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Rhetorik und Charisma - Teil 1

Artikel vom: 28.02.2003

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von Stéphane Etrillard, Managementtrainer und Businesscoach


"Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom Augenblick der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo Du aufstehst, um eine Rede zu halten." Mit dieser Aussage von Mark Twain möchte ich mit Ihnen zusammen in das Thema Rhetorik einsteigen.

Was verursacht nur diese Schmetterlinge im Bauch, diese Angst, diese schweißnassen Hände, dieses Gefühl, am liebsten die Flucht zu ergreifen, das Weite zu suchen, am anderen Ende der Welt sein zu wollen ... Es ist die Angst, zu versagen, sich zu blamieren, den Faden zu verlieren, plötzlich auf der Bühne zu stehen und nicht mehr zu wissen, was man denn eigentlich sagen wollte ...

Redeangst ist ein natürliches Phänomen, auch die erfahrensten Redner leiden darunter. Überspitzt formuliert: Wer keine Form von Angst kennt, macht sich zu wenig Gedanken über seine Wirkung. Ein Pilot, der keine Restangst mehr hat, versäumt es, vor dem Start die Checks durchzuführen, die über Leben und Tod entscheiden können. Ähnlich ist es beim Redner, auch er kann abstürzen. Wichtig ist, dass man ausgeruht zur Rede antritt, also im Fall einer 400-Kilometer-Anreise nicht mit dem Auto hinfährt. Wer zudem die lokalen Gegebenheiten erkundet und die Erwartungen des Zuhörerkreises in Erfahrung gebracht hat, wird ruhiger reden.

Besonders hilfreich ist es, wenn man von Beginn an ein Gefühl der Vertrautheit empfindet. Zahlreiche Redner, auch Spitzenreferenten, nehmen zu wichtigen Auftritten eine Vertrauensperson mit und bitten sie, sich in eine der vordersten Reihen zu setzen. Vielleicht beruhigen Sie zwei wesentliche Punkte: Lampenfieber kennt so gut wie jeder Mensch, ob nun davor, auf einer Bühne zu stehen oder einfach nur die Rede zu Omas 80. Geburtstag zu halten. Und Lampenfieber kann man annehmen, in erträgliche Bahnen lenken und sogar in gleichem Maße als Wachsamkeits- und Aufmerksamkeitsfaktor nutzen.

Bevor wir in die Praxis der Rhetorik einsteigen, eine kleine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema Rhetorik aus www.wissen.de:


Rhetorik: [griechisch] Redekunst

Die Lehre von der guten, wirkungsvollen Rede; Teilgebiet der Stilistik. Wie die Poetik die theoretische Betrachtung der Dichtung ist, so ist die Rhetorik die der Gebrauchssprache. Die großen Formen der Rede sind: politische Rede, Gerichtsrede, Predigt, Festrede. Schon seit der Antike werden bei der Rede 5 wichtige Punkte beachtet:

1. die Stoffsammlung (inventio);
2. die Gliederung (dispositio);
3. die sprachliche Formulierung (elocutio);
4. die Einprägung der Rede (memoria);
5. der Vortrag (pronuntiatio).


Während Stoffsammlung und Gliederung vom Inhalt her bestimmt sind, die Einprägung von der Mentalität des Vortragenden abhängt und die Art des Vortrags vor allem von der Rezitationskunst und -technik behandelt wird, ist die sprachliche Formulierung die eigentliche Aufgabe der Rhetorik. An den Rednerschulen der Antike wurde eine besondere Technik dazu entwickelt.

Man unterschied zwischen den jeweils für eine Rede geeigneten Stilarten und legte großen Wert auf eine gelehrte Behandlung der Gedanken. Nach der traditionellen Schulrhetorik wird die Zielwirkung einer Rede dann erreicht, wenn diese nacheinander belehrt (docere), unterhält (delectare) und Gefühle erregt (movere); als Mittel dienen hierfür die Redefiguren.

In der Antike entwickelten zuerst die Sophisten eine lehrbare Rhetorik; die größten Redner des Altertums waren Demosthenes und Cicero. Im Mittelalter zählte die Rhetorik zu den Sieben Künsten; sie wurde besonders auf die Predigt und in der Brieflehre angewandt. Zu Beginn der Neuzeit bildete sich die Einheit von Dichtung und Rhetorik heraus, die die Literatur bis um 1700 beherrschte.

Trotz des Wegfalls der Rhetorik als Lehrfach, bestimmten ihre Regeln auch weiterhin alle Formen der Rede. Während des Nationalsozialismus zur Propaganda verkommen, wird die Rhetorik seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts innerhalb von Fächern wie Linguistik, Kommunikationswissenschaften, Semiotik, Psychologie oder Soziologie wissenschaftlich fortgesetzt.

Von der Theorie zur Praxis. Dazu hat der deutsche Journalist und Publizist Friedhelm Franken (*1943) eine schöne Geschichte eines Redners auf Lager:

"Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich Ihnen etwas mitteilen möchte, was mir selbst einmal beigebracht worden ist. Eine Lektion, an die ich mich manchmal erst in letzter Sekunde erinnere:

Man hat mir beigebracht, dass für jeden Redner die vier wichtigsten Worte in unserer Sprache lauten: "Was ist Ihre Meinung?" Die drei wichtigsten Wörter lauten: "Würden Sie bitte...?" Die zwei wichtigsten Wörter lauten: "Danke sehr!" Und das wichtigste Wort heißt: "Sie". Dann hat man mir beigebracht, was das unwichtigste Wort ist: "Ich". Ich habe das Wörtchen "Ich" heute vielleicht unnötig oft strapaziert. Aber jetzt will ich den Monolog beenden und überleiten zur Aussprache. Würden Sie bitte sagen: "Was ist Ihre Meinung? Danke sehr! Sie sind dran!"


Hinweise zum Autor

Stéphane Etrillard zählt zu den Top-Wirtschaftstrainern und Coaches. Er gilt als führender europäischer Experte zum Thema "persönliche Souveränität". Als Coach und Autor genießt er bei Entscheidern und Führungskräften einen hervorragenden Ruf. Mit seinen offenen Seminaren im Bereich Rhetorik und Dialektik sowie Selbst-PR verhilft er seinen Teilnehmern zu mehr Souveränität in allen Lebenslagen. In dem Online-Magazin "STB Web" hat Stéphane Etrillard in den letzten Jahren zahlreiche Fachartikel zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Selbstmarketing speziell für SteuerberaterInnen veröffentlicht.





Kontaktdaten:

Management Institute S E C S
Stéphane Etrillard Communication & Sales
Schloss Elbroich
Am Falder 4
D-40589 Düsseldorf
Tel: 0211 - 757 07 40
Fax: 0211 - 75 00 53

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info@etrillard.com

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 28.02.2003, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

17.05.2012

 
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