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General Motors hin, Opel her - oder ... die ungeliebte amerikanische (Stief-) Mutter

Artikel vom: 27.02.2009

Von Peter Kreuselberg, Karikaturist *


Am 26.02.2009 meldet die GM-Zentrale für das vergangene Geschäftsjahr 31 Milliarden Dollar Verlust. Zeitgleich demonstrieren zehntausende Mitarbeiter in Rüsselsheim und andernorts für die Unabhängigkeit Opels von GM. Vizekanzler Steinmeier nutzte die Gelegenheit zum Wahlkampf-Auftakt und stellte sich an die Seite der unter Druck geratenen Arbeiter. Der Mutterkonzern müsse Verantwortung für die europäischen Werke übernehmen. Man habe jahrelang gut an Opel verdient und dürfe diese Standorte nicht "wie eine ausgequetschte Zitrone" wegwerfen. Solches Tun wäre unanständig.
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Hört hört, mag sich da Herr Wagoner denken. Unanständig. Nun, was hier wirklich unanständig ist, das wird sich zeigen. Zuerst hilft vielleicht ein kleiner Ausflug in die Firmengeschichte der Adam Opel GmbH. Man fragt sich in diesen Tagen, warum diese so eigenständige und erfolgreiche ehemals Nähmaschinenfirma überhaupt zu GM gehört? Ein Fall von Heuschrecken - will man da gleich vermuten. Falsch.

Hier ein Auszug aus der Firmengeschichte der Adam Opel GmbH: "Die kreditfinanzierte Konjunktur brach Ende der 1920er Jahre mit der Weltwirtschaftskrise zusammen - und auch die Automobilindustrie litt darunter. Durch einen klugen Schachzug der Opel Brüder entkam Opel dem Krisenszenario: Nach vielen Verhandlungen übernahm die General Motors Corporation, die wegen hoher Einfuhrzölle seit längerem ein Produktionswerk in Deutschland suchte, die Aktienmehrheit der Adam Opel GmbH. Opel bewahrte sich den Namen und behielt seine Eigenständigkeit."

opel_gm_72dpi_stbwebDas war 1929. Die Parallelen sind frappierend. Wirtschaftskrise, Einbruch Automobilindustrie, Opel in schwerer Not. Ohne GM hätte es die letzten 80 Jahre Opel vielleicht gar nicht gegeben. Nun, im Jahr 2009 leidet die Welt wieder unter einer Wirtschaftskrise mit Einbruch der Automobilindustrie. Diese Krise hat die amerikanischen Autobauer (die sicher Fehler gemacht haben) erfasst und droht einigen wie auch GM den Gar aus zu machen. Doch während man sich 1929 in Deutschland sicher noch über GM freute, wird nun der Retter zum Sündenbock. Man erwartet von der (Stief-) Mutter, dass sie ihre europäische Tochter aus dem sinkenden Schiff entlässt und alleine untergeht. Ist das anständig?

Wie man das seitens GM sieht, kann man sich unschwer vorstellen. So ist es vielleicht auch zu erklären, warum GM den Entwurf eines Rettungsplans der Tochter Opel selbst überlässt. Man hat in Amerika andere Sorgen. Schließlich gibt es auch dort tausende von Mitarbeitern die um Ihre Jobs bangen.

Wirklich bestürzend jedoch sind die offensichtlich falschen Hoffungen, die deutsche Politiker den Opel-Mitarbeitern machen. Sicher, man muss alles versuchen, um Arbeitsplätze zu retten. Aber so zu tun, als ob man so mir nichts dir nichts Opel aus dem GM-Geflecht lösen könnte, grenzt fast schon an Betrug. Was 80 Jahre zusammen gewachsen ist, lässt sich nicht in 1 oder 2 Monaten trennen. Und selbst wenn, was wäre dann? Ist Opel wirklich so eigenständig und erfolgreich wie man den Menschen Glauben macht? Mit einigen Opel-Mythen hat die F.A.Z. in ihrem Artikel vom 23.02.2009 bereits aufgeräumt.

Während der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hoffnung versprüht und sich als Speerspitze der Arbeiterklasse ausgibt, ist dessen Parteikollege Michael Fuchs in Berlin der Ansicht, dass die Insolvenz von Opel unabwendbar kurz bevor steht. Er prognostiziert das Aus bereits für Mai/Juni 2009, wie das Manager-Magazin berichtete.

Unterm Strich muss man als vernünftiger Mensch wohl leider sagen, dass die Lage ziemlich verfahren ist. Es wird irgend etwas passieren - zeitnah, so viel ist klar. Dass sich Opel aber kurzfristig aus dem Mutterkonzern lösen kann, dann vielleicht sogar als Opel-Europe eigenständig die Wirtschaftskrise übersteht ohne nennenswerte Arbeitsplatzverluste...das scheint eines der unwahrscheinlichsten Szenarien überhaupt zu sein.

Doch genau dies suggerieren einige Politiker und Gewerkschafter den schon genug leidenden Mitarbeitern in diesen Tagen. Und das ist wirklich unanständig.



* Peter Kreuselberg arbeitet als freiberuflicher Zeichner und Karikaturist in Stuttgart. Für die STB Web Redaktion erstellt er regelmäßig Karikaturen und veröffentlicht darüber hinaus in loser Folge Beiträge und Kommentare zum aktuellen Wirtschaftsgeschehen. Kontakt: kontakt@peter-kreuselberg.de

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 27.02.2009, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

06.09.2010

 
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