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Steuerberatung in der Praxis: '90 Prozent der Mandanten laufen digital'

Artikel vom: 17.12.2008

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weigandDas Thema "Digitale Buchführung" ist mittlerweile in aller Munde, immer mehr Mandanten fragen den Service auch bei ihrem Steuerberater nach. Doch sind technische Mängel inzwischen ausgemerzt? Und welcher konkrete Nutzen entsteht für Mandantenunternehmen und Kanzlei tatsächlich? STB Web interviewte StB Hans-Joachim Weigand aus Gladenbach in Hessen. In einer der Pionierkanzleien in Sachen digitale Buchführung verbuchen die Mitarbeiter heute 90 Prozent aller Mandate digital.

STB Web: Herr Weigand, Ihre Kanzlei bot als eine der ersten in Deutschland ihren Mandanten die Dienstleistung "Digitale Finanzbuchführung" an. Wie kam es dazu?

StB Hans-Joachim Weigand: Ich habe vor fünf oder sechs Jahren einen der ersten modern arbeitenden Dokumentenscanner gesehen und dachte, das müsste doch die Abläufe radikal verändern können. Ich habe mir eine passende Software besorgt, damals noch nicht von einem Kanzleisoftwareanbieter, sondern von einer EDV-Firma, und einfach begonnen.

STB Web: Was haben Sie sich davon versprochen?

Weigand: Der Mandant sollte Zeit und Geld sparen können, die Kanzlei ihren Radius erweitern.

STB Web: Ist das gelungen?

Weigand: Heute, einige Zwischenschritte später, auf jeden Fall. Inzwischen bieten wir digitale Buchführung als DATEV-Referenzkanzlei an, 90 Prozent der Mandanten laufen digital. Wir haben einen sehr sauberen, wesentlich weniger fehleranfälligen Fibu-Prozess und sparen durch die teilweise automatische Vorkontierung viel Zeit. Das geben wir über das Honorar an unsere Mandanten weiter. Außerdem haben wir Mandate über den regionalen Einzugsbereich hinaus gewinnen können.

STB Web: Wenn Preisnachlässe für Mandanten drin sind, dann klingt das wirklich gut...

Weigand:
Der Preis ist ein nicht unwesentlicher Faktor. Der Mandant hat durch sein Mitwirken die Preisgestaltung selbst in der Hand. Damit ist die digitale Buchführung auch rein wirtschaftlich betrachtet eine sehr sinnvolle Sache.

STB Web: Gibt es Kanzleien, zu denen die digitale Buchführung nicht passt?

Weigand:
Ich rate Kollegen immer dann eher ab, wenn die Kanzlei nicht entsprechend strukturiert ist oder der Mandantenstamm in der Mehrheit nicht gewillt ist, schnell umzustellen. Wichtig ist auf jeden Fall, sich im Vorfeld umfassend zu informieren. Insbesondere die Kanzleileitung muss von dem neuen System überzeugt sein. Die DATEV bietet da eine Menge an, das darf ich sagen, weil ich für die DATEV eine Musterkanzlei präsentiere - das nächste Mal im Übrigen auf der CeBIT 2009.

STB Web: Was sehen Sie beim Einstieg in die digitale Buchführung noch als besonders wichtig an?

Weigand:
Die neue Dienstleistung muss bei den Mitarbeitern akzeptiert worden sein. Insbesondere aber auch beim Mandanten muss sie gut vermarktet werden. Denn grundsätzlich bringen hauptsächlich viele Mandanten Neuerungen erst einmal Skepsis entgegen. Informationsmaterial kann helfen, aber auch der persönliche Kontakt und die intensive Vermittlung des Themas.

STB Web:
Wie gelingt das?

Weigand:
Unsere Kanzlei hat kürzlich eine Veranstaltung organisiert, zu der wir auch die Unternehmergattinnen eingeladen haben, da sie ja häufig für die Buchführung verantwortlich sind. Natürlich haben wir ihnen nicht nur nüchterne Software präsentiert, sondern auch Mode.

STB Web:
Mode?

Weigand:
Ja, durch die Kombination mit etwas ganz Anderem konnten wir unsere Gäste auch dafür gewinnen, sich einmal ausführlich mit der digitalen Fibu auseinander zu setzen. Und das ist wichtig, denn jeder, der das tut, ist anschließend überzeugt.

STB Web: Sehen Sie neben den Vorteilen und Chancen auch Probleme oder Risiken für Kanzlei und Mandanten?

Weigand: Schwierig ist es, wenn herkömmliche und digitale Buchhaltung auch mittelfristig in etwa gleichen Anteilen parallel laufen sollen - digitale Fibu erfordert ein komplettes Umdenken. Wir haben aktuell etwa 10 Prozent Mandanten, die wir noch nicht umgestellt haben. Ich bin auch skeptisch, ob dies überhaupt jemals gelingen wird. Aber der Anteil von 10 Prozent ist verkraftbar und stört den normalen Ablauf nicht.

STB Web: Das heißt, der wichtigste Schritt im Vorfeld einer etwaigen Umstellung ist der Blick auf die Mandanten?

Weigand: Das würde ich sagen. Gerade neulich erzählte mir ein Kollege auf dem Messestand, sein Mandant, ein Schreiner, könne keine Belege faxen, da das Fax in der Schreinerei stünde und immer einstauben würde. Da können Sie dann halt nichts machen.

STB Web: Seitens einer - ausschließlich im Büro eingesetzten - Technik bestehen aber ansonsten keine Probleme mehr, oder?

Weigand: Nein, ab und zu finden Sie schon noch einen Mandanten mit einem alten Thermofax, aber alles andere funktioniert reibungslos. Das Unterstützungsangebot, das etwa die DATEV bietet, ist riesig - und häufig kostenlos.

STB Web: Herr Weigand, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Alexandra Buba, STB Web.



Hinweise zum Gesprächspartner

logo2Die Kanzlei Hans-Joachim Weigand & Torsten Bach Steuerberater besteht seit 1996 in Gladenbach/Hessen. Seit Gründung verfolgt sie die Strategie, die Mitarbeiter in den Bereichen weiter zu qualifizieren, die Unternehmer besonders betreffen. Gleichzeitig legt die Kanzlei Wert darauf, Mandantenunternehmen stets als Ganzes zu betrachten und auch die Unternehmerpersönlichkeit mit einzubeziehen.

Auf dieser Grundlage entstand das aktuelle Leistungsspektrum. Es umfasst neben der klassischen Steuerberatung die zentralen Unternehmerthemen Nachfolge, Konfliktmanagement und Sanierung. Darüber hinaus bezieht Weigand & Bach auf Wunsch auch die Privatfinanzen mit in die Beratung ein.

Kontakt:

Hans-Joachim Weigand & Torsten Bach
Steuerberater
Schmittgasse 1a

35075 Gladenbach

Tel.: 06462 - 9395 0
Fax: 06462 - 9395 50

eMail: mail@stb-weigand-bach.de
www.stb-weigand-bach.de


Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 17.12.2008, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

17.05.2012

 
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