Setzen, Fertig, Ende.
Das war kurz, knackig, und klar – da war alles gesagt, dem gab es nichts hinzuzufügen. Schon war der/die Nächste an der Reihe und die Steuerberaterin war bereits vergessen.
Nun bin ich ja durchaus eine Anhängerin der Vereinfachung - ganz nach dem Motto: simplify your life (übrigens ähnlich neudeutsch wie netzwerken) - soweit sich etwas vereinfachen lässt und dabei nichts verloren geht.
Aber bitte – liebe Kolleginnen und Kollegen – verloren geht auch etwas, wenn man seine Redezeit nicht gut nutzt.
Ich seh' sie schon, die smarten Werbefachleute, wie sie unken: Steuerberater sind halt ein wenig trocken ... Sind wir nicht! Wir sind coole Typen, die sich Tag für Tag für den Kunden einsetzen,
Gott und die Welt kennen, alle Abgründe menschlichen Daseins begleiten und überhaupt in jeder Lebenslage gebraucht werden. Vom Beichtstuhl bis zum Gefängnis decken wir die gesamte Palette ab. Die Pfarrer der Neuzeit quasi.
Da darf s dann bei der Vorstellung doch ruhig ein bisschen mehr sein.
Von einem Bekannten habe ich einmal gehört, seine Steuerberaterin sei der Mercedes unter den Steuerberatern. Da ließe sich doch einiges darstellen – vom Traktor über den Van bis zum Lamborghini. Tipp: Nehmen Sie eher den Lamborghini!
Doris Kurz jedenfalls stellt sich beim weiteren Netzwerken nun also als die Fachfrau vor, die neben dem normalen Know-how des Steuerberaters eine Fortbildung zur Mediatorin aufweist und deshalb besonders gut mit sich streitenden Familienunternehmen umgehen kann. Das ist doch perfekt. Oder Doris Kurz hat den Chinesen Herrn Lang geehelicht und ist inzwischen zur Fachfrau für Steuer- und Unternehmensberatung im Bereich der Kooperation mit China geworden. Und sie beschreibt, wie sie interkulturell arbeitet.
Alle werden so schnell nicht vergessen, welch besondere Beraterin sie da kennen gelernt haben an dem Netzwerkabend.
Sie finden das blöd?
Mag sein, aber der Bäcker heißt inzwischen auch Backshop und der Friseur ist zum Haardesigner geworden. Da sind Sie eben auch nicht mehr der/die gewöhnliche Steuerberater/in. Oder Sie sind es eben doch – der/die ganz gewöhnliche Steuerberater/in mit Mandanten aller Größenordnung und jeglicher Couleur. Denn es gibt bestimmt viele Kunden, die wollen gar nicht in den Backshop und auch nicht zum Haardesigner, die wollen einfach zu einem/einer stinknormalen Steuerberater/in.
Aber dann bitte, dann dürfen Sie auch das herausstellen, dann ist eben das auch schon wieder etwas Besonderes!
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cornelia@kisslinger-popp.de
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