23.07.2008 | Aktuell

Betriebsprüfung: Ohne Umwege zu lohnenden Zielen

Mit besseren Datenbanken und Risikoprofilen will der Fiskus Problemfällen schneller auf die Spur kommen.

Von Dirk Eichler, Steuerberater bei Ecovis in Zittau

eichler-150pRegelmäßig wird die Kritik laut: Betriebsprüfungen in Deutschland sind nicht effizient genug. Zwar haben sie - nach zuletzt verfügbaren Zahlen - Mehreinnahmen von über 14 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen gespült. Doch es könnte mehr sein. Geprüft werden bislang vor allem kleine Unternehmen und Selbstständige und zu oft holen die Prüfer dabei gar nichts oder zu wenig heraus. Ganz anders sehe es dagegen bei den "Steuerfällen mit hohem Risikopotenzial" aus, kritisiert der Bayerische Oberste Rechnungshof. Hier sei die Qualität der Veranlagung mangelhaft. Steuern in zweistelliger Millionenhöhe gingen so verloren.

Hinzu kommen Reibungsverluste durch die dezentrale Organisation: Die Betriebsprüfung ist Sache der Landesfinanzministerien. Aber jedes Bundesland hat eigene Strukturen, Standards, EDV-Systeme und Software. Noch immer ist ein bundesweiter Zugriff auf wichtige Steuerdaten nicht möglich. Manchmal muss der Prüfer erst das zuständige Finanzamt anschreiben, um Informationen über eine Tochtergesellschaft in einem anderen Bundesland zu bekommen.

Doch das soll sich ändern: In den Bereichen Organisation und Automation arbeiten die Steuerverwaltungen der Länder jetzt intensiv zusammen. Dazu zählen gemeinsame Projekte wie eine koordinierte neue Softwareentwicklung und der Aufbau zentraler Datenbanken. Das ist die Grundlage für ein gemeinsames Projekt von Bund und Ländern: höhere Effizienz der Betriebsprüfung. Bestimmte Risikoprofile sollen entwickelt werden, um Unternehmen mit hohem steuerlichen Risiko herauszufiltern.

Wer riskiert eine Betriebsprüfung?

Auf diese "Problemfälle" sollen sich die Außenprüfer konzentrieren. Statt dem Zufall oder dem Rat des Finanzbeamten zu vertrauen, wollen die Behörden Fälle jetzt gezielt auswählen. Welche Kriterien neben der Betriebsgröße dabei eine Rolle spielen, bleibt bislang ein streng gehütetes Geheimnis der Verwaltung.

Aus den bisherigen Erfahrungen, die Berater im Umgang mit Betriebsprüfungen gesammelt haben, lassen sich jedoch einige Vorgänge mit Signalwirkung ableiten. Dazu gehören beispielsweise stark schwankende Gewinne und Umsätze, Vorsteuerüberschüsse und hohe Sonder- oder Teilwertabschreibungen. Aber auch jede Veränderung im Gesellschafterkreis oder Veränderungen im Anlagevermögen, etwa Grundstücksverkäufe, können die Prüfer auf den Plan rufen. Ein automatischer Abgleich mit den Daten aus vorherigen Zeiträumen wirft dann die problematischen Fälle aus.

Vielzahl an Daten könnte genutzt werden

Je mehr Daten elektronisch verfügbar sind, desto gründlicher können die Unternehmen über die Risikoprofile ausgewählt werden - per Knopfdruck. Möglichkeiten, an wichtige elektronisch aufbereitete Informationen heranzukommen, gibt es genug: Seit einiger Zeit können Steuerpflichtige ihre Steuererklärung elektronisch abgeben. Und seit diesem Jahr müssen viele publizitätspflichtige Unternehmen ihre Angaben via Computer dem elektronischen Bundesanzeiger melden. Es ist durchaus vorstellbar, dass das Finanzamt diese Daten irgendwann mal nutzt. Konkrete Pläne gibt es dafür derzeit noch nicht.

Das Überwachungsnetz des Fiskus wird still und heimlich immer enger geknüpft. Jedes Unternehmen muss seinen Auskunfts- und Publizitätspflichten nachkommen. Zusammen mit seinem Berater sollte der Unternehmer überlegen, welche Daten offengelegt werden müssen und welche zurückgehalten werden können.

 

Hinweise zum Autor


Ecovis Dirk Eichler ist Steuerberater bei Ecovis. Internet: http://www.ecovis.com

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 23.07.2008, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.