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Artikel vom: 01.02.2003
Fragen sind eine entscheidende
Voraussetzung für den Erfolg eines Gespräches. Kunden wissen nicht, was
Sie Ihnen bieten können. Und Sie wissen nicht, was Kunden aus Ihrem Repertoire
genau brauchen. Deshalb müssen Sie es erfragen. Wer fragt, der führt. Dieser
alte Leitsatz steht in jedem halbwegs kompletten Schulungsbuch für Verkäufer.
Doch wie ein guter Verkäufer seinen Kunden fragt und auf was er achten muß,
wird seltener gelehrt. Hier sind die wichtigsten Antworten zu Fragen um´s
Fragen.
Wenn Sie die richtigen Fragen stellen, erhalten Sie von Ihrem Gesprächspartner auch die gewünschten Antworten. Jedoch Vorsicht vor dem Verhörstil. Wenn Ihr Gesprächspartner das Gefühl hat, er sitzt Ihnen gegenüber, eine 100-Watt-Glühlampe strahlt ihn an und er muss auf unangenehme Fragen antworten, erreichen Sie sicher nicht das gewünschte Ziel. Gehen Sie die Sache locker an. Wenn Sie genau wissen, was Sie wollen, und im Kopf eine klare Struktur haben, wird sich automatisch eine offene Kommunikation mit einem Frage-Antwort-Wechsel entwickeln.
Wer fragt, der führt, diese Tatsache ist nicht nur versierten Verkäufern bekannt. Mit gezielt eingesetzten Fragen können Sie das Gespräch lenken und Ihren Gesprächspartner dazu aktivieren, mehr zu sagen, als er vielleicht sagen wollte. Es gibt eine Reihe verschiedener Fragetypen, die Ihnen hier kurz vorgestellt werden:
Fragen sind eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg eines Gespräches.
Sie signalisieren damit Interesse an der anderen Person und deren Meinung. Ob
es sich um ein Verkaufsgespräch mit einem Kunden oder einem Konfliktgespräch
zwischen einem Vorgesetzten und einem Mitarbeiter handelt - wer fragt, der führt.
Wer als Verkäufer mit Fragen genau herausfiltert, welche Bedürfnisse sein Kunde
hat und ihm dann gezielt ein Angebot unterbreitet, wird erfolgreicher verkaufen.
Wer als Vorgesetzter nicht gleich das falsche Verhalten eines Mitarbeiters tadelt,
sondern durch Fragen herausfindet, welche Beweggründe er hatte, genau so zu
handeln, wird als Führungskraft anerkannt. Nur wer die richtigen Fragen stellt,
wird am Ende eine gute Lösung für beide Seiten erzielen.
Ein Tipp an dieser Stelle: Stellen Sie Ihre Fragen kurz und präzise. Nichts
ist schlimmer als eine Frage, an deren Ende Ihr Gegenüber nicht mehr weiß, wo
der Anfang war. Wie soll er eine solche Frage beantworten? Und achten Sie auch
darauf, dass Sie Fragen nicht im nächsten Satz gleich selbst beantworten. Bei
Führungskräften lässt sich dieses Vorgehen manchmal beobachten: "Herr Fischer,
wie gedenken Sie denn, das neue Projekt anzugehen?". Und noch bevor Herr Fischer
überhaupt die Möglichkeit hat, den Mund aufzumachen, fährt Herr Mayer fort:
"Also ich habe das früher, als ich Projektleiter war, ja immer so gemacht ...?.
Man sieht noch, wie Herr Fischer sich nach dem Gespräch (das ja gar keines war,
sondern mehr oder weniger nur ein Monolog) kopfschüttelnd abwendet. Und sicher
spielen sich in seinem Kopf Gedanken ab, wie "Soll der nur mal reden, ich mache
es ja sowieso wie ich denke" oder "Ja früher war alles ganz anders. Wenn der
wüsste, wie es heutzutage zugeht."
Vermeiden Sie gerade in kritischen Gesprächen ein allzu häufiges "Warum?".
Sicher kennen Sie das bei Kindern, die mit ihrem ständigen Warum den Wissensdurst
stillen wollen und damit ihren Eltern gewaltig auf die Nerven gehen. Oder, wenn
Menschen nach einem Schicksalsschlag immer fragen: "Warum (ausgerechnet) ich?"
So wie es im ersten Fall auf tausend Warum auch tausend Antworten gibt, gibt
es auf das eine Warum keine Antwort. Und beides führt nicht zu einem guten Gefühl
und Gespräch.
Wenn Sie nach den Ursachen eines Vorfall fragen wollen, benutzen Sie eher folgende "weichere", objektivere Formulierungen:
Einige von Ihnen kennen sicher diese Situation: ein Kunde reklamiert. Oder vielleicht waren Sie selbst schon einmal der Kunde, der seinen Unmut äußerte? Wie haben Sie denn formuliert? "Ich habe ein Problem." oder "Ich möchte mich bei Ihnen beschweren." Klingt es nicht besser, dieses Anliegen als Frage zu formulieren? Eine solche Frage könnte etwa lauten: "Darf ich Ihnen einen Verbesserungsvorschlag machen?" oder etwas humorvoller: "Ich habe eine kleine Herausforderung für Sie. Können Sie mir helfen"? Bevor Sie jetzt sagen: "Das kann ich doch nicht bringen!", testen Sie es doch bei der nächsten Gelegenheit! Viele Menschen haben es verlernt, Fragen zu stellen und reden nur von sich, von ihren Problemen. Viele Führungskräfte wären auch erfolgreicher, wenn sie öfter Fragen stellten. Top-Führungskräfte wissen zur richtigen Zeit die richtige Frage zu stellen.
Denken Sie daran: "Wer fragt, ist für fünf Minuten dumm; wer nicht fragt, bleibt ein Leben lang dumm." (Chinesisches Sprichwort)
Im Geschäfts- und Privatleben kommt es immer wieder vor, dass Sie auf die Frage eines Anderen keine Antwort wissen oder nicht antworten möchten. Eine gute Möglichkeit, um Zeit zu gewinnen und den "Ball" wieder an den anderen zurück zu spielen, ist die Gegenfrage. Sie kann auch eingesetzt werden, um für eine genaue Antwort noch weitere Informationen vom Gegenüber zu erhalten. Doch kommt es bei der Gegenfrage auf die grammatikalische Struktur an. Man unterscheidet offene und geschlossene Fragen. Eine offene Frage muss ausführlicher beantwortet werden, während man auf eine geschlossene mit "Ja", "Nein", "Vielleicht" oder "Ich weiß nicht" antworten kann. Die Gegenfrage sollte eine offene Frage sein, damit der andere nicht nur kurz bejaht oder verneint.
Einige Beispiele, die direkt aus dem Leben gegriffen sind:
Frage: Warum haben Sie so lange für die Auftragsabwicklung gebraucht?
Gegenfrage: Auf welche unserer Leistungen bezieht sich Ihre Frage?
Frage: Hast du vor mir viele andere Frauen/Männer gehabt?
Gegenfrage: Welche Aspekte meiner Vergangenheit sind wichtig für dich?
Frage: Wo waren Sie gestern zwischen 9:00 und 12:00 Uhr?
Gegenfrage: Was möchten Sie mit dieser Frage erreichen?
Oder: Aus welchen Gründen interessiert es Sie?
Überprüfen Sie bei jeder Gegenfrage, ob es wirklich eine offene Frage ist, die man nicht mit "Ja", "Nein" oder "Vielleicht" beantworten kann. Sie können die Gegenfrage-Technik auch mit einem Partner trainieren, der Ihnen unangenehme Fragen stellt. Stellen Sie die richtige Gegenfrage: Ein Ziel der Gegenfrage ist Zeit zu gewinnen. Daher ist es wichtig die richtige Gegenfrage zu stellen.
Ein Kollege sagt Ihnen: "Warum bist du so langsam?" - Gegenfrage: Seit wann hat denn das Tempo etwas mit der Qualität der Ergebnisse zu tun?
Vermeiden Sie bei der Gegenfrage-Methode unbedingt Ja-/Nein-Fragen. Beispiel: "Warum bist du so langsam?" Gegenfrage: Mache ich diesen Eindruck auf dich? Die Antwort ist dann in mindestens 95 % der Fälle: JA, was nicht im Sinne des Erfinders ist.
Die Gegenfrage ist eine der elegantesten Methoden der Dialektik. Eine Gegenfrage kann weich oder hart bis beleidigend gestellt werden. Wenn Sie Rückfragen stellen, vermeiden Sie es auf jeden Fall mit voller Wucht zurückzuschlagen. Ein Rückzug ist dann kaum noch möglich.
Kennen Sie das, wenn Sie jemanden etwas fragen und derjenige weicht aus? Fragt
der Vorgesetzte zum Beispiel seinen Mitarbeiter nach dem Stand eines Projektes
und dieser erzählt ihm plötzlich von einem wahnsinnig interessanten Telefonat
mit dem Kunden XY. Da ist doch etwas "im Busch", oder? Entwickeln Sie ein Gespür
für solche Situationen und "bohren" Sie nicht gleich nach. Denn so erfahren
Sie sicher auch nicht mehr. Warten Sie einfach eine Zeitlang ab und formulieren
die Frage dann noch einmal neu. Weicht Ihr Gesprächspartner allerdings nochmals
aus, begründen Sie Ihre Frage.
Ziel ist es, dass Ihr Gegenüber erkennt, wie wichtig Ihnen die Beantwortung dieser Frage ist. Notfalls beruhigen Sie durch eine Zusage, dass egal, welche Antwort auch kommt, keine Sanktionen zu erwarten sind. Vielleicht hat Ihr Gesprächspartner nur Angst davor, die Wahrheit auszusprechen. Und drückt sich durch ein geschicktes Ausweichmanöver drum herum. Machen Sie ihm Mut, offen mit Ihnen darüber zu sprechen, denn nur so können Sie gemeinsam an einer Lösung arbeiten.
Oft begegnen wir auch Menschen, die von einer unersättlichen Neugierde getrieben
sind. In vielen Fällen wollen oder können wir aus bestimmten Gründen deren Fragen
nicht beantworten, ohne uns zu kompromittieren oder uns auf Glatteis zu begeben.
Mit folgenden bewährten Methoden können Sie unangenehmen Fragen ausweichen.
Einige Formulierungen sind weich bis elegant, andere verwirrend bis zerstörerisch:
Wenn jemand versucht, Ihren eigenen Fragen mittels dieser dialektischen Methoden auszuweichen, sollten Sie folgendes sagen: Ich kann Ihnen diese Frage später gerne beantworten, gehen Sie bitte jedoch erst auf meine Frage ein.
Üben Sie sich in der Fragekunst. Es lohnt sich. Die Fragetechnik, richtig eingesetzt,
ist eine der einfachsten Möglichkeiten, schlagfertig zu sein.
Ein Rabbiner und ein Jesuit treffen sich und unterhalten sich über die Bedeutung der Dialektik. Der Rabbiner fragt den Jesuiten: "Warum stellen denn die Jesuiten so viele Gegenfragen"? Der Jesuit antwortet: "Warum tun es die Rabbiner auch immer"? Prompt kontert der Rabbiner: "Warum denn nicht"?
Stéphane
Etrillard zählt zu den Top-Wirtschaftstrainern und Coaches. Er gilt als
führender europäischer Experte zum Thema "persönliche Souveränität".
Als Coach und Autor genießt er bei Entscheidern und Führungskräften
einen hervorragenden Ruf. Mit seinen offenen Seminaren im Bereich
Rhetorik und Dialektik sowie Selbst-PR verhilft er seinen Teilnehmern
zu mehr Souveränität in allen Lebenslagen. In dem Online-Magazin "STB
Web" hat Stéphane Etrillard in den letzten Jahren zahlreiche
Fachartikel zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und
Selbstmarketing speziell für SteuerberaterInnen veröffentlicht.
Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 01.02.2003, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.
17.05.2012