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Die Nachfolge im Chefinnen-Sessel

Artikel vom: 23.06.2010

Foto: iStock.com / francisblack
Unternehmerinnen machen sich früher und geplanter Gedanken über die eigene Nachfolge. Das ergab eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Hintergrund ist in vielen Fällen, dass die Chefinnen ihren eigenen Posten unvorbereitet angetreten haben - und nun Fehler bei der Nachfolge vermeiden wollen. STB Web ließ sich im Interview mit Dr. Jörg Schmidt, einem der Autoren der Studie, die Resultate erläutern.

STB Web:
Sie haben eine Studie zum Thema Nachfolgeplanung bei Unternehmerinnen
gemacht - im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Welchen Hintergrund
hat diese aktuelle Untersuchung?

Jörg Schmidt:
Die Studie hat das Ziel, die Potenziale von Frauen in der Unternehmensnachfolge näher zu untersuchen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Faktoren die Nachfolgeregelung von Unternehmerinnen bestimmen und welche Strategien und Prioritäten im Zusammenhang mit der Nachfolgeplanung verfolgt werden. In der Studie wurden insgesamt knapp 300 Unternehmerinnen befragt, die im Verband deutscher Unternehmerinnen organisiert sind.

STB Web:
Unter anderem zeigt Ihre Studie, dass Frauen sich "frühzeitig" - nämlich im Schnitt mit 62 Jahren - um die Nachfolge kümmern. Ist das nicht immer noch reichlich spät?

Jörg Schmidt:
Die Ergebnisse zeigen im Detail, dass die Unternehmerinnen in einem Alter von durchschnittlich knapp 52 Jahren mit ersten Überlegungen zur Nachfolgeplanung beginnen und die Nachfolgeplanung schließlich in einem Alter von gut 62 Jahren abgeschlossen ist. Bis zur tatsächlichen Übergabe des Unternehmens vergehen dann im Durchschnitt noch etwa vier Jahre.

STB Web:
Unternehmensnachfolge ist im deutschen Mittelstand immer noch ein Thema, das sehr stiefmütterlich behandelt wird. Warum schenken Unternehmerinnen diesem Thema mehr Aufmerksamkeit?

Dr. Jörg Schmidt, IW

Jörg Schmidt:
Zu den wesentlichen Ergebnissen gehört, dass die Sicherung von Arbeitsplätzen bei der Übergabe des Unternehmens die höchste Priorität einnimmt und erst danach ein gutes Verhältnis zur Nachfolgerin/zum Nachfolger sowie die eigene Altersvorsorge genannt wird. Hinsichtlich des geplanten Nachfolgers haben Existenzgründerinnen und Nachfolgerinnen, die ein bestehendes Unternehmen übernommen haben, offenbar unterschiedliche Vorstellungen. Während Gründerinnen die Führung bevorzugt an Töchter und Externe abgeben würden, würden Nachfolgerinnen primär ihre Söhne für die Unternehmensnachfolge einplanen.

STB Web:
Liegt hierin nicht auch ein Problem der Nachfolgeplanung - etwa, wenn keine eigenen Kinder vorhanden sind oder aber diese gar nicht ins Familienunternehmen einsteigen wollen oder die fachliche Qualifikation dafür besitzen?

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Jörg Schmidt:
Hier zeigen die Ergebnisse, dass Teamlösungen bei der Nachfolgeplanung insgesamt eine große Rolle spielen. So geben - offenbar auch mit Blick auf die Schwierigkeiten der Nachfolgeplanung - knapp drei Viertel der Unternehmerinnen an, dass sie sich eine Teamlösung gut vorstellen können.

STB Web:
Gibt es Unterschiede in der Nachfolgeplanung, was die verschiedenen Branchen anbetrifft?

Jörg Schmidt:
Festzustellen ist, dass unter den befragten Nachfolgerinnen knapp die Hälfte in Unternehmen des Produzierenden Gewerbes tätig sind, während Gründerinnen mit einem Anteil von etwa 57 Prozent im Bereich der Unternehmensnahen Dienstleistungen, einschließlich Kredit- und Versicherungsgewerbe, vertreten sind. Im Übrigen konnte eine differenzierte Analyse für einzelne Branchen aufgrund der Zahl der Antworten nicht vorgenommen werden.

STB Web:
Gibt es für die Branche der Steuerberater - sowohl in der Beratung als auch in der eigenen Nachfolgeregelung - Besonderheiten, für die Sie konkrete Praxistipps haben?

Jörg Schmidt:
Die Wirtschaftszweige konnten aufgrund der Stichprobengröße nur auf einem hoch aggregierten Niveau erfasst werden und erlauben keine detaillierten Aussagen für die Branche der Steuerberater. Allerdings haben die Antworten auch gezeigt, dass etwa drei Viertel der Nachfolgerinnen und rund zwei Drittel der Gründerinnen Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge durch Steuerberater in Anspruch nehmen würden und die Hilfe durch Steuerberater insofern unter allen betrachteten Koordinatoren am häufigsten genannt wurde.

STB Web:
Wenn Sie auf die Resultate Ihrer Studie blicken: Welchen Handlungsbedarf sehen Sie in Sachen Unternehmensnachfolge in Deutschland?

Jörg Schmidt:
Im Kern dokumentieren die Antworten, dass die Unternehmensnachfolgeplanung und -übergabe einen komplexen Prozess darstellt, der eine langfristige Planung erfordert. Die Befunde zeigen, dass in vielen Fällen die gesetzlichen Rahmenbedingungen offenbar die Übergabe verzögern oder erschweren und insofern mögliche Ansatzpunkte angesprochen sind.

(STB Web)



Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 23.06.2010, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

09.02.2012

 
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