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Artikel vom: 21.01.2009
Von StB Cornelia Kisslinger-Popp, München
Kennen Sie das regelmäßige Interview im Handelsblatt, in dem wichtige Manager zu Ihrer Arbeit befragt werden? Ich liebe diese Interviews, weil ich mir dabei immer einen Spaß daraus mache, zu überlegen, was ich den Journalisten antworten würde (wäre ich denn ein wichtiger Manager und würde ich gefragt). Zum Beispiel bei der Frage: Womit beginnen Sie Ihren Tag?Gemeint ist hier natürlich der Arbeitstag und nicht der Tag als solches (also nicht z. B. die Frage: Was ziehe ich heute an, damit ich endlich mal flotter aussehe, als die neue Kollegin).
Nein - womit beginnt ihre Arbeitzeit ?
Nun - ich denke mal, in Zeiten von E-Mail hat sich diese Frage erübrigt. Inzwischen beginnt doch jeder Büromensch gleich - nämlich mit dem Lesen der E-Mails. Nichtdaheimfrückstücker sind davon ausgenommen, bei Ihnen fängt der Bürotag natürlich mit Frühstücken und Zeitungslesen an.
In der Regel schaue ich zu diesem Zeitpunkt nicht auf die Uhr, denn ausnahmsweise haben die privaten E-Mails ein bisschen länger gedauert, als ich mir vorgenommen habe, aber das musste halt heute mal sein. Und jetzt kann ich schon an die anderen E-Mails ran.
Mandant A schickt mir seine neueste Summen- und Saldenliste - schön und gut. Und was soll ich damit machen - ansehen, kommentieren, ausdrucken? Also, wenigstens einen Blick sollte ich drauf werfen. Na ja - und kurz antworten, würd' ihn schon freuen, wenn ich ihm sag', wie gut seine Zahlen sind. Ausdrucken? Wo ablegen, damit ich sie später wieder finde?
Nächste E-Mail: Der Student Weiss schreibt seine Diplomarbeit zu dem Thema "Wie viel Zeit nehmen Sie sich täglich für Ihre E-Mails?" und bittet mich um eine kurze Beantwortung des angehängten Fragebogens. Man hatte ja selber mal eine Diplomarbeit zu schreiben, und will deshalb nicht so sein. Also den Fragebogen sollte ich wenigstens ganz schnell mal durchgehen.
Danach: Newsletter des Anlagenberaters: Er hat - der Finanzkrise zum Trotz - das ultimative Angebot. Nur noch wenige Tranchen stehen zur Verfügung, es gilt sich schnell zu entscheiden. Ein rotes Ausrufezeichen an der E-Mail bedeutet: Absender ist Outlook-Angeber. Löschen!
Die Bank bittet um Übermittlung der letzten BWA des Mandanten B. Glücksgefühle steigen in mir auf. Nachdem ich früher für eine solche Aufgabe ca. eine halbe Stunde gebraucht habe, kann ich das inzwischen souverän in 5 bis 10 Minuten meistern - je nachdem, wie schnell mein PC arbeitet ... Also meistens brauche ich dann doch 10 bis 15 Minuten, denn ich muss die E-Mail nochmal absenden - ich habe vergessen, die Anlage mitzuschicken.
Amazon empfiehlt: der neueste Bildband über David Beckham. Ich verfluche den Tag, als ich mich bereit erklärt habe, das Abschiedsgeschenk für die 19-jährige Praktikantin und David Beckham-Liebhaberin zu besorgen.
Zwischenzeitlich meldet sich der Student Weiss und bedankt sich ganz herzlich für die schnelle Beantwortung seiner Fragen. Das sei ihm wirklich sehr hilfreich gewesen. Er wüsste jetzt, dass Steuerberater zeitdisziplinierte Menschen seien. Wo er Recht hat, hat er Recht. Kurz ein Antwortmail, keine Ursache, passt schon.
Es sind jetzt nur noch zwei E-Mails abzuarbeiten - Newsletter nicht eingerechnet, die zählen nicht, auf die muss man nicht antworten. Gerade kommt noch eine intere E-Mail an alle rein. Dem Kollegen C passt der Termin für die Weihnachtsfeier nicht, ob man den nicht noch umlegen kann (den Termin natürlich, nicht den Kollegen).
Nur noch eine E-Mail - fast geschafft und wir haben immer noch eine Stunde bis zum Mittag.
Ok - und jetzt noch einen frischen Kaffee holen und danach ganz schnell noch den Turbo-E-Mail-Check (ich war ja kurz nicht am PC).
Und jetzt fange ich mit meiner Arbeit an.
Wie lautete noch mal die Eingangsfrage? Womit verbringen ... Nein, Quatsch ... Womit beginnen Sie Ihren Arbeitstag?
Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 21.01.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.
08.02.2012