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08.12.2010 | Urteil

BFH: Kosten für nicht anerkannte Heilmethode abzugsfähig

Aufwendungen für eine immunbiologische Krebsabwehrtherapie können als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Das entschied vor kurzem der Bundesfinanzhof. Nicht die medizinische Notwendigkeit sei hier ausschlaggebend, sondern die Ausweglosigkeit der Lebenssituation.

Im zugrundeliegenden Fall war die Ehefrau des Klägers wegen Bauchspeicheldrüsen-Krebs operiert worden. Im Anschluss daran unterzog sie sich einer Krebsabwehrtherapie mit Ukrain, ein Präparat, das in ganz Europa nicht als Arzneimittel zugelassen ist. Zu dieser alternativen Therapie hatte der Hausarzt geraten, da eine konventionelle Chemotherapie wegen des geschwächten Zustands der Patientin nicht möglich sei.

In ihrer Einkommensteuererklärung machten der Kläger und seine später verstorbene Ehefrau die Behandlungskosten in Höhe von 30.000 Euro als außergewöhnliche Belastung geltend. Weder das Finanzamt noch das Finanzgericht ließen diesen Kostenabzug zu. Der Bundesfinanzhof jedoch beurteilte die Sachlage anders (Az. VI R 11/09). Demzufolge können auch Kosten für eine Behandlung entstehen, die objektiv nicht zur Heilung oder Linderung geeignet sind, und zwar dann, wenn eine Erkrankung mit nur noch begrenzter Lebenserwartung besteht. Nicht die medizinische Notwendigkeit begründe in diesen Fällen die tatsächliche Zwangsläufigkeit, sondern die Ausweglosigkeit der Lebenssituation, die den Griff nach jedem Strohhalm gebiete.

 

(BFH / STB Web)

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 08.12.2010, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.